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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

Entstehungs - Ursachen.

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Erster Abschnitt.Entstehungs - Ursachen.

Dass eine nervöse Belastung bei der Entwickelungder Tabes eine direkte Rolle spielen kann, wird nach denErhebungen von Topinard, Carre, Rosenthal, Fried-reich, Eulenburg wahrscheinlich. Ueber das Maassdieses prädisponirenden Moments gehen aber die Urtheilesehr auseinander. Ballet und Landouzy halten die'ner-vöse Erblichkeit" für die Hauptursache der fraglichenRückenrnarksentartung, da sie unter 120 Kranken 28 malnichts Anderes als eine angeborene Empfänglichkeit be-schuldigen konnten. Rosenthal erklärt die Heredität alseine sehr häufige Vermittlerin der Tabes. Unter 60 Fällenkonnte Fournier 15 mal, ebenso häufig Eulenburg unter125 Fällen diesen Faktor nachweisen, doch waren fastimmer daneben noch anderweitige ätiologische Schädlich-keiten vorhanden. Nach Ferry, dessen Angaben sichübrigens nicht gleichbleiben, darf man in etwa 10§ derFälle auf eine kongenitale Disposition rechnen. Dem ent-spricht die Statistik Oppenheim's. Im Jahre 1878 schienauch Erb noch von der Wirksamkeit einer neuropathischenBelastung überzeugt zu sein, doch hob er schon damalsausdrücklich hervor, dass in sehr zahlreichen Fällen vonTabes an eine hereditäre Ursache nicht zu denken sei.Althaus hält die Bedeutung der ererbten Anlage fürnicht gross. Dieselbe Meinung vertritt Reumont. In derThat erweckt die Prüfung einer grösseren Anzahl kasuisti-scher Mittheilungen den Anschein, dass die grosse Mehr-zahl der Kranken aus nervös vollständig gesunden Familienabstamme.

In obiger Tabelle konnte über die hereditären Ver-hältnisse bei 56 Kranken Auskunft gegeben werden, dar-unter in 2 Fällen mit positivem Ergebniss für die ange-deutete Frage. Einmal (XVI) lässt sich eine direkte nervöseBelastung nicht wohl von der Hand weisen, da der Vateran Epilepsie zu Grunde ging, aber auch im zweiten Falle(LIV) ist die Möglichkeit einer Familiendisposition vorhanden,denn eine Schwester des Untersuchten wird als nerven-krank bezeichnet. Weit zurück bleibt jedoch dieser Pro-zentsatz gegen die Angaben Ballet's und Ferry's und dieVermuthuugen Rosenthal's. Dabei ist nicht ausser Achtzu lassen, dass nach den landläufigen Anschauungen dasNervensystem beider Patienten der angeborenen krank-haften Schwäche erst unter schweren äusseren Angriffenim Kriege erlag.

Obwohl die Initialsymptome der Tabes in sämmtlichenFällen noch während der Kriegsdienstzeit oder, seltener,unmittelbar im Anschluss daran in die Erscheinung traten,so können doch die verschiedenen bürgerlichen ßerufsartender Erkrankten nicht mit Stillschweigen übergangen werden.Dies hauptsächlich deswegen nicht, weil, wie bekannt, dieHinterstrangsklerose unter Umständen in ihren ersten An-fängen sich subjektiv durch Nichts oder doch nur durchganz unbedeutende, der Beachtung vielfach entgehendeZeichen manifestirt, mithin eine Gewähr für den zeitlichenKrankheitsbeginn nicht immer übernommen werden kann.Man hat aber schon vor Jahren auf die unterschiedlicheFrequenz der Krankheit bei den einzelnen Gesellschafts-klassen aufmerksam gemacht und behauptet, dass geradediejenigen Personen, welche durch ihren Beruf zur Arbeitim Freien, zu grossen körperlichen Strapazen gezwungensind, das grösste Kontingent zur Tabes stellen.

Von Leuten, die den Unbilden der Witterung, Durch-nässungen und Erkältungen und zugleich körperlichen An-strengungen schon vor dem Kriege ausgesetzt waren, findetman die Berufssoldaten mit 14, die Arbeiter mit 11, dieLandwirthe und Knechte zusammen mit 9, die Maurer mit6 Fällen verzeichnet. Tischler, Stellmacher, Zimmerleutewaren im Ganzen 8 mal, Schlosser und Schmiede 6 mal,Schuhmacher in derselben Zahl, Bäcker 4 mal vertretenalles Personen, welche durch schwere Handarbeit ihrDasein fristeten und überdies, wenigstens zum grösstenTheile, wechselnder Erhitzung und Abkühlung unterstandenhatten. Ausserdem werden 3 Kaufleute, 3 Post- bezw.Eisenbahnbeamte, 3Droschkenkutscher, 2 Schreiber, 2 Diener,2 Müller und je 1 Arzt, Baumeister, Maler, Fischer, Sattler,Telegraphenbote, Galvaniseur, Gärtner, Waldwärter, Ci-garrenmacher, Steinsetzer, Bergmann, Kassenbote, Färberund Schlächter gezählt. Unbekannt blieb der Stand in6 Fällen.

Aus dieser Berufsstatistik lässt sich wohl kaum mehrschliessen, als dass die Berufssoldaten, deren Menge in derkämpfenden Deutschen Armee doch nur einen geringenBruchtheil ausmachte, besonders häufig der Tabes verfallensind. Die Hauptmasse des Heeres war, wie immer, ausArbeitern und Handwerkern zusammengesetzt. Die Morbi-ditätsfrequenz dürfte unter den einzelnen Klassen derselbenentsprechend ihrer Häufigkeitszahl in der Truppe eine