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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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IX. Kapitel: Graue Entartung der Hinterstränge. (Tabes dorsulis.)

Band VII.

annähernd gleiche gewesen sein. Wie aber in den vor-erwähnten und näher bezeichneten i) Fällen der Krank-heitsbeginn in die Jahre vor 1870 zurückverlegt werdenmusste, so ist es möglich, ja nach vielfachen, in den Kran-kengeschichten unerwähnt gebliebenen Andeutungen derAkten wahrscheinlich, dass noch öfter verdächtige Symptomeschon bei Ausbruch des Krieges bestanden haben.

Lässt man einmal diese Möglichkeiten und Wahrschein-lichkeiten ganz ausser Betracht und setzt den Anfang derTabes, mit Ausschluss der sicher konstatirten, vor dieseZeit fallenden Beobachtungen, durchweg in die Kriegsjahre,so "bleibt zunächst sehr bemerkenswert!), dass unter denTruppen vorwiegend diejenigen Altersklassen befallenwurden, welche auch im bürgerlichen Leben der Krank-heitsgefahr am ehesten erliegen. Hieraus muss unmittelbargefolgert werden, dass die Ihkältungen, Durchnässungen,Strapazen, Gemütksbewegungen im Felde nicht als direkte,sondern allenfalls nur als mitwirkende Bedingungen fürdas Leiden in Anrechnung gebracht werden können. DasKriegsleben als solches, der Soldatenstand mit seinen un-ausbleiblichen Schädlichkeiten für die Gesundheit erzeugtder Regel nach erst dann Tabes, wenn für dieselbedurch das Lebensalter die nothwendige Prädisposition ge-schaffen ist.

Von den in der Ableistung ihrer aktiven Militärpflichtbegriffenen Soldaten erkrankten im Kriege nur wenige;87.5$ Morbidität entfielen auf Reservisten, Wehrleute undBerufssoldaten.

Die Zunahme der Tabesfrequenz mit der Zunahme derLebensjahre der Soldaten im Felde ergiebt sich rechtdeutlich daraus, dass, trotz der wachsenden Verminde-rung ihrer Zahlenmenge in der Armee, die am Ende desdritten und im Anfang des vierten Decenniums stehendenPersonen die höchsten Erkrankungsziffern zeigten. Nachdem zweiunddreissigsten Jahre nimmt die Anzahl derFeldsoldaten so rapide ab, dass das in der nachstehendenUebersicht für das Alter über 32 Jahre angegebene Mor-biditätsverhältniss demjenigen des Alters von 29 und30 Jahren (welches den absoluten Zahlen nach als das amstärksten belastete erscheint) mindestens gleichwertigerachtet werden muss.

Die Tabes setzte ein:

im 18.

Lebensjahre .

1 mal

. 20.

»

1

, 21.

n

4 ,

22.

»

4 ,

. 23.

r

2

, 24.

I

6

, 25.

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. 6

, 2G.

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4 ,

, 27.

.

. 7 .

. 28.

r

4 ,

im 29. Lebensjahre

. 30.

, 31.

. 32.

33.

, 34.

, 35.

» 36.

, 38.

41.

. 13 mal,

11 ,

7 ,

10 ,

5 ,

4 ,. 5 .

3 ,2

. 1 .

Nach fünfjährigen Zeiträumen geordnet fiel ihr Beginnvor das 20. Jahr 1 mal,

zwischen 20. bis 25 Jahre 17 mal,

, 25. 30 34

30. 35 37. 35. 40 . 10nach dem 40. Jahre 1 mal.

Ein Vergleich mit den Zusammenstellungen andererAutoren ist deswegen nur in beschränktem Sinne möglich,weil diese sämmtliche Lebensabschnitte umfassen, währendhier von einem ganz bestimmten Alter die Rede ist. Ueber-einstimmend lässt sich aber aus allen Statistiken einschnelles Ansteigen der Krankheitsfrequenz nach dein25. Lebensjahre und die höchste Morbidität in der Periodevon 30bis 50 Jahren nachweisen. Nach Berger befandensich unter 185 Tabikern 83 $ in diesem Alter, als dieersten Erscheinungen das Leiden verriethen. Die Tabellenvon Ferry, Topinard, Carre', Erb, Voigt, Althaus,Eulenburg u. A. lassen keinen anderen Schluss zu. Voneinander abweichend sind nur die Angaben darüber, ohdas vierte oder fünfte Lebensdecennium den stärksten Pro-zentsatz zur Tabes stellt. So viel sich ersehen lässt, sinddie Differenzen in den Zahlenangaben aber so unbedeutend,dass sie der Mühe entheben, die Streitfrage zu entscheiden.Es gewinnt übrigens den Anschein, als nähme mit dem40. Lebensjahre die Disposition zur Erkrankung langsamab, um nach dem 50. allmälig zu erlöschen.

Die Streitfrage über den Einfluss speeifischerInfektion auf die Sklerose der Hinterstränge ist in denletzten Jahren mit besonderem Eifer diskutirt worden.Der augenblickliche Stand der Angelegenheit lässt esam annehmbarsten erscheinen, eine syphilitischeTabes, d. h. eine durch direkte Einwirkung derInfektionsträger auf das Gewebe bestimmter Ab-schnitte der hinteren Rückenmarksstränge be-dingte Tabes zu verwerfen und nur die indirekteBetheiligung der spezifischen Erkrankung an-zuerkennen.

Von klinischer Seite wird namentlich als Beweismittelfür eine luetische Genese der Tabes der hohe Prozent-