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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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VII. Kapitel: Genickstarre. (Meningitis cerebrospinalis.]

Band VII.

XVIII. Fr. W. T., Füsilier der 9. Kompagnie Nieder-rheinischen Füsilier-Regiments No. 39, ging am 6. Februar1871 dem 6. Feldlazareth VII. Armeekorps zu Arbois inbewusstlosem Zustande zu. Anamnestische Angaben sindnicht zu erlangen. Patient wirft sich unter dem heftigstenGeschrei hin und her. Pupillen weit und starr. Mundfest zugeklemmt. Hände krampfhaft geschlossen.Nacken- und Rückenmuskeln stark kontrahirt. P. 96.

7. Februar : Sehr unruhige Nacht. Fortdauer des Opistho-tonus. Die flektirten Extremitäten sind leicht zu strecken.

8. Februar: Vollständiges Koma: die krampfhaften Er-scheinungen unverändert.

9. Februar: Der Kranke reagirt gering auf lautes Anrufen.

10. Februar: Streckt auf Verlangen die Zunge heraus,nennt seinen Namen. Der Krampf in den Extremitäten ganzgeschwunden. Nackenkontraktur viel geringer.

13. Februar: Patient ist ganz besinnlich, kann seine Ge-danken aber nicht sammeln, antwortet daher nur mühsam undnicht immer richtig. Pupillen mittelweit, reagiren. Muskel-krampf fast geschwunden.

15. Februar: Der Kranke geniesst das ihm Gereichte ohneMühe, ist viel besinnlicher, klagt über Kopfschmerzen. Respi-ration häufig und oberflächlich, H. U. beiderseits Dämpfung.

16. Februar: R. 32; keine Klagen, kein Husten.

17. Februar: P. 120, klein, R. 34.

18. Februar : Sehr oberflächliche rasche Respiration, Tracheai-rasseln. H. R. Dämpfung bis zur Spina scapulae, L. bis zumuntern Winkel.

19. Februar: Tod.

Sektion: Hyperämie des Hirns und seiner Häute. EitrigesExsudat auf der Oberfläche des Kleinhirns und an der Basishauptsächlich um die nn. optic, und oculomot.

Pleuritis dextra. Rothe Hepatisation rechts in den beidenUnterlappen, links im untern Lappen.

XIX. Wilhelm W., Kürassier im Rheinischen Kürassier-Regiment No. 8, wird am 2. Oktober 1870 komatös ins

Lazareth zu Remilly gebracht. Druck auf die kontrahirtenNackenmuskeln und die processus spinosi der Wirbelsäuleschmerzhaft.

4. Oktober: Streckt auf wiederholtes Verlangen die Zungeheraus, welche trocken und roth ist. Verharrt in seiner Apathie,wirft sich zuweilen unruhig hin und her.

5. Oktober: Fieber massig. Nackenkontraktur. P. 140.

7. Oktober: Tod.

XX. Karl August IL, Soldat im 4. (Königl. Sachs.)Infanterie - Regiment No. 103, am 7. November 1870 rec.ins 6. Feldlazareth XII. Armeekorps zu Claye, vollkommenbewusstlos, zeigt Nackenstarre, steifes, druckschmerzhaftesRückgrat, Hyperästhesie, trockene Zunge, aufgetriebenenLeib, undeutliche Milzvergrösserung, keine Roseola. T. Morgens39.2, Abends 39.8. Herpes labialis.

8. November: T. 39.6, 39.4, 34.2, 34.6, tiefes Koma, kleinerfrequenter Puls.

9. November: T. 37.6. Agonie und Tod.

XXI. Anton K., Gefreiter der 10. Kompagnie Ostfriesi-schen Infanterie-Regiments No. 78, wird am 29. Januar 1871ins 12. Feldlazareth X. Armeekorps zu Le Maus in voll-kommenem Sopor mit Nackenkontraktur, eingezogenemUnterleib, Fieber und Pulsverlangsamung aufgenommen.

Trotz energischer Ableitungen auf die äussere Haut undden Darm starb Patient, ohne zur Besinnung gekommen zu sein,am 4. Februar.

Sektion: Eitriges sulziges Exsudat auf der Konvexität desGehirns, an der Basis und um die Medulla oblongata.

Abgesehen von den bisher verzeichneten Initial-symptomen kam noch in zwei Fällen der Beginn derErkrankung unter dem Bilde eines epileptischen Anfallsund in einem dritten Falle unter mehrstündigem Erbrechenzur Beobachtung.

Zweiter Abschnitt.Analyse der Symptome.

I. Temperatur.

Die Analyse der einzelnen Krankheitssymptome dürfteam zweckmässigsten mit einer Uebersicht des Fieber-verlaufs beginnen. Jeder, der nur über eine kleine Reiheeigener Beobachtungen verfügt, wird überzeugt sein, dass derTemperaturkurve bei derCerebrospinalmeningitis ein äusserstbeschränkter diagnostischer und prognostischer Werth bei-zumessen ist. Man kann noch so viele graphische Dar-stellungen des Fieberverlaufs neben einander halten, ohnegesetzmässig Uebereinstimmendes zu finden, und Niemandem

wird es glücken, auch nur aus einer derselben einen bestimm-teren Schluss auf die Art der Erkrankung zu ziehen. Eine ober-flächliche Aehnlichkeit gewähren ausschliesslich die Kurvender genesenen Fälle, insofern meist ein konstantes, freilichnicht immer kontinuirliches, sondern von oft plötzlichen,kurzdauernden Erhebungen unterbrochenes Sinken derTemperatur in ihnen sichtbar wird. Für gewöhnlich gingim Felde die Meningitis cerebro-spinalis mit Fieber einher.Dass die Temperatursteigerung in den ersten Krankheits-