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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

VIII. Kapitel: Idiopathische Epilepsie.

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Falles W. (D. V) 20. Von einer Heilung ist nichtein einziges Mal bei ihnen die Rede. In zwei Fällentrat direkt durch das jahrelang in schwerer Form an-dauernde Krampfleiden der Tod ein.

Endlich bedarf bezüglich des Ausgangs noch unter dendrei möglicherweise durch Erkältung hervorgerufenenBeispielen die Heilung des Hautboisten Hagen (E. I) Er-wähnung, welche nach 1'/-'jähriger Krankheitsdauer zuStande kam.

Kaum zweifelhaft erscheint es, dass die Prognose derEpilepsie auf der beschriebenen Basis bei erwachsenenPersonen im Alter unserer Soldaten ganz wesentlich vondem ursprünglichen Krankheitscharakter abhängig ist, denndie Anfälle der ersten Krankheitsperiode werden in fünfGenesungsfällen ausdrücklich als seltene und kurze be-schrieben. Heftige, lange und rasch wiederkehrende Insultewaren bei den Geheilten, selbst im Anfang der Erkrankung,niemals nachzuweisen.

So gering im Allgemeinen die Aussicht auf dauerndeHeilung der Epilepsie ist, so häufig treten theils spontan,theils unter geeigneter Therapie günstige Veränderungenin der Krankheitsform auf. Bei M. (A. I) nahm dieursprünglich sehr schwere Epilepsie mit dem Jahre 1874eine mildere Gestalt an. In der Tabelle B. sind zehnBeispiele einer im Laufe der Jahre eingetretenen Ver-besserung der epileptischen Erscheinungen enthalten. Daein so hoher Prozentsatz von Uebergängen einer schwerenin eine leichte Form der Epilepsie für die Erkrankung

auf anderer Basis zufolge der Invalidenlisten nicht erwiesenist, so dürfte in Erwägung zu ziehen sein, ob gerade dieErmüdungsepilepsie besonders gute Chancen für diegünstige Modifikation des Krankheitsbildes bietet,zumal wenn die Zahl der Anfälle, wie hier, ohne Therapieabnimmt.

So weit sich der Verlauf sämmtlicher 141 Fälleidiopathischer Epilepsie aus den Akten übersehen lässt,trat der Tod in acht Fällen ein, darunter sechsmal alsdirekte Krankheitsfolge; an Häufigkeit und Intensität er-mässigten sich die Krampferscheinungen 34 mal; schwererund zahlreicher wurden die Insulte bei 35 Patienten;57 mal blieb der Zustand, was Frequenz und Schwere derspäteren Paroxysmen betraf, entweder unverändert oderunaufgeklärt; in sieben Fällen war, wie erwähnt, die Annahmeeiner definitiven Genesung erlaubt.

Anscheinend hatten die verschiedenen ätiologi-schen Momente nicht nur auf den Ausgang, sondern auchauf den Verlauf der Krankheit einen ungleichen Werth.Einen auffallend ungünstigen Charakter nahm besondersdie Schreckepilepsie in einer relativ grossen Zahl vonFällen an. Ihr gegenüber zeichnete sich namentlichdie Ermüdungsepilepsie vortheilhaft aus, indem sievergleichsweise sowohl die meisten Veränderungen inbonam, als die wenigsten in malam partem im Laufe derZeit erkennen liess.

Uebersichtlich gestaltete sich der Krankheitsverlaufetwa so:

Aetiologie

Zahlder

Fälle

Ausgangin

Verlauf

Unverändertbezw.

jHeilung ' Tod

Besserung

Verschlechterung

unbekannt

I. Epilepsie durch die Einflüsse des Krieges im Allgemeinen.....

IV. Epilepsie, entstanden in Schlacht, auf Wache, auf Posten.....

V. Epilepsie, entstanden nach einmaliger Erkältung.........

711533193

511

24

2

182

1031

19844

27

1

18

10

1

Summe

141

7

8 1 )

34

35

57

Mit Einrechnung von 30 im Anschluss an Typhus,Ruhr und Pocken namentlich vermerkten Fällen gebietetdas Kapitel der idiopathischen Epilepsie über 171 Be-obachtungen, von welchen 12 in Genesung, 11 bezw. 9 inTod übergingen. Vergleicht man hiermit den Ausgangvon denjenigen Fällen traumatischer Epilepsie, in welchen

ein chirurgisch-operatives Heilverfahren nicht in Anwendungkam, so entfielen auf 60 sekundäre epileptische Erkrankungen4 geheilte und 5 tödtlich endende Fälle, ohne dass jedochin den letzteren mehr als einmal eine unmittelbare Be-ziehung des lethalen Verlaufs zu der ursprünglichen Krank-heit ersichtlich würde.

') Sechs in direkter Folge der Epilepsie.

Sanitäts-Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

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