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VII. Kapitel: Genickstarre. (Meningitis cerebrospinalis."
Band VII.
Aphasie scheinbar einen kortikalen Ursprung, Motilitäts-störungen bestanden sonst nicht. Der erste Kranke starb,der zweite wurde gesund, die Sprache kehrte zurück.Aphatische Störungen wird man bei einer Krankheit, welchedie Hirnrinde in so hervorragendem Maasse in Mitleiden-schaft zieht, häufig erwarten können. An verschiedenenStellen machen die Journalblätter aus dem Feldzuge hier-über auch Andeutungen. Nach der Behauptung Leyden'sstellen sich Aphasie und Anarthrie ferner zuweilen alsNachkrankheit ein. Hierfür sind positive Ueberlieferungenaus dem Kriege nicht herbeizuschaffen.
XL. Heinrich W., Einjährig - Freiwilliger im 1. West-preussischen Grenadier - Regiment No. 6, fand, nachdemer schon seit lOTagen an Appetitlosigkeit, Druckgefühlin der Magengegend und allgemeiner Schwäche imRevier behandelt worden war, am 11. Mai 1871 in dem Kan-tonnementslazareth zu Melisey Aufnahme.
Stat.: Heftige ziehende Schmerzen in der Lendengegendund am rechten Oberschenkel. T. wenig erhöht. P. 82. Zungebelegt, Druckempfindlichkeit des Epigastriums.
12. Mai: Fieber nach Chinin verschwunden, Schmerzengeringer.
13. Mai: Schweiss. Zunge stärker belegt. P. 100.
14. Mai: Zusammengesunkene Lage im Bette. Delirien.Pupillen weit. Hyperästhesie des ganzen Körpers.Nackenstarre. P. Morgens 80, Abends 140.
15. Mai: Gegen Mittag Zittern des ganzen Körpers. TieferSopor. Pupillen ad maximum erweitert. Oberflächlichehäufige Respiration. Puls minimal.
16. Mai: Facialislähmung (welche Seite V). Linkes Beinunbeweglich.
17. Mai: Dekubitus am Kreuzbein.
19. Mai, Morgens 7 Uhr: Exitus lethalis.
XLI. M., Einjährig - Freiwilliger im 2. PosenschenInfanterie-Regiment No. 58, kam mit Klagen über rheu-matische Schmerzen im Rücken und in den Unterextremitätenim November 1870 in das 2. Feldlazarett) V. Armeekorps zuVersailles. Die Beschwerden bestanden seit 4 Tagen. DasFieber war hoch. Man instituirte eine antiphlogistische Behand-lung. Der Zustand des Kranken verschlechterte sich aber,indem Benommenheit, Schwerhörigkeit und Nackenstarrehinzutraten. Darauf zeigte sich eine Ptosis des linken oberenAugenlides und sodann eine Lähmung särnmt licher Extre-mitäten. Patient erlag seinem Leiden am 24. Tage derBehandlung.
XLIL Heinrich B., Jäger im Lauenburgischen Jäger-Bataillon No. 9, wurde im stehenden Kriegslazareth zuTroyes vom 17. bis 27. März 1871 an Cerebrospinal-meningitis behandelt und an letzterem Tage nach Deutsch-land evakuirt.
Bei seiner Ankunft im Reservelazareth zu Hamburg am2. April ist er sehr unruhig, muss mit Gewalt auf seinem Lagergehalten werden. Sensorium benommen.
4. April: Heute früh zeigen sich die rechtsseitigenExtremitäten sehr paretisch, sind auch bedeutend kälterals die der anderen Seite anzufühlen. Patient antwortet aufalle Fragen mit einem stereotypen „Ja". Temperatur subnormal.
7. April: Vorgestern und gestern schluckte der Krankenicht, lässt Faeces und Urin unter sich. Die anfangs er-weiterten Pupillen sind jetzt kontrahirt. Puls kaum
zu fühlen, äusserst frequent. Extremitäten kalt; Leib eingezogen.Tiefes Koma. Konjunktiven injizirt; zwischen den baldhalbgeschlossenen, bald weit geöffneten Lidern viel Schleim.
8. April: Heute schluckt B. wieder etwas. Der Puls istdeutlicher zu fühlen.
10. April: Von nun an Besserung.
B. wurde später auf Grund der Hemiparese invalidisirt.Seine späteren Schicksale sind nicht bekannt.
XLII1. Konrad D.. Tambour der 5. KompagnieHannoverschen Füsilier-Regiments No. 73, wurde nach einerReihe aufeinanderfolgender Märsche bei schlechter Witterungin der Gegend von Dijon am 3. Januar 1871 von einemSchüttelfrost befallen, an den sich heftige Kopf-und Kreuz-schmerzen anschlössen. Drei Tage später trat er in Lazareth-hehandlung. Seine Krankheit wird als Cerebrospinalmeningitisbezeichnet; eine Schilderung ihres Verlaufes ist nicht vorhanden.Nur soviel steht fest, dass im Feldlazareth zu Chamont, wo derKranke im Februar und März 1871 verpflegt wurde, eineLähmung der rechten Körperhälfte auftrat. Eine vierzehn-wöchentliche elektrische Kur und der Gebrauch der Bäder inNenndorf bewirkten Besserung. Der Zustand des Patientenwar am 29. August 1871 folgender: „Lähmungserscheinungenan der rechten Gesichtshälfte und an der rechten Unterextremitätnicht nachzuweisen. Aktiv kann der rechte Arm nur eineKleinigkeit vom Körper abduzirt werden, passiv lässt er sichbis zur Horizontalen heben, doch klagt D. dabei über grosseSchmerzen im rechten Schultergelenke. Schmerzhafte Empfindungruft überhaupt die geringste Bewegung der rechten Hand unddes rechten Vorderarms hervor."
28. Mai 1872: „Fortschreitende Besserung der Bewegungs-fähigkeit der rechten Oberextremität, welche x l¿ Zoll magererals die linke ist."
28. Juli 1873: „Differenz der Oberarme 3 cm zu Un-gunsten des rechten."
30. Juni 1874: „Umfangsdifferenz dieselbe. Aktive Ge-brauchsfähigkeit des rechten Armes wenig behindert."
XLIV. Gottlieb R., geboren am 18. August 1837,hatte seiner aktiven Militärpflicht von 1857 —1860 genügt undden Feldzug 1866 mitgemacht, ohne Beeinträchtigung seinervon Hause aus tadellosen Gesundheit. Im Jahre 1870 zog erals Wehrmann des 20. Landwehr-Regiments mit in den Krieg.Vor Metz war er in den nassen und kalten Biwaks häufigerErkältung ausgesetzt und erkrankte angeblich plötzlich unterFieber, Rückenschmerz und Steifigkeit in den Gliedern. DieKrankheitsdiagnose wurde auf Meningitis cerebro-spinalis gestellt.Als Residuen dieses Leidens blieben eine Lähmung des linkenArmes und eine Kontraktur der linksseitigen Halsmuskeln zurück,wodurch der Kopf nach der linken Seite gezogen wurde, lt.erklärte, schon bald nach Beginn der Erkrankung vorMetz Krampfanfälle mit Be wusstlosigkeit bekommenzu haben. Aerztlicherseits wurde erst im Lazareth zu Kasselam 11. September 1870 Epilepsie konstatirt. Anfang 1872bestand noch eine Parese der linken Oberextremität, eine Schief-stellung des Kopfes nach links durch Muskelkontraktur unddas Unvermögen, den Oberkörper nach vorne zu beugen. Dieepileptischen Anfälle waren nach der Entlassung aus demLazareth nicht wieder aufgetreten. Patient machte eine Bade-kur in Oeynhausen durch, wurde elektrisirt und nahm späterrömische Bäder. Diesen letzteren schreibt er seine Heilung zu.Er zeigt sich 1883 als ein kräftiger gesunder Mann ohne nervöseSymptome.