Band Vit
IT. Abschnitt: Analyse der Symptome.
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IL Puls.
Der Puls war in den foudroyanten Fällen von vorn-herein äusserst schnell und klein. Unter den Genesenenwurde nur bei G. (LVIJ) am 13. Krankheitstage eineFrequenz von 120 Schlägen in der Minute konstatirt.Bei G. (XXXI) zählte man nach der Lazarethauf-nahme, möglicherweise unter der Einwirkung des Trans-portes. 112 Pulse. Im Uebrigen erreichte, so viel die vor-handene Kasuistik ein Urtheil zulässt, in den geheiltenFällen die Häufigkeit des Pulses nur selten und vorüber-gehend die Zahl 100 in der üblichen Zeiteinheit. Siehtman sich die beigegebenen Kurven dieser Fälle an, sofindet man wiederholt eine Kongruenz in den Puls- undTemperaturbewegungen, wenn diese freilich auch nicht alsdie Regel gelten kann. Man beobachtete bei ihnen nämlichfast ebenso oft während eines beträchtlichen Fiebers alsheim Absinken der Temperatur eine massige Zunahme derPulsfrequenz. L. (VI) hatte bei hohem Fieber sogareinen verlangsamten Puls. Jener Schwerkranke (XIV),der im 2. Feldlazarett» V. Armeekorps in bewusstlosem Zu-stande, wie er aufgefunden war, ankam und mit Erfolg be-handelt wurde, zeigte nur eine unbedeutende Steigerungder Pulszahl. Aus alledem geht hervor, dass dieanveränderte oder leicht erhöhte Frequenz desPulses auf den (Jang der Erkrankung von guterBedeutung war. Dies wird besonders auch aus demfolgenden Falle klar:
XXXVII. Jakob O., Musketier der 4. Kompagnie1. Nassauischen Infanterie-Regiments No. 87, will sich am12. Februar 1871 nach Erhitzung durch Durchnässungeine Erkältung zugezogen haben und am 13. Februar miteinem Frostanfall, gefolgt von Kopfschmerz, erkrankt, sein.Er wird am 14. Februar ins 6. Feldlazareth XI. Armeekorps zuBuc bei Versailles aufgenommen.
Bedeutende Schwäche. Unbesinnlichkeit, heftiger Kopf-schmerz.
23. Februar: Opisthotonus.
28. Februar: Rec. ins Reservelazareth zu Oldenburg. Pa-tient hält den Kopf nach rückwärts gebeugt, klagt über Schmer-zen im Kücken und Kreuz, ist etwas schwerhörig und giehtauf Fragen zögernde Antwort. P. GO.
4. März: Besserung.
6. März: Klagt immer noch über Kopfschmerz und schläft
viel. P. 64.
12. März: Abends stärkere Schmerzen. Schwerhörigkeitbesteht noch. Opisthotonus.
1 I.März: Wird Mittags beim Gehen zum Nachtstuhl ohn-mächtig.
16. März: In der Nacht Unruhe, Irrereden. Am Morgenheftige Schmerzen im Schädel, stärkere Genickstarre. Jaktation,greift oft nach dem Kopfe und will das Bett verlassen.
Nachmittags 3 Uhr: Pupillen weit, reaktionslos. P. 7G.Unbesinnlichkeit. 5 Uhr: P. GO.
16. März: Patient ist wieder bei sich. Pupillen reagirenauf Lichtreiz. P. 64.
19. März: Opisthotonus lässt nach. Allgemeinbefinden gut.
25. März: Nacken frei.
0. April: Geheilt entlassen.
Eine subnormale Pulsfrequenz hat die Kasuistikin vier Fällen (VI, IX, XVI, XXT) vermerkt, v. Ziemssenund Ley den betonen, dass bei der epidemischen Cerebro-spinalmeningitis ein Sinken der Pulszahl unter das Normaleviel seltener als bei der tuberkulösen Basilarmeningitisnachzuweisen ist und sich fast nur im Anfang der Krank-heit neben niederen Temperaturen findet. Prüft man aufdie letzten Angaben hin die vier Feldzugsbeobachtungen,so dienen drei derselben (VI, IX, XVI) zu ihrer Bestätigung:die Puls verlan gsamUng fiel mit niederen Temperaturen auf dieAnfangsstadien der Meningitis. In dem vierten Falle (XXI)war es anders: hier konnten fast während der gesammten,allerdings einer aussergewöhnlich kurzen Krankheitsdauerbei hohem Fieber subnormale Pulswerthe (42—56)aufgezeichnet werden. Wie es gewöhnlich geschieht, sonahm unter den ersten drei Fällen bei zwei Kranken (IX,XVI) der Puls weiterhin an Häufigkeit zu und wurde vordem Tode sehr frequent; bei K. (XXI) sind dies-bezügliche Angaben nicht gemacht worden.
Auf Schwankungen der Pulsfrequenz in kleinerenZwischenräumen wurde erst in neuerer Zeit die be-sondere Aufmerksamkeit gerichtet, nachdem 1874/75CJpham und Head diesen Wechsel bei Meningitis cerebro-spinalis geradezu für pathognostisch erklärt hatten,v. Ziemssen hält das Phänomen, welches er oft zu kon-statiren in der Lage war, für sehr charakteristisch. Erzählte, wie er anführt, in einem Falle in fünf aufeinander-folgenden Minuten 72, GO, 76, U4, 70; To urdes in einemkurzen Zeiträume 80, 84, 100, 78, 84 Pulse. Hier und dafiel dieser Pulswechsel auch einem Beobachter währenddes Feldzuges auf; so liest man beispielsweise in derKrankengeschichte von G. (XXXV) unter den Tages-bemerkungen vom 6. März 1871: „Puls wechselnd, baldbeschleunigt, bald verlangsamt"; und bei G. (LVII)am Abend des 25. Januar 1871: „Puls 100—120." Ingrösseren Zwischenräumen, also bei den Zählungen amMorgen und Abend oder in Intervallen von 24 Stunden,gehörten selbst beträchtliche Differenzen in der Pulszahlnicht zu den Ausnahmen.
Unregelmässigkeiten in der Aufeinanderfolge dereinzelnen Schläge wurden sowohl im Anfang der Krankheilbei einer massigen Frequenz, als auch in den späterenStadien bei sehr häufigem Pulse beobachtet. B. (XXXII)