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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII. III. Abschnitt: Nachkraiiklieiten n. Rezidive. Differential-Diagnose. Sterblichkeit u. pathologisch-anatomischer Befund etc. 283

Dritter Abschnitt.

Nachkrankheiten und Rezidive. Differential-Diagnose. Sterblichkeit undpathologisch-anatomischer Befund. Krankheitsdauer und Behandlung.

I. Nachkrankheiten und Rezidive.

Schon bei Analyse der einzelnen Krankheitssymptomeist darauf hingewiesen, dass verschiedene durch den menin-gitischen Prozess bedingte Störungen, als da sind: Beein-trächtigungen der Hör- und Sehfähigkeit, Augenmuskel-lähmungen, Lähmungen der Gliedmaassen weit über dieGenesungsperiode hinaus, ja dauernd fortbestehen können.Auch in der Rekonvaleszenz treten zuweilen noch widerErwarten schwere Alterationen hauptsächlich im Nerven-system auf und bedingen Nachkrankheiten, welche vonjeher ein hervorragendes Interesse beansprucht haben.Als die häutigste wird von v. Ziem s sen der chronischeHydrocephalus bezeichnet. Ueber seine Entstehunggehen die Ansichten der Autoren auseinander. Währenddie einen ihn auf sekundäre Entzündungsvorgänge imEpendyin zurückführen, halten die andern ihn durch Ein-wanderung des Eiters längs der Plexus chorioidei hervor-gerufen. Seine wesentlichsten Symptome werden nochv. Ziemssen durchParoxysmen von heftigen Kopf-schmerzen und von Schmerzen im Nacken und in denExtremitäten, Bewusstlosigkeit, Konvulsionen und unwill-kürlichen Abgang von Stuhl und Harn" ausgemacht. DieseAnfälle sind oftmals durch symptomlose Zwischenräumevon einander getrennt, ein anderes Mal dauern auch inden Intervallen die hydrocephalischen Erscheinungen inverminderter Intensität fort. Ein Fall von Hydrocephalus,welcher nach dem Ablauf der Meningitis im Stadium schein-bar fortgeschrittener Rekonvaleszenz sich entwickelt hätte,konnte in dem Feldzugsmaterial mit Bestimmtheit nichtentdeckt werden. Bort, wo die Sektionsprotokolle voneiner ungewöhnlichen Ausdehnung der Ventrikel durcheitrig - seröse Flüssigkeit sprechen, hatte sich der Hydro-cephalus im Laufe der Krankheit selbst ausgebildet. Dasses hierzu eines relativ kurzen Zeitraums bedarf, dafürliefern die Krankengeschichten von H. (XXIX) undL. (XXVIH), von denen der erste in der drittenWoche, der zweite am 12. Krankheitstage starb, einen

positiven Beweis. Ebenso wenig wie in diesen Hess sichauch in den Fällen mit protrahirtem Verlaufe ein bestimmterZeitpunkt angeben, von dem die Klomplikation mit Hydropsventriculorum zu datiren wäre, der Uebergang des einenin das andere Krankheitsbild war nicht genügend ab-gegrenzt. Unzureichend für die Erkennung dieses Ueber-gangs sind vor Allem die unterscheidenden klinischenSymptome, welche allenfalls den von der abgelaufenenprimären Erkrankung durch einen mehr oder wenigerlängeren von Krankheitserscheinungen freien Zwischenraumgeschiedenen, nicht aber den die Meningitis komplizirendenHydrocephalus erkennen lassen. Als ungefähren Terminder Ventrikelerkrankung dürften bei B. (LVIII) dieersten Tage des April anzunehmen sein, zumal um dieseZeit ein Symptom beobachtet wurde, welchem bei se-kundärem Hydrocephalus ein bestimmender diagnostischerWerth zusteht, das ist die geistige Apathie bei sonstfreiem Sensorium» Man begegnet dieser Apathie auchin der Beschreibung des Befundes bei S. (LIX). Erantwortet nur langsam auf lautes Anrufen, spricht unauf-gefordert nie, liegt ruhig im Bette, fordert kein Essen,muss gefüttert werden. Dieser Kranke hatte zu der Zeit,in welcher die vorstehenden Notizen über ihn gemachtwurden, etwa 2 Monate nach Beginn der Meningitis, keinFieber und blieb von Fieber auch frei bis zu seinem18 Tage später erfolgten Tode. In dem durch eine aus-führliche und genaue Krankengeschichte erläuterten FalleB. (LVIII) konnten dagegen leichte gleichmässige Fieber-bewegungen auch während des Endstadiums nach dersupponirten Entwickelung des Hydrocephalus konstatirtwerden, gegen welche die bedeutende, stetig wachsendeund wechselnde Pulsfrequenz auffallend kontrastirte. DieDauer seiner Krankheit betrug aber nur 35 Tage, dasMeningealexsudat war nicht so weit resorbirt und ein-gedickt wie bei S. (LIX), die Fieberbewegungen wurdendurch die Eiterresorption verursacht.

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