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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VIL

I. Abschnitt: Verbreitung und Aetiologie. Formen der Erkrankung und Krankheitsverlauf.

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Patienten, das Bewußtsein zurück, so hatten die Krankenüber intensive Kopfschmerzen zu klagen. Allgemeine klo-nische Krampfanfälle wurden gleichzeitig zweimal beobachtet.In dem Falle 8. (111) zeigte sich neben dem Bewusst-seinsverlust eine halbseitige Lähmung. Mit einer einzigenAusnahme gingen alle diese Kranken rasch zu Grunde,woraus man vielleicht den Schluss ziehen kann, dass dieso eingeleitete Meningitis cerebro - spinalis eineüberaus ungünstige Prognose gewährt. Diese Aus-nahme betraf:

XIV. einen Manu, der von seineu Kameraden am (i. Oktober1870 vor Paris in be wusstlosein Zustande aufgefunden warund ins 2. Feldlazareth V. Armeekorps zu Versailles geschafftwurde. P. 76. Koma.

S.Oktober: Fortbestehendes Koma. Delirien in der Nacht.Secessus inscii.

9. Oktober: Nackenstarre. Verengte Pupillen. P. 64.Ord.: Eis. Natrum sulfur. Schröpf köpfe.

11. Oktober: Kalomel. Spanische Fliege.

13. Oktober: Kalte Begiessung, worauf Schlaf eintritt.

14. Oktober: Wieder bewusstlos.

19. Oktober: Rekonvaleszent. Späterhin giebt er nochgeraume Zeit hindurch auf Fragen langsame Antworten undmuss sich auf diese lange besinnen.

Trotz der schweren Initialsymptome hatte hier die Krank-heit einen sehr kurzen und günstigen Verlauf. Beispiele ähn-licher Art sind aus Epidemien veröffentlicht und von einigenAutoren unter der abortiven Form der Meningitis zusammen-gefasst worden. In diesem Kapitel ist diese Bezeichnung inUebereinstimmung mit Leyden, v. Ziemssen u. A. für dierudimentären Fälle beibehalten. Eine nach dem Schema desangezogenen Beispiels schnell und glücklich verlaufendeErkrankung aber, wie es im Feldzuge geschehen, als eineleichte von den schweren und mittelschweren Formen ab-zusondern,, kann als zulässig nicht erachtet werden. Amzweckmässigsten müsste es erscheinen, die Trennung nachverschiedenen Intensitätsgraden der Erkrankung auf diehyperakute und abortive Form zu beschränken und imrjebrigen eine Meningitis cerebro -spinalis acuta, subacuta,chronica zu unterscheiden.

Der Tod trat in den noch bleibenden sieben Fällenzweimal am vierten, einmal am sechsten, zweimal amsiebenten und zweimal am achten Krankheitstage ein. Vonden Krankengeschichten können folgende hier aufgenommenwerden.

XV. August L., Unteroffizier im 4. kombinirtenBrandenburgischen Landwehr-Regiment, fiel, wie Zeugen be-kundeten, am 4. Februar 1871 zu Troyes auf der Wache plötz-lich bewusstlos zu Boden. Man brachte ihn sofort ins Laza-reth. Hier kehrte alsbald das Bewusstsein zurück. Er klagteüber heftige Rückenschmerzen und vermied jede Bewegung.

T. 39.0 C. P. 120. Leichter Opisthotonus; Pupillen-reaktion träge. Im Uebrigen weiter keine Reizungs- oderLähmungserscheinungen. Appetit fehlt. Durst stark vermehrt.Erbrechen.

5. Februar: T. M. 40.5° C. A. 39.o° C. P. 60.

In den nächsten Tagen schwankt die Temperatur zwischen39.0 bis 40.0° C.

9. Februar: Tod in Sopor. Sektion: Cerebrospinalmeningitis.

X\l. Adolf 1)., Musketier der 3.Kompagnie 3. Hannover-schen Infanterie-Regiments No. 79, wird, nachdem er bis dahinvöllig gesund, am Morgen des 5. April 1871 zu Chaumontplötzlich bewusstlos. Notizen aus dem 8. Feldlazarett!X. Armeekorps:

5. April: Allgemeine Krämpfe, Pupillen erweitert,ohne Reaktion. Massiges Fieber. I*. 42. Urin geht unwill-kürlich ab. 6 Uhr Abends: Schluckt wieder, ist bewusstlos. DieKrämpfe haben ein wenig nachgelassen. P. 46. GeringeTemperaturerhöhung.

8. April: Pupillen sehr eng, reaktionslos. Noch immerBewusstlosigkeit. Fieber sehr hoch, Puls klein undfrequent. Periodische, schwache Krampfanfälle.

9. April: Zustand, derselbe.

11. April: Tod unter den Erscheinungen des Lungenödems.

Sektion 32 Stunden p.m.:

Hirn und Hirnhäute hyperämisch. Pia der Basis getrübt,zum Theil, namentlich am kleinen Gehirn, mit eitrigem Exsudatbelegt. Im 4. Ventrikel ist das Kammerwasser stark getrübt,in den übrigen Ventrikeln klar.

XVII. H., Musketier vom 2. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 15 (Prinz Friedrich der Niederlande), wird am6. Februar 1871 ins 6. Feldlazareth VII. Armeekorps zu Arboisin besinnungslosem Zustande, mit dem er aufgefundenwar, transportirt.

Rechte Seitenlage; unruhiges Umher werfen; Gesicht starkgeröthet, Kopf heiss, Pupillen dilatirt, ohne Reaktion, Zähnefest gegen einander geklemmt; schnarchende Respiration;Schlucken unmöglich. P. 120, unregelmässig. Secessus inscii.Nackenmuskeln in starker Kontraktion. Ellenbogengekrümmt, Finger eingeschlagen. Versuche, die ge-beugten Theile zu strecken, gelingen nach geringem Wider-stände leicht. Antiphlogistische Behandlung.

7. Februar: Patient ist soweit besinnlich, dass er auf lautesAnrufen seinen Namen nennt, dann aber rasch wieder in Soporverfällt. P. 110.

8. Februar: Nacht unruhig. Der Kranke streckt auf Ver-langen die Zunge heraus und schluckt kleine Quantitäten.

9. Februar: Wieder totale Unbesinnlichkeit. Pupillenstark erweitert; Schlingen unmöglich.

10. Februar: Tiefes Koma. Stertoröse Respiration.12. Februar: Exit, lethalis.

Sektion: Hyperaemia cerebri. Zwischen den Windungenauf beiden Hemisphären Exsudate von Hirsekorn- bis Bohnen-grösse, der umfangreichste Belag auf der oberen Piache desKleinhirns. Im linken Seitenventrikel ein faserstoffartiges Ex-sudat.

In einer Reihe von Fällen wurden die Kranken inbewusstlosem Zustande den Lazare then zugebracht.ohne dass sich irgend welche anamnestische Daten erhebenHessen. Nicht einmal den Tag des Krankheitsbeginnskonnte man feststellen. Immerhin liegt hiernach die Mög-lichkeit vor, dass die Zahl der Fälle, deren Krankheits-beginn durch einen Anfall von Bewusstlosigkeit markirtwurde, eine grössere als die angegebene war.

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