Band VII.
II. Abschnitt: Analyse der Symptome.
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Ein Roseola-Exanthem wurde dreimal gefunden.Darunter befand sich Z. (LV1), welcher als Typhus-rekonvaleszent an Meningitis erkrankte und starb. F. (LI),der auch zu Grunde ging, zeigte die Roseolaflecke aufBrust und Bauch am sechsten Krankheitstage. ZweiAusschlagsformen, hier Roseola und Herpes, bei demselbenKranken sind nur in dem zuletzt ausführlicher beschriebenenFalle erwähnt.
Dekubitus trat bei D. (XLVI1) und W. (XL)in der dritten Krankheitswoche auf, bei S. (L1X) nachAusgang der Meningitis in Hydrocephalus. Wie mandie Ursache der Herpeseruption in einer trophischen Inner-vationsstörung zu suchen berechtigt ist, wofür namentlichdie von anderen Seiten häufig beobachtete Symmetrie indem Auftreten der Hautaffektion spricht, so steht nichtsim Wege, auch die Brandschorf bildung mit einer Erkrankungder trophischen Nerven in Verbindung zu bringen.
LI. Heinrich F. vom Regiment Gardes du Corpsfing an, am 26.Mai 1871 über Schmerzen in allen Gliedernzu klagen, hatte Stuhlverstopfung, Appetitmangel und an-geblich auch etwas Fieber.
Rec. am 31. Mai ins 11. Feldlazareth des Gardekorps zuCrépy en Valois.
Roseola-Exanthem auf Brust und Bauch. AusgesprocheneSteifigkeit der Nackenmuskeln. Zunge stark belegt.Zweimaliges Erbrechen. Kopf unbeweglich. T. Abends 39.o.
1. Juni: Zweimal Erbrechen von schleimigen Massenam Morgen. Schmerzhaftigkeit des Nackens.
3. Juni: Kein Erbrechen mehr.
4. Juni: Immer noch Fieber. Die Schmerzen ira Nackenhaben nachgelassen.
Nachmittags 4 Uhr heftiger Schüttelfrost.
5. Juni: Bewusstlosigkeit, Pupillen weit, wenig reagirend.
6. Juni: Tod in Sopor.Sektion: Cerebrospinalmeningitis.
Ein besonderes Interesse steht dem Falle S. (LH)zu. Vorausgesetzt, dass er überhaupt in dieses Kapitelgehört, wofür ein positiver Beweis leider nicht erbrachtist, so bleibt er der einzige, in welchem eine Affektionder- Nase beobachtet wurde. Nachdem Weigert ge-legentlich einiger Sektionen neben den meningitischenProzessen eitrige Entzündungen gewisser Nasentheile ge-funden hatte, kam er auf die Vermuthung, dass möglicher-weise der Infektionsstoff seinen Weg in die sonst gutabgeschlossenen Centraltheile von aussen durch die Nasen-höhle und die Löcher der Siebbeinplatte nehme. Wärediese Anschauung richtig, so liesse sich wohl denken, dasssowohl im Prodromalstadium als im Laufe der KrankheitBelbst verschiedenartige Affektionen des Geruchsorganssichtbar und bedeutungsvoll werden könnten. Bisher habendie Untersuchungen nach dieser Richtung hin eine grössereAusbeute nicht ergeben. Strümpell erwähnt (DeutschesArchiv für klinische Medizin, Bd. 30, 1882), dass er inder That in einigen, durchaus nicht in allen Fällen einesehr auffallende Abnahme des Geruchsinns und vor Auf-
treten der meningitischen Symptome zuweilen einen ziemlichintensiven Schnupfen konstatirt habe.
LH. Conrad EL, Gefreiter der 10. Kompagnie 1. Nassaui-schen Infanterie-Regiments No. 87.
Rec. am 7. September 1870 ins 6. Feldlazareth XI. Armee-korps zu Vrignes aux Bois.
Zeigt die Symptome eines leichten gastrischen Fiebers.P. 96. Massig erhöhte Temperatur. Klagen über Druck in derMagengegend, Appetitmangel und Durchfall seit gestern be-stehend.
8. September: Wesentliche Besserung. Kein Fieber. Zungewenig belegt. Patient soll in den nächsten Tagen evakuirtwerden.
12. September: Am Morgen plötzliche Verschlimmerung.Hohes Fieber. P. 120. Kopf geröthet und heiss. Patient istausser Stande zu sprechen oder die Zunge vorzu-strecken. Pupillen eng. Ptosis des rechten oberenAugenlides, rechter Mundwinkel nach oben verzogen.Kinnbackenkrampf. Nackenstarre.
13. September: P. 80. Abends bewusstlos. P. 120, klein.
14. September: Parese des linken Armes und linkenBeines. Ptosis rechts. Kopf nach rechts verdreht.
16. September: Koma; Sedes insciae. Purulenter stin-kender Ausfluss aus der Nase.
19. September: Kälte der Haut, Cyanose. Sehr frequenterkleiner Puls.
21. September: Tod.
LUI. Heinrich Oskar G., Sergeant der 2. KompagnieKöniglich Sächsischen Leib - Grenadier - Regiments No. 100,bekam, nachdem er vorher ganz gesund war, am 1. April1871 angeblieh aus Anlass einer Erkältung einen hef-tigen Schüttelfrost. Nach demselben verspürte er Mattig-keit in allen Gliedern, hatte erhöhtes Durstgefühl, keinen Appetit,keinen Schlaf. Zugleich stellten sich sehr heftige Kopfschmerzenein, welche ununterbrochen andauerten.
Rec. am 4. April in das 8. Feldlazareth XII. Armeekorpszu St. Quentin.
Status: Rückenlage mit steifem Hals und schwer beweg-lichem Kopf. Druck auf den 5. und 6. Halswirbel in massigemGrade schmerzhaft. Pupillen von mittlerer Weite, reagirend.Zunge weiss belegt, feucht. Unregelmässige Respiration. Per-kussion und Auskultation über den Lungen ohne Abweichungvon der Norm. Herzdämpfung klein, Töne rein, Aktion regel-mässig. Milz nicht vergrössert; kein Hautexanthem.
5. April: Heute fehlt die Druckschmerzhaftigkeit der Hals-wirbelsäule. Patient versucht während des Tages ohne Grundmehrmals das Bett zu verlassen.
6. April: Nackenmuskeln bei Druck schmerzhaft, ebensodie Stellen (?) am Proc. mastoideus. Während des Tages delirirtder Kranke viel. Die Unterschenkel und besonders die Füssestark hyperämisch geröthet.
7. April: Schmerz bei Druck auf die Sternocleidomastoidei.Patient verhält sich ruhiger und hat geschlafen.
8. April: Druckschmerzhaftigkeit unverändert. In der ver-gangenen Nacht wieder grosse Unruhe.
9. April: Die Hände zittern, sonst wieder etwas mehr Ruhe.
10. April: Von Neuem Unruhe. Schmerzen in demselbenGrade wie früher.
12. April: Gestern und vorgestern war der Zustand der-selbe. Heute ist Patient bedeutend ruhiger. Die Schmerz-haftigkeit der Nackenmuskeln hat erheblich nachgelassen.