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VIII. Kapitel: Idiopathische Epilepsie.
Band VII.
XI. Wilhelm M., Kanonier im MagdeburgischenFestungs-Artillerie-Kegiment No. 4, hereditär nicht belastet unddurch sein Vorleben neuropathisch nicht prädisponirt, kam krankaus dem Feldzuge und gab an, bei der Beschiessung desForts Vanves in der Nacht vom 18. zum 19. Januar1871 vor Schreck den ersten epileptischen Anfall be-kommen zu haben. Seitens seines Dienstherrn — M. war Ar-beiter — wurde vor dem Königlichen Kreisgericht zu Rathenowam 6. Juli 1872 Folgendes zu Protokoll gegeben:
„Im Sommer 1871 nach der Rückkehr aus Frankreich wurdeder p. M. auf dem Gute Karlsthal mit Torfstechen beschäftigt.Es zeigte sich, dass die Arbeit für ihn bald zu schwer wurde,denn er klagte über Lähmung der einen Seite, die sich nur da-mals zeitweise einstellte, gegen den Herbst aber heftiger auftrat.Ich gab ihm leichtere Arbeit, sein Zustand verschlimmerte sichjedoch, und es kam öfter vor, dass er bei der Arbeit, z. B. beimSandstechen, eine Zeit lang, etwa 5 Minuten, in gebückterStellung, gestützt auf seinen Spaten vor sich hinblickendbewusstlos dastand. Zu Weihnachten v. J. verliess M. meinenDienst auf etwa acht Wochen und schlug zusammen mit anderenArbeitern Holz in der Heide; Anfang März trat er wieder beimir ein, hatte nunmehr aber schon epileptische Anfälle, die sichder Regel nach täglich zeigten. Er fiel dann plötzlich währendder Arbeit um, war völlig bewusstlos, ballte die Hände, schlugauch wohl um sich und blieb in diesem Zustande etwa 5 Minuten.Durch den Gebrauch ärztlicher und Hausmittel wurde dem Auf-treten der Krampfanfälle mitunter einen bis zwei Tage Einhaltgeboten, dann aber traten die Krämpfe um so heftiger auf, sodass p. M. den ganzen Tag oft im Bett zubringen musste unddie Krämpfe fast beständig während dieses Zeitraums dauerten.Tags darauf wusste p. M. von nichts. Kurz vor seiner Entlassungvor vier Wochen, als er mit mehreren Arbeitern zur Arbeit fuhr
und hinten auf dem Wagen sass, bekam er unterwegs wiedereinen so heftigen Krampfanfall, dass er vom Wagen, und zwarwährend des Trabfahrens, seitwärts der Länge nach zu Bodenfiel und sich durch den Fall zwei Rippen brach. Der Krankehat sich stets ordentlich, brauchbar und zuverlässig gezeigt,und habe ich ihn nur wegen seiner Krankheit entlassen müssen,da ich ihn schon längere Zeit nur, um ihm einen Erwerbszweigzu verschaffen, beschäftigt habe."
Oberstabsarzt Grasnick war während eines Untersuchungs-termins Zeuge von zwei Krampfanfällen, wobei folgende Symptomekonstatirt werden konnten: Die Pupillen waren weit und reagirtennicht auf Lichtreiz. p. M. knirschte mil den Zähnen, der Ober-körper war etwas nach links gebeugt und der ausgestreckterechte Arm und Fuss befanden sich in zitternder Bewegung.Jeder Anfall dauerte etwa 5 Minuten.
Nach Angabe des Ortsschulzen zuFerchels, Kreis Jerichow II,litt M. am 20. Mai 1874 an Tobsucht. Der Anfall wurde ineinem Attest des Kreisphysikus Dr. Heisse zu Rathenow näherbeschrieben. Danach verliess M. am 20. Mai 1874 das Hausund lief ruhelos auf der Strasse umher. Mitglieder seinerFamilie und die zu Hilfe eilenden Nachbarn griff er thätlichan. Es wurde schwer, ihn zu beruhigen; man konnte nichtumhin, ihn zu fesseln. Der Anfall dauerte bis zum nächst-folgenden Morgen 4 Uhr. Die Verstandesthätigkeit soll nach demAnfalle nicht merklich beeinträchtigt gewesen sein, dagegenhörten die sonst mehrmals täglich auftretenden epileptischenAnfälle bis zum 26. Mai auf und erschienen dann von Neuemzunächst in ganz schwachem Grade.
Später mehrten sich die Insulte wieder. M. fand kurzeZeit Aufnahme in der Provinzial-Irrenanstalt zu Halle a. S. undstarb am 24. September 1878.
B. Erster epileptischer Anfall auf oder gleich nach anstrengenden Märschen.
La[et
Lau-fende
No.
II.
Name,
Regiment,
Charge,
Alter.
Hereditäre
Belastung.
Erworbene
Prädisposition.
Erster
epileptischer
Anfall.
Aetiologie.
Bernhard K.,
2. Schlesisches
Jäger - Bataillon
No. 6,
25 Jahre.
Heinrich G.,
Keine.
Gedientl865und1866.
28. August1870.
Keine.Atteste von
4. OstpreussischesLandwehr-Regiment: Prediger, Lehrer,No. 5, Dienstherrn.
Grenadier,
25 Jahre.
Auf einem Marsche.
Form der Epilepsieund Verlauf.
Ausgang,Grad der Erwerbs-unfähigkeit.
1873: Ziemlich häufige Anfälle.1877: Krämpfe in Inter-vallen von mehreren Wochen.
Zuletzt konstatirt am14. Dezember 1877:Dauernd grössten-theils erwerbs-unfähig.
Auf einem Marschevon Soissons nachLa Fere.
Zunächst häufige, späterseltenere epileptische Anfälleund psychische Epilepsie.
1873: Dauerndtheil-weise erwerbs-unfähig.
VI
ill. August N., Keine.
3. Brandenburg.
Infanterie-Regiment
No. 20,
Musketier,
18 Jahre.
-iC—v>" I WKSlHSttäCftKEHäS iBTüHffifP"-"
6. Dezember1870.
Beim Einmärsche inOrleans.
Im Lazareth wurden zunächsthäufige Anfälle beobachtet,von späteren Aenderungenenthalten die Akten nichts.
1871: Dauernd gänz-lich erwerbsunfähig.