Band VII.
II. Abschnitt: Analyse der Symptome.
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Nur in dem Falle F. (XXXIX) scheint es sich um einetonische Kontraktur der Nackenmuskeln gehandelt zuhaben, welche im Laufe von Stunden mit völligerMuskelerschlaffung abwechselte. Erfahrungen überdas Zustandekommen von Orthotonus und Pleurotonuswurden nicht gemacht.
Zu den reflektorischen Krampferscheinungen gehörteauch der Trismus, welcher in 4 Fällen der Kasuistik zurBeobachtung gelangte. Im Allgemeinen wird der Kinn-backenkrampf als ein seltenes und prognostisch ungünstigesVorkommniss in der Cerebrospinalmeningitis beschrieben.Bei F. (XXXIX) trat er in der ersten Krankheitswocheauf und hielt bis zum Tode an; W. (V), der am erstenKrankheitstage zu Grunde ging, wurde mit Trismus insLazareth aufgenommen, und S. (LH) starb, nachdem mitdem Eintritt des Kimibackenkrainpfes der ganze Zustandeiner erheblichen Verschlimmerung unterlegen hatte. Vonden 4 Kranken genas bloss K. (XXXVI), bei welchem dietrismischen Erscheinungen plötzlich am 25. Krank-heitstage entstanden und rasch im Laufe des Tagesvorübergingen. Ausser diesen Fällen könnte möglicher-weise Trismus noch bei H. (XVII) und G. (XXXI) inFrage kommen, doch darf nicht vergessen werden, dass dasZusammenkneifen der Kiefer auch als ein Akt der Willkürunter Mitbetheiligung des kranken Sensoriuins erklärt werdenkann. Dass in diesen beiden Fällen von einem tonischenKrampf der Kaumuskeln abgesehen werden darf, scheintsogar nach dem Wortlaut der Angaben in den bezüglichenJournalen das Wahrscheinlichste.
Auch krampfhafte Muskel spann ungen an denExtremitäten reihten sich mehrfach den Krankheits-symptomen an. In erster Linie nahmen hieran die Ober-extremitäten Theil, nur bei B. (LVIII) beflel der Spasmusauch die Muskeln der Beine. Kontrakturen in den Arm-muskeln sah man bei S. (II), IL (XVII), T. (XVIII), F.(XXXIX), alles Fälle, welche tödtlich verliefen.Allgemeine und lokalisirte klonische Muskelkrämpfe,als Ausdruck einer direkten Reizung der motorischen Bahnenoder reflektorischen Ursprungs, waren ebenso häufig. B.(XXXII), der einzige, welcher unter diesen Umständengenas, hatte häufige Zuckungen in den Extremitäten. DasGebiet des Facialis, welches nach dem Ausspruch derAutoren am häutigsten der Sitz von klonischen Krämpfensein soll, war bei F. (XXXIX) betroffen. Hier gingen die^Reizsymptome im Facialis dem Kinnbackenkrampf direktvoran. W. (V), dessen stürmische Krankheitsentwickeluugschon so häufig Gegenstand der Erörterung war, wurde im
Verlaufe des eintägigen Krankenlagers zeitweilig vonklonischen Muskelkrämpfen der verschiedensten Körper-regionen befallen. Dabei war er, ebenso wie D. (XVI),der an allgemeinen, gegen das tödtliche Ende schwächerwerdenden Krämpfen litt, bewusstlos. Endlich starb auchnoch der Musketier A. (IV) im Zustande der Bewusst-losigkeit unter Krampferscheinungen.
XXXIX. Heinrich Ewald F., Gefreiter der 11. Kom-pagnie 7. (Königlieh Sächsischen) Infanterie-Regiments (PrinzGeorg) No. 106, war hei seiner am 7. November 1870in dem 9. Feldlazareth XII. Armeekorps zu Chelles erfolgtenAufnah me vollständig unbesinnlich, phantasirte, zeigteeine trockene Haut, ein geröthetes Gesicht und Muskelstarre.Pupillen etwas erweitert, bisweilen Zuckungen der Gesichts-muskeln. Respiration normal. Herztöne rein. Leib etwas ge-spannt. Milzdämpfung vergrössert.
8. November: Nacken starre. Pupillen eng.
10. November: Patient ist so unruhig, dass er befestigtwerden muss. Starke Nackenkontraktur, abwechselndmit Erschlaffung der Muskulatur. Mund krampfhaftgeschlossen. Gesicht geröthet. Puls beschleunigt, aber voll.Zweimaliges Erbrechen. Kontrakturen in den oberen Ex-tremitäten. Abends vollständige Somnolenz.
11. November: Stuhl ins Bett. Trismus. OberflächlicheAthmung.
12. November: Reagirt auf lautes Anrufen. Pupillen weit.Fortbestehender K i n n b a c k e n k r a m p f.
13. November: Perkussion und Auskultation der Lungennormal. Herzkontraktionen schwach, aber regelmässig.
14. November: Ruhigeres Verhalten. Pupillen starkerweitert, auf Anrufen keine Reaktion. Trismus. Fusseund Hände kühl. In der Nacht zum
15. November: Exitus lethalis.
Den Fieberverlauf siehe in Zeichnung 27.
November.
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40.0
39.0
38.0
37.036.0
7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15.
M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. AI. A. 3'. A.
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Zeichnung 27.