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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Vil. Kapitel: Uenickstarre. (Meningitis cerebro-spinalis.)

Band VII.

22. Oktober: Tod um 8 Uhr Morgens.

Der Fieberablauf war nachstehender (Zeichnung 31):

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------------ Temperatur.......... Puls.

Zeichnung 31.

Sektion: Eitrige Meningitis der Basis und der Konvexität.Kapilläre Blutergüsse in die rechte Hemisphäre. BeiderseitigeLungenhypostase. Milztumor. Vernarbte Typhusgeschwüre.

Das Hinzutreten von Pneumonie zur Cerebro-spinalmeningitis wurde, wie anders die im Krankenjournaleangeführten physikalischen Zeichen im Vereine mit demblutig gefärbten Sputum nicht folgern lassen, in den vor-handenen 66 näher beschriebenen Fällen zweimal, und zwarbei F. (XXV) und P. (XXVIJ) nachgewiesen. DerAusgang der Erkrankung war beide Mal ein rasch tödt-licher.

Von anderen Komplikationen bedarf die bei B.(XXIII) beobachtete Gelenkaffektion der Erwähnung.Die deutschen Autoren übergehen die komplizirenden Arthro-pathien meist mit Stillschweigen, doch haben neuerdingsStrümpell und Jaffé die Aufmerksamkeit wieder aufdieselbe gelenkt. In manchen Epidemien sind Gelenk-aff ektionen häufiger vorgekommen, in der Epidemie vonNauplia im Jahre 1869 bezeichnet sie Kotsonopulos alsfast konstant. Ihr hauptsächlicher Sitz waren Hand- undKniegelenk. In den Strümpell'schen Fällen betheiligtensich an der Schwellung und Schmerzhaftigkeit auch dasFuss- und Schultergelenk. Dieser Autor wirft die Frageauf:Kann die supponirte spezifische Krankheitsursacheder Meningitis cerebro-spinalis unter gewissen Umständenwie das Gift des Scharlachs, vieler septischer Erkrankungenu. a. m. Gelenkschwellungen hervorrufen, oder handelt essich in den Fällen, wo solche beobachtet werden, um einewirkliche Kombination zweier Krankheiten, um eine gleich-zeitige Wirksamkeit der beiden spezifischen in den Körper

gelangten Schädlichkeiten?" Der eigenthümliche Sitzder Affektion an dem Metakarpo-Phalangealgelenk desDaumens der rechten Hand bei B. (XXIII) macht es wahr-scheinlich, dass in diesem Falle die sekundäre Erkrankungdurch das Virus der Meningitis erzeugt wurde, wobei esnoch fraglich ist, ob das Gelenk selbst oder nur seineUmgebung betroffen war. Die Metakarpo-Phalangealge-lenke werden auch bei anderen Infektionskrankheiten, vorAllem bei der malignen Endokarditis, als Prädilektions-stellen in Mitleidenschaft gezogen. Von Bedeutung istnoch für den angezogenen Fall, dass allem Anscheinnach sonst keine Gelenke erkrankt waren. AnderweitigeKomplikationen der Cerebrospinalmeningitis sind währenddes Feldzuges nicht beobachtet worden, man müsste denndie bei G. (LVII) am 6. Krankheitstage konstatirteTonsillitis und Pharyngitis noch hierher rechnen.

LVII. Erich G., Sekondlieutenant im HannoverschenFüsilier - Regiment No. 73, erkrankte am 12. Januar 1871auf einem Marsche zu Voulaines ganz plötzlich unterstarken Kopf- und Nackenschmerzen, verblieb zunächst am Ortein Privatpflege und wurde am 17. Januar nach Chatillon s. S.ins 6. Feldlazareth VII. Armeekorps geschafft. Status: Zartgebauter, ziemlich muskulöser, mittelmässig ernährter Kranker;nimmt die aktive Rückenlage ein. Haut heiss, trocken; Pulsfrequent, voll. Klagen über Schmerzen beim Schlucken undbei Bewegungen des Kopfes. Nackenstarre. BeträchtlicheRöthung und Schwellung beider Mandeln. Röthungder Rachenschleimhaut. Zungetrocken, braun belegt. Unter-leib hart. Stuhl seit 5 Tagen angehalten. Lungen und Herzintakt. Urinquantum gering. Auf Fragen inkorrekte Antworten.

19. Januar: Temperatur niedriger. Puls frequent. Sen-sorium weniger benommen. In den Nächten Delirien. Mandelnabgeschwollen. Nackenschmerz und Genicksteifigkeit geringer.Stirnkopfschmerz zeitweilig heftig. Verstopfung.

21. Januar: Zunge rein, Durst geringer. Leibkahnförmigeingesunken. Verstopfung.

23. Januar: Die Schmerzen lassen bedeutend nach, ebensodas Fieber.

24. Januar: Erst heute ist das Sensorium vollkommen frei.Abends von Neuem Kopfschmerz; anhaltende Obstructio alvi.

25. Januar: Heute zum ersten Male Erbrechen beireiner Zunge. P. 120, kräftig. Kopfschmerz heftig. AmAbend bedeckt sich unter Abnahme des Kopfschmerzes dieHaut mit Schweiss. P. 100120.

26. Januar: Erbrechen, aber weniger häufig als gestern.

27. Januar: Zweimaliges Erbrechen. T. fast normal,Puls weniger häufig.

28. Januar: Einmaliges Erbrechen. T. normal.

29. Januar: P. 88.

30. Januar: Das Erbrechen hat aufgehört. P. 80.

31. Januar: Puls unregelmässig und sehr frequent.Patient ist wieder verwirrt.

1. Februar: Eintritt in die Konvaleszenz.