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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Vit. Kapitel: Genickstarre. (Meningitis cerebrospinalis.)

Ëand Vil.

Biaer voraufgegangenen Erkältung geschieht in denvorhandenen Journalblättern 14 mal Erwähnung. Zweimalschlössen sich die ersten charakteristischen Krankheits-erscheinungen einer bei erhitztem Körper erlittenen Durch-nässung direkt an. Ebenso oft folgten die meningitischenSymptome nach dem Wortlaut der Anamnese einerplötz-lichen aussergewöhnlich starken" Abkühlung. Bei einemSoldaten entwickelte sich das Leiden nach anstrengendem,erhitzendem Laufen. In den übrigen neun Fällen findetsich bloss die Thatsache der Erkältung registrirt. Da aus-führlichere Geschichtserzählungen, welche sich nicht einmalimmer über die Anamnese verbreiten konnten, nur vonder Hälfte der gesammten Krankheitsfälle vorliegen, soist es möglich, dass im Kriege das Erkältungsmomentals Gelegenheitsursache der Cerebrospinalmeningitiseine grössere Rolle gespielt hat, als man ihm sonst zuvindiziren geneigt ist.

Ley den führt unter den mitwirkenden Ursachen auchanscheinend unerhebliche traumatische Einflüsse an.Sie sollen sich namentlich zur Zeit von Epidemien sehrwirksam zeigen.So beobachtete er in einer kleinenEpidemie die Entwickelung der Krankheit nach einemFalle auf den Hinterkopf und eine sehr schwere tödtlicheForm bei einem jungen Menschen, welcher beim Badenkopfüber ins Wasser gesprungen war." v. Ziemssen be-schrieb eine Meningitis acutissima nach einem Fall auf dieStirn, welche nach zwölf Stunden tödtlich endete. Neuer-dings machte auch Berger über zwei Fälle aus der Leipzigerchirurgischen Klinik Mittheilung, in denen sich nach Kopf-verletzungen die Erscheinungen der Meningitis, Kopfschmerz,Fieber, Herpes labialis ausbildeten. Sie gingen in Genesungaus. Andere Autoren übergehen das Moment mit Still-schweigen. Auf jeden Fall ist "Vorsicht in der Diagnoseanzurathen. Ohne anatomische Untersuchung steht sieoffenbar auf schwachen Füssen, denn oftmals sind dieSchädelverletzungen scheinbar leichte, sie erweisen sicherst nach dem Tode als schwere und als solche, welcheeine traumatische Cerebrospinalmeningitis eingeleitet hatten.So unbestritten die Möglichkeit ist, dass ein Schädel-trauma für eine spezifische Infektion mit Lokalisationin den Meningen empfänglich machen kann, so schwer wirdhierfür zur Zeit ein Beweis beizubringen sein. Dazu gehörtzunächst die bestimmte Kenntniss von dem spezifischenKrankheitsvirus. Vorläufig darf man nicht vergessen, dassbei einem Zusammentreffen beider Schädlichkeiten auch die

Meningitis das Primäre, das Trauma das Sekundäre seinkann. Unter den diesem Kapitel zu Grunde liegendenBeobachtungen wird nicht ein einziges Mal dieses Zusammen-treffens gedacht.

Aus dem zeitlichen Auftreten der bekannt gewordenenEpidemien hat man den Schluss gezogen, dass die Genick-starre vorzugsweise eine Krankheit des Wintersund Frühjahrs ist. Ihr Erscheinen in den Sommer-monaten steht aber keineswegs vereinzelt da. Nach einerZusammenstellung von Hirsch kamen z. B. in Frankreichauf 97 Winterepidemien 30 Sommerepidemien. Durch welchebesonderen Umstände die Jahreszeiten ihren prädisponirendenEinfiuss ausüben, weiss man nicht. Werden die 124sporadischen Erkrankungsfälle während des Feldzuges aufdie einzelnen Kriegsmonate vertheilt, so zeigen auch beiihnen die Wintermonate die groaste Morbiditätsziffer. Esentfielen nämlich:

1870 auf den August.......2 Fälle,

, September ......4 ,

, Oktober .......7

November ...... 6

Dezember .......8

1871 , Januar........ 25

Februar....... 33

, März ........ 19

. April........ 13 ,

Mai.........7

Wie man sieht, wurden im Januar gerade so vielMeningitiskranke behandelt, als in den voraufgegangenenvier Monaten zusammen; am zahlreichsten waren die Er-krankungen im Februar. Nur wenige Feldärzte beschäftigtensich mit der Frage, woher diese eigenthümlichen zeitlichenUnterschiede rühren konnten. Das auf solche Weise ent-standene spärliche Material lässt sich zu einer genügendenAntwort nicht verwerthen, zumal die Beobachtungen überWindrichtung, Barometerstand, Feuchtigkeitsgehalt der Luftfast immer unvollständig sind. Vergleichsweise sei ange-führt, dass in der Königsberger Epidemie 18G9/70 von86 Erkrankungen

auf den November........1 Fall,

, r Dezember .........14 Fälle,

Januar.......... 16

Februar ......... 24

März ..........22 ,

. April.......... 9

kamen.