Band VII.
IL Abschnitt: Analyse der Symptome.
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blosse Läsion des n. acústicas an der SchwerhörigkeitSchuld hatten. Auch kennt man nicht die Dauer ihresBestandes. Ihr zeitliches Auftreten fiel hei S. (LX)und T. (XXXVJI1) in die erste Krankheitswoche, beiI). (XXXVII) in ein späteres Stadium. Subjektive Ohr-geräusche als Initialsymptome gehörten nicht unter dieSeltenheiten.
Bleibende Schädigungen des Hörvermögens unter den |geheilten Fällen in dem Grade, dass sie Invalidität bedingten,sind, soweit bekannt, nicht vorgekommen. Unter den Ge-nesenen aus der im Jahre 1867 zu Pola herrschenden Epi-demie von Cerebrospinalmeningitis, welche ungefähr dieselbeErkrankung«- (129) und eine annähernd gleiche Sterblich-keitsziffer (60.5 §) hatte, kam ausser Blindheit und Geistes-krankheit auch Taubheit in mehreren Fällen zur Beobachtung,doch muss darauf hingewiesen werden, dass diese sekundärenErkrankungen auf das für Krankheitskomplikationen be-sonders empfängliche Kindesalter fielen.
Unter den Hirnnerven zogen ferner noch Lähmungendes Facialis die Aufmerksamkeit auf sich. Eine isolirteLähmung des rechten Gesichtsnerven kam bei B. (LV1II)am vierten Krankheitstage zur Beobachtung. ZwölfTage später bemerkt das Journalblatt, dass die Motilitäts-störung rückgängig wird. Gewöhnlich war aber die Facialis-lähmung entweder Theilerscheinuug einer totalen Hemiplegieoder sie trat in Verbindung mit der Lähmung einer einzigenExtremität auf.
Fälle der letzteren Art lernt man in den Kranken-geschichten von B. (XXIII) und W. (XL) kennen.Hier war der linke Arm, dort das linke Bein mitaffizirt. Centrale Lähmungen waren überhaupt soungewöhnlich zahlreich, dass diese Komplikation -- dennals solche muss sie aufgefasst werden — einer eingehen-deren Besprechung bedarf. In der Kasuistik sind 9 hier-hergehörige Mittheilungen gemacht. Vollkommene Hemi-plegie lag nach dem Wortlaut der Beschreibung zweimalund zwar bei S. (111) und I). (XLUI) vor. S. (111)erkrankte unter den Erscheinungen einer linksseitigenParese mit Bewusstlosigkeit, die Lähmung nahm schnellbis zur Paralyse zu, 40 Stunden nach Beginn des Leidenstrat der Tod ein. Da das Sektionsergebniss auf eine Me-ningitis cerebro-spinalis hinauslief, so darf angenommenwerden, dass sinnfällige Läsionen der Centralapparate derLähmung nicht zu Grunde lagen. Um eine Lähmungsämmtlicher Extremitäten handelte es sich bei M.(XLI). In einem sehr späten Krankheitsstadium, viel-leicht sogar als Rekonvaleszent, in welchem Falle dannvon einer Nachkrankheit die Rede sein müsste, wurde D.(XL1II) halbseitig gelähmt. Ein halbes Jahr nachher warvon der Gesichts- und Unterextremitätenlähmung nichtsmehr zu sehen, die aktive Gebrauchsfähigkeit des Armesbesserte sich nur langsam, konnte aber im Juni des Jahres1874 als fast wiederhergestellt ausgesprochen werden. EineGewissheit, dass in den Fällen XXVI, XLII, XLV,
Sanitäts-Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
wie seitens der Berichterstatter angegeben, die Lähmungs-erscheinungen auf die gleichseitigen Extremitäten beschränktwaren, existirt nicht. Leichte Paresen im Facialisgebieteentgehen der Beobachtung nicht selten. M. (XXVI),welcher am 13. Krankheitstage eine Lähmung des linkenArmes und linken Beines davontrug, verstarb. Die Sektiondehnte sich auf das Rückenmark nicht aus, so dass eineErklärung der Paralyse nicht einmal versucht werdenkann. Linksseitig war auch die Lähmung bei U. (XLV).Sie entstand ohne Angabe näheren Datums während desKrankheitsverlaufs und war im Juli des Jahres 1873 bis aufeine geringe Parese verschwunden. In der dritten odervierten Krankheitswoche wurde B. (XLII), noch schwerleidend, von einer hochgradigen Parese der rechten Ex-tremitäten heimgesucht, welche bei seiner Invalidisirungfortbestand. B. und W. (XXIII und XL), von denender erste eine unvollständige, der letzte am 16. Krankheits-tage eine komplete Lähmung des linken Facialis, dieserunter gleichzeitiger Betheiligung der linken Oberextremität,jener im Verein mit einer Paralyse der linken Unterex-tremität zeigte, gingen zu Grunde. Auch S. (LH) starb.Nachdem er zuerst von einer Lähmung des vom Oculomo-torius dexter innervirten m. levator palpeb. sup. befallenwar, wurde bei Fortbestand der Ptosis zwei Tage späterder linke Arm und das linke Bein paretisch. Man hattedemnach eine sogenannte gekreuzte Lähmung vor sich,welche offenbar auf eine einheitliche anatomische Basisnicht zurückzuführen war. Worauf die Extremitätenlähmungberuhte, hätte allenfalls nur eine sorgfältige anatomischeUntersuchung ergeben können. Sie wurde nicht ausgeführt.Der Zeitpunkt, an welchem endlich bei R. (XLIV)die Cerebrospinalmeningitis sich mit einer Lähmung deslinken Armes und einer Kontraktur der linksseitigen Hals-muskeln komplizirte, ist in der Krankengeschichte mitStillschweigen übergangen, doch scheint soviel aus derselbenhervorzugehen, dass die nervösen Störungen noch wäh-rend der Krankheit selbst sich entwickelt hatten. Ziemlichsicher dürfte es auch sein, dass epileptische Anfällemit dem Leiden bis in die Bekonvaleszenz hinein einher-gingen. Nach jahrelanger, wenig veränderter Fortdauerder krankhaften Erscheinung von Seiten des Nervensystemswurde dauernde Invalidität anerkannt. Dennoch kam esspäter noch zu einer vollkommenen Heilung, wovon sichder Verfasser durch eine neuerdings vorgenommene Unter-suchung zu überzeugen Gelegenheit fand.
In einer Beobachtung aus dem 8. Feldlazareth 1. Armee-korps (XL1X) findet sich die Bemerkung, dass einSoldat, der an Cerebrospinalmeningitis behandelt wurde,mit vollständiger Sprachlosigkeit zugegangen sei. Ineinem zweiten Falle (LH) trat das Unvermögen zu sprechenim Lazarethe selbst ein. Der Grund des Sprachverlusteswar ein durchaus verschiedener. Einmal lag er offenbarin einer Hypoglossuslähmung, denn S. (LH) war ausserStande, die Zunge vorzustrecken, das andere Mal hatte die
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