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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Vil. Kapitel: Genickstarre. (Meningitis cerebrospinalis.)

Band VII.

IV. Andere centrale Störungen. Symptome seitens der Sinnesorgane.

Erbrechen, welches bei der Cerebrospinalmeniugitisals ein rein cerebrales Symptom zu betrachten ist, kamnicht so konstant vor, als mau es nach den Angabenmancher Autoren erwarten konnte. In der Kasuistik diesesKapitels wird desselben in 16 verschiedenen Fällen gedacht,doch wäre es falsch, hieraus auf ein prozentuarisckes Ver-hältuiss zur Gesammtzahl der Erkrankungen bestimmteSchlüsse zu ziehen. Erbrechen fand sich mit anderenschweren Erscheinungen gleich im Beginn der tödtlichenKrankheit bei W. (V), L. (XV), P. (XLVI11), M.(XXVI) und im Falle X. Unter den geheilten Fällentrat es bei 8. (VII) und G. (XI) am 6., bei G. (LVII)am 14., bei G. (LUI) am 17. Tage, bei L. (VI) in derzweiten Woche, bei B. (XXX11) nach vorhergegangenemSingultus am 29. Krankheitstage auf. Erwähnenswerteerscheint, dass das Erbrechen bei diesen genesenenPatienten nur vorübergellend und selten, bisweilennur ein einziges Mal beobachtet wurde. In denchronisch verlaufenden, in Hydrocephalus endenden Fällenfehlte es nur selten.

Dem Verhalten der Pupille wurde vielfach einebesondere Aufmerksamkeit geschenkt. Von der Pupillen-weite gilt dasselbe, was schon von der Temperatur unddem Pulse als charakteristisch gesagt ist, auch siezeigte einen häufigen Wechsel. Paid hatte man enge,bald weite Pupillen vor sich, so bei P. (XLII),F. (XXXIX). Ganz gewöhnlich liess die Grösse dereinen Pupille von der der andern eine Verschiedenheiterkennen, auf einer Seite war sie weit, auf der anderneng, zuweilen hier, zuweilen dort träge reagirend oderganz reaktiouslos. Solche Differenzen sah man bei 1).(XLV11), B. (XXIII), L. (XXIV), L. (XXV111), H. (XXIX),W. (XXXIV). Starke Erweiterung beider Pupillen undVerlust der Reaktion ging als ein Zeichen allgemeinerHirnlähmung dem Tode voran. Es ereignete sich aber auch,dass ante mortem die Pupillen stark verengt gefundenwurden. Das war zum Beispiel bei L. (XXIV), F. (XLV111)und U. (XLV1) der Fall. Welcher Autheil bei diesenPupillenveränderungen dem Sympathikus zukommt, lässtsich schwer entscheiden, dass sie der Hauptsache nach auflnnervationsstörungen des n. oculomotorius beruhen, istlängst bekannt. Das Gebiet dieses Hirnnerven wird nunzwar vorwiegend, aber doch nicht ausschliesslich in seinemzur Iris gehenden Aste betroffen, es nehmen auch dieübrigen Zweige an der Lähmung Theil. Ptosis als Aus-druck einer Paralyse des m. levator palpebrae superioriswurde in den Krankengeschichten von W. (XXXIV),

M. (XL1) und S. (Lll) aufgezeichnet. Unzweifelhaft sindferner einzelne Fälle von Strabismus und Diplopie aufeine Lähmung der vom Oculomotorius versorgten Augen-muskeln zu beziehen, doch gewähren die oberflächlichenAngaben der Journale keinen sicheren Anhalt. Nur indem chronischen, den Grenadier B. (LV1J1) betreffendenFall bemerkt das Journalblatt bestimmt, dass der m. rectusinternus gelähmt und daher Strabismus divergens entstandensei. Dabei A. (XXII) und L. (XXVIII) Strabismus cou-ver gen s vorlag, so handelte es sich hier wahrscheinlichum eine Abducenslähmung, welche auch im Falle S.(LX) wahrgenommen wurde. Die Lähmung im Gebiet derAugenmuskeln war bald ein frühes Krankheitssymptomwie bei L. (XXVIII) und A. (XX11), bald trat sie dichtvor dem Tode in die Erscheinung, wie bei B. (LV11I), baldendlich kam und verschwand sie schnell wie bei B.(XXXU) und bei dem Falle aus dem 8. Feldlazareth1. Armeekorps zu Ronen, welcher, als das Schielen begann,fieberfrei und schon gebessert war. Von den übrigen, inder Geschichte der Cerebrospinalmeniugitis nicht unbekanntgebliebeneu Augeuaflektionen sind aus dem Feldzuge nochleichtere Grade von Conjunctivitis G. (XI), T.(XXXV111), B. (XLII) und ein Fall von einseitigerAmaurosis beschrieben, welch' letzterer bei den Nach-krankheiten näher erörtert wird. Allem Anschein nachhaben die im akuten Krankheitsstadium aufgetretenenLähmungen der Augenmuskelnerven einen schnellen undgünstigen Verlauf genommen, da nur in den Berichten desstehenden Kriegslazareths zu Remilly eines Falles gedachtwird, bei welchem weit in die Rekonvaleszenz hinein dasSchielen in geringem Grade fortbestand.

Funktionelle Augenprüfungen wurden nur in einemFalle oberflächlich vorgenommen, sonst nicht. Auchvon ophthalmoskopischen Untersuchungen schweigt dieGesrchichte der Cerebrospinalmeniugitis im Feldzuge ganz.Von besonderer Bedeutung wäre ein Augenspiegelbefund bei4i. (LX) gewesen, indem nur durch einen solchen zuerweisen war, ob die im Jahre 1877 konstatirte Blindheitdes linken Auges einer Neuritis mit Ausgang in Atrophieihre Entstehung zu verdanken hatte.

Ebenso Weniges liegt über Untersuchungen desGehörorgans vor, obwohl im Verlaufe der Krank-heit wiederholt Herabsetzungen des Hörvermögens zu ge-nauer Ermittelung ihrer Ursachen aufforderten. Man weissnun nicht, ob katarrhalische oder eitrige Entzündungendes Mittelohres, Affektionen des Trommelfells, oder eine