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VT. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems nach akuten Infektionskrankheiten.
Band VII.
nicht gewiss, doch möglich. Das Journalblatt aus dem ange-gebenen Krankenhause spricht von „fieberlosem Durchfall".
Am 22. April 1871 fand Berger: Gang schleppend, lang-sam, zitternd; Extremitäten kalt. Sensibilität vermindert.
Ueber diphtherische Lähmungen ist nur wenig indem vorhandenen Feldzugsinatorial aufzufinden, Beinerkens-werth erscheint eine leider nur mit wenigen Worten an-gedeutete Beobachtung aus dem Garnisoulazareth zu Bran-denburg a. H. Diesem ging im Oktober 1870 ein geheilterVerwundeter mit Diphtherie der Mandeln und der Gaumen-bögen zu. Nachdem die Affektion vollkommen beseitigt war,sollte der Rekonvaleszent entlassen werden, als plötzlichin der Nacht eine rasch von unten nach oben fortschreitendeParalyse den Tod herbeiführte. Ein Sektionsergebnissfehlt. Zu den seltenen Lähmungsformen nach Diphtheriegehört auch folgende, auf eine Oberextremität beschränkteatrophische Lähmung.
11. Matthias G., Jäger der 4. Kompagnie Lauen-burgischen Jäger-Bataillons No. 9, wurde am 6. Januar 1871 vorOrléans an Diphtherie des Halses krank. Er genas zwar vonseinem ursprünglichen Leiden vollkommen, doch blieb eineParese des rechten Armes, welche bereits im Lazareth zu Orléanswährend des Ablaufs der Diphtherie beobachtet war, ungeachteteiner in den Reservelazarethen zu Marburg und Altona gegendieselbe eingeleiteten Behandlung mit Bädern, Einreibungen unddem konstanten Strom, bestehen. Zu dieser Lähmung geselltesich sehr schnell eine Atrophie des Gliedes, und schon imApril 1871 betrug die Differenz im Umfange beider Oberarme 2,der Vorderarme 1 cm zu Ungunsten der paretischen rechten
Extremität. Völlig gelähmt waren um diese Zeit die rechteHand und ihre Finger. Sie standen in Beugestellung undkonnten nicht gestreckt werden. Der Kranke war des Gebrauchsseiner Hand ganz und gar beraubt.
An diesem Zustande besserte sich bis zum Ende desJahres 1875 nichts.
Des Interesses werth erscheint endlich noch eine schwereatypische Trigeminusneuralgie, welche im Gefolge einerMa la via er krank un g auftrat.
111. August H., Wehrmann im 2. WestpreussischenLandwehr-Regiment No. 7, erkrankte, als sein Bataillon auf Vor-posten lag, am 18. Januar 1871 an Intermittens. Er wurde insLazareth Kassel evakuirt, blieb hier bis zum 10. Februar undkam darauf ins Beservelazareth Liegnitz. Das Journalblatt,welches daselbst geführt wurde, bezeichnet das Leiden als„Intermittens quartana". Als es endlich beseitigt war, ent-wickelte sich ein kontinuirlicher, linksseitiger Kopfschmerz,der den verschiedensten Behandlungsmethoden mit Chinin,Bromkalium und Arsenik hartnäckig widerstand. Patient klagteüber heftige, reissende Schmerzen entsprechend dem Verlaufedes Augen- und Oberkieferastes des dreigetheilten Nerven. Die-selben traten anfallsweise, hauptsächlich am Nachmittage, ein,dauerten mehrere Stunden und wuchsen bis zu grosser Intensitätan. Auf der Höhe der einzelnen Anfälle ist das linke Augedurch Lidkrampf halb geschlossen, geröthet und thränt.(Blepharospasmus.) Dabei ist das Gesicht auf der linken Seitegedunsen, geröthet und fühlt sich heiss an. Zugleich bestehenSchmerzen und Sausen im linken Ohre. Der Verlauf der Neu-ralgie war ein chronischer und atypischer. Heilung tratbis zum Jahre 1874 nicht ein. Patient war im Junidurch das qualvolle Leiden kachektisch geworden und starbim August desselben Jahres.
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