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VII. Kapitel: Genickstarre. (Meningitis cerebrospinalis.)
Band Vll.
zeigte diese Irregularität am Ende der ersten, G. (LV1I)in der dritten Krankheitswoche. Dabei änderten sichmitunter auch die Spannungsverhältnisse des Arterien-rohrs, so dass ein Pulsus irregularis et inaequalis ent-stand. Im Allgemeinen war sonst der^Qualität nach derPuls bald von normaler Kraft bei guter Gefässspannung,bald unter Nachlass des Seitendrucks niedrig und leichtunterdrückbar. Klein und weich bis zur Unfühlbarkeitwurde er, wenn bei eintretender Vaguslähmung die Frequenzrapide wuchs.
Ein schnelles und hohes Ansteigen der Puls-zahl war fast immer ein sicheres Anzeichen desnahen Todes. Bei L. (XXIV) stieg die Frequenzinnerhalb einer Nacht von 76 auf 150, weiterhin auf160 Schläge, bei B. (XXIII) folgten auf einander 80,96, 116, 152 Pulse. Gleichzeitig hatte in diesen Fällenauch die Temperatur eine erhebliche und rasche Zunahmeerfahren, ein Zusammentreffen, welches keineswegs gesetz-mässig war. Vielmehr sank bei T. (XXXVIII) dieTemperatur vor dem Tode, während der Puls frequenterwurde. So lagen die beiderseitigen Verhältnisse auch beiF. (XXV), L. (XXVIII), H. (XXIX). Auch ein all-mäliges aber stetiges Wachsen der Pulsfrequenzmusste, ganz unabhängig von dem Temperaturgang, als einschlechtes Omen gelten.
XXXVIII. Carl Gotthelf Julius T., Kanonier imKöniglich Sächsischen Feld-Artillerie-Regiment No. 12, er-krankte zu Villeparisis am 15. Dezember 1870 mit heftigemKopfschmerz und Schwindel. An diese Erscheinungenschlössen sich Schlaflosigkeit, Ohrensausen, Funkensehen,Appetitlosigkeit, Verstopfung und grosse Hinfälligkeit an.
Aufgenommen in ein Sächsisches Feldlazareth zu Annetam 22. Dezember.
Gesicht sehr geröthet; Conjunctivae stark injizirt,heftiger Kopfschmerz, Schwindel, Schwerhörigkeit, Unklar-heit, stierer Blick.
T. 40.4. P. 110, klein.
Zunge belegt, Obstipation.
24. Dezember: In der Nacht Delirien. T. 40.2. P. 112.
26. Dezember: T. 39.8. P. 124, sehr klein. Bewusstlosig-keit. Später wird der Kranke sehr unruhig, zerreisst und zer-schlägt Alles. Die Nacht vergeht ruhiger. (Morphium.)
27. Dezember: Die Delirien dauern ununterbrochen fort,Pupillen, bis dahin eng, werden weiter. T. 38.6. P. 132.
28. Dezember: T. 38.6. Puls nimmt allmälig an Intensitätab, wird immer kleiner und häufiger. Vollständige Bewusst-losigkeit. Tod Mittags 12 Va Uhr.
Den Fieberverlauf siehe in Zeichnung 26.
Sektion: Pia der Konvexität getrübt, eitrig iufiltrirt. Ander Basis nichts Auffälliges. Milz wenig vergrössert. Lungen-parenchym unverändert. Hyperämie der Darmschleimhaut.
D e z e m b
e r.
P. T.
140 41.ü
22. 23.
24. 25. 26.
27.
28.
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130 40.0
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Temperatur..........Puls.
Zeichnung 26.
III. Krampferseheiiiungen.
Der Genickstarre ist in diesem Kapitel insoferneine pathognostische Bedeutung zugeschrieben worden,als ohne dieselbe ein geheilter Fall von Cerebrospinal-meningitis in die Statistik nicht aufgenommen wurde. Einabsolut nothwendiges Attribut der Krankheit bildet sieindessen nicht. Bei den rasch tödtlich verlaufendenFällen wurde sie einige Male vermisst. Der Ulan S. (II)hatte wohl tetanische Krämpfe der Armmuskeln, voneiner Steifigkeit der Nackenmuskeln erwähnt das Journal-blatt aber nichts. Auch bei dem Musketier A. (IV),dem Gefreiten B. (IX), dem Gefreiten IT. (XII), demMusketier D. (XVI) ist nichts davon zu lesen. ImFalle X heisst es ausdrücklich: „Genickstarre war nichtzu konstatiren." Die tetanische reflektorische Kontraktur
der Nackenmuskeln war jedoch das konstanteste ob-jektive Symptom. Hatte die Genicksteifigkeit einenhöheren Grad erreicht, so wurde das Schlucken erschwert.Häufig vergesellschaftete sie sich mit einer Kontrakturder gesammten Wirbelstrecker, so dass sich ein voll-kommener Opisthotonus ausbildete. Die Intensität derNackenstarre zeigte mit dem Aufflackern und dem Nach-lass der meningitischen Erscheinungen einen buntenWechsel. Heute waren die Genickmuskeln bretthart undder Kopf ganz unbeweglich, morgen Hessen sich leichteDehnungen der Halswirbelsäule ausführen, und die Muskelndes Nackens fühlten sich weicher an. Dennoch bestandder Tetanus in gewissem Grade fort. Aber es waren auchtagelange völlige Remissionen der Genickstarre nicht selten.