Band VII.
I. Abschnitt: Entstehungs-Ursachen.
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satz spezifischer Vorerkrankungen ins Feld geführt. EineStatistik nach Althaus aus dem Jahre 1884 ergiebt unteranderen folgende Zahlen:
Autor.
Jahr.
Quinquaud . . . 1882
Ross...... 1883
Fournier .... 1882
Erb...... 1883
Althaus .... 1884
Voigt..... 1883
Vulpian .... 1879
G. Fischer . . . 1883
Gowers..... 1881
Rumpf..... 1882
Bernhardt . . . 1884
Remak..... 1884
Pusinelli. . . . 1882
voraufgegangene Infektionbei Tabikern.
... 100 §,
... 95 „
. . . 91.«,
... 91 ,
. . . 86.:, ,
. . . 81.4 ,
... 75 „
... 72 ,
... 70 ,
... 66 „
... 60 ,
... 60 ,
... 52 ,
Fournier berechnet später sogar 93 g, und Erbschloss, dass kaum Jemand die Chance hat. tabisch zuwerden, der nicht früher infizirt gewesen ist. Ueberhauptfand an diesen beiden Forschern die Lehre von der luetischenTabes die einflussreichsten Vertreter.
Statistiken aus früheren Jahren als den angeführtenItat man den Vorwurf gemacht, dass sie auf ein Materialsich gründeten, welches nicht besonders auf die in Bedestehende Frage geprüft sei. Sie müssen daher unberück-sichtigt bleiben. Indessen notirte:
Birdsall .... 1884 ..... 43 \,
Berger..... 1885 ..... 43 „
Eulenburg . . . 1885 ..... 36. 8 .
Seguin..... 1884 ..... 22 ,
Möbius .... 1879 ..... 20 „
Rosenthal . . . 1884 ..... 20 „
Oppenheim . . . 1884 ..... 17 ,
Westphal .... 1880 ..... 14 ,
Das gegenseitige Verhältniss in den letzten Zahlennähert sich somit den Ermittelungen Perl's (Bern-hardt's) über die Häufigkeit der Syphilis bei Tuberkulose,da auf 100 Phthisiker 26 Infizirte kamen; Westphal'8,Oppenheim's, Rosenthal's, Möbius', Seguin's Pro-zentsätze sind sogar niedriger. Immerhin bleiben auchdiese noch zurück gegen die Zählung Erb's, der zufolgeunter 1200 seiner Kranken, die nicht au Tabes oder direktan Lues litten, bloss IO.25 $ konstitutionell Erkrankter sichbefanden. L. Meyer fand bei 19 an Tabes leidendenWeibern nicht ein einziges Mal einen anamnestischen oderobjektiven Anhalt für Lues.
Die auffälligen Differenzen in den Erhebungen dergenannten und nicht genannten Autoren sind nicht geeignet,
Sanitäts-Berickt über die Deutschen Heere 1870/71. VII. lid.
ihren statistischen Werth zu erhöhen. Sie haben offenbarihren Grund zum Theil in der Verschiedenheit des Kranken-materials, je nachdem es als klinisches und poliklinischesoder als privates zur Verwendung kam, zum Theil inder unterschiedlichen Gesammtzahl der Untersuchungen.Webber's 68 $ im Krankenhause behandelter, luetischerTabiker standen beispielsweise 38 £ aus der Privatpraxisgegenüber, ein Verhältniss, das sich hier zu Lande wohlumkehren würde. Kleinere Zahlenreihen — Rumpf gebotüber 27, Quinquaud über 21, Vu 1 pian über 20Kranke —dürfen für ein ausschlaggebendes Urtheil gar nicht heran-gezogen werden.
Allzugrosses Vertrauen verdient eine Statistik, die sichmit der Frage überstandener Infektion beschäftigt, überhauptnicht. Es giebt eine grosse Menge von Kranken, die ausjeder, auch der unschuldigsten Affektion die ärgsten Kon-sequenzen ziehen und, selbst wenn Jahre in voller Gesund-heit vergangen, doch auf eine Frage des Arztes erschrecktsich der früheren, fast vergessenen Schäden erinnern undohne Weiteres eine Infektion zugeben. Auf der anderenSeite leugnen andere Patienten ohne jeden Grund auf dasHartnäckigste. In seiner Privatthätigkeit muss der Arztsich hiermit meist zufrieden geben; einer gründlichen Unter-suchung stellen sich unüberwindliche Schwierigkeiten ent-gegen. Besser ist der Militärarzt daran, welcher durchgenauere Kenntniss der Persönlichkeiten meist vor absicht-lichen Täuschungen geschützt und jedenfalls in der Lage ist,die eingehendste Untersuchung vorzunehmen. In Folge derabweichenden und falschen Angaben schleichen sich Irr-thümer in die Publikationen, welche kaum zu vermeidenwaren. So bezeichnet Eulenburg im dritten Falle seinerBeiträge zur Aetiologie und Therapie der Tabes dorsalis(Virchow's Archiv 1885, Bd. XXIX, I. Heft) auf eigeneWahrnehmung und jedenfalls doch auch auf das Kranken-examen hin Syphilis als nicht nachweisbar, während militär-ärztlicherseits auf die erste Frage das Zugeständniss einervor 20 Jahren erlittenen Infektion zu erhalten war,welche sich dann des Näheren aus den Krankenjour-nalen ergab. Beiläufig erwähnt sei, dass die schädlichenEinflüsse des Kriegslebens, welche in der Aetiologie vonEulenburg herangezogen sind, für diesen Krankheitsfallausser Betracht kommen, da Ende der siebziger Jahretabische Symptome noch nicht zu konstatiren waren, underst später den Erscheinungen einer progressiven Paralysedas Westphal'sche Zeichen etc. sich beigesellte. ImAllgemeinen gewährt übrigens eine zuverlässige Anamneseüber spezifische Vorerkrankungen, zumal wenn dieselbenweit zurückliegen, einen viel besseren Anhalt, als dieobjektive Untersuchung.
Immerhin halten auch gediente Soldaten nicht seltenmit der Wahrheit betreffs früherer spezifischer Affektionenzurück. Die militärischen Akten konnten nebenher oftwegen der langen, seit der aktiven Dienstzeit verflossenen
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