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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

Anhang zum VI. Kapitel: Nervöse Erkrankungen nach Diarrhöe, Diphtherie und Intermittens.

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Diese Krankheitserscheinungen nahmen in der Folge nochzu, später wieder ab und wurden am 4. Juni 1873 zuletzt nach-gewiesen.

III. Carl F., Jäger der 2. Kompagnie MecklenburgischenJäger-Bataillons No. 14, giebt an, im September 1870 zurZeit der Belagerung von Metz während der sehr rauhen undkalten Witterung einen bis dahin niemals verspürten Krampfder Gesichtsmuskeln von kurzer Dauer gehabt zu haben, dener nicht weiter beachtete. Auch im Dezember 1870 und imJanuar 1871 will er im Felde krank gewesen sein. Nebeneinem Magen- und Lungenkatarrh habe ihn damals ein fixerSchmerz in der Gegend des untersten Hals- und der oberstenBrustwirbel befallen, welcher stationär geblieben und nachkurzem Bestände zu einer lähmungsartigen Schwäche der Unter-extremitäten geführt habe. Diese sei die Veranlassung zu seinerAufnahme in die Lazarethe zu Brou, zu Chartres und endlichzu Görlitz gewesen.

In Görlitz erkrankte er an den Pocken. Das Journalblattvom 19. Februar 1871 bezeichnet die Krankheit als Variola,enthält sonst aber weder eine genauere Beschreibung des Ex-anthems noch der begleitenden Erscheinungen.

Nachdem F. im Mai 1871 vom Militär entlassen worden,nahm er seine frühere Beschäftigung als Maschinenbauer wiederauf, obgleich die Schmerzen in den Hals- und Brustwirbeln,desgleichen die lähmungsartige Schwäche der Unterextremitätenin gemässigtem Grade andauerten, weshalb ihm auch das Ar-beiten sehr beschwerlich fiel. Seine Bemühungen zur Erlangungeiner Pension wurden von der Departements-Ersatzkommissionim Jahre 1872 abschläglich beschieden, da etwas Krankhaftesan ihm nicht aufgefunden wurde. Inzwischen steigerte sich dieSchwäche der Beine, so dass er sich genöthigt sah, um Neujahr

1874 seine Arbeit gänzlich einzustellen, zumal er gleichzeitigvon Bronchialkatarrh, rheumatischen Beschwerden und häufigenKrampfanfällen befallen wurde, die in der Art von klonischenKrämpfen von verschiedener Dauer bei unregelmässigem Ein-treten sich öfter über sämmtliche Muskeln des ganzen Körperserstreckten, ohne dass das Bewusstsein dabei gestört wurde.Oberstabsarzt Dr. Stahl beobachtete wiederholt klonischeKrämpfe der verschiedensten Muskeln, besonders jedoch derMuskeln des Gesichts, des Halses und der Extremitäten, welcheKrämpfe bei plötzlichem Eintreten bald von kürzerer, bald vonlängerer Dauer waren, sich häufig an einem Tage viele Malewiederholten, zu anderen Zeiten jedoch mehrere Tage hinter-einander aussetzten und von einem dauernd lähmungsartigenZustande der Unterextremitäten begleitet waren, so dass F. nurmühsam zu gehen vermochte.

Am 10. Juni 1876: Muskelschwäche noch bedeutend,elendes Aussehen, Klagen dieselben. Bei der Untersuchungtreten klonische Krämpfe im Gesicht und in den Halsmuskelnder rechten Seite ein.

16. Februar 1877: Leidet seiner Angabe nach an Schmerzenin den Muskeln, Lahmheit in den Beinen, Krämpfen in denMuskeln des Halses und der Brost, Husten mit etwas Auswurf;muss im Winter fast immer das Bett hüten. Das Betasten derMuskulatur verursacht ihm angeblich starke Schmerzen, be-sonders an den Beinen. Von Zeit zu Zeit treten klonischeKrämpfe im Hautmuskel des Halses (platysma myoides) auf,dauern etwa 10 Sekunden."

15. Juli 1879:Zustand des p. F. derselbe geblieben.Heftige klonische Krämpfe im Bereiche des Hautmuskels desHalses. Lungenemphysem in massigem Grade. Schwäche inden Unterextremitäten, deren Muskulatur sich sehr schlaff zeigt.Aussehen anämisch."

Anhang zum sechsten Kapitel.

Nervöse Erkrankungen nach Diarrhöe, Diphtherie und Intermittens.

Nach heftigen und anhaltenden Diarrhöen kommenpassagère Lähmungen vor, welche nacli dem Aufhören derDurchfälle schnell verschwinden. Leyden hält diese Läh-mungen für wirkliche Reflexlähinungen, da die Symptomeund der Verlauf weder an eine Rückenmarksaffektion nochan eine Neuritis denken lassen. Er glaubt, dass in Folgedes Darinreizes und des Wasserverlustes Kontraktion derBlutgefässe in den Unterextremitäten, vielleicht auch imRückenmark eintritt. Seine Kranken hatten Schwäche derBeine mit Zittern und konnten mitunter kaum stehen odernur wenige Schritte gehen.

Ein Kanonier, welcher von gesunden Eltern stammteund weder in der Jugend noch auch in seiner Militär-dienstzeit von 1865 bis 1867, noch endlich im Feldzuge

1866 an Krämpfen gelitten hatte, wurde am 16. November1870 wegenCholerine" aus dem Felde in das Reserve-lazareth Altona geschickt. Er kam hier mit profusenDurchfällen an. Einige Tage nach seiner Ankunft tratenbei ihm epileptische Krämpfe auf, welche von nun anfortbestehen blieben und im April 1872 so häufig waren,dass sie ihn zugleich erwerbsunfähig machten.

In den Aufzeichnungen Berger's findet sich noch einFall von Paraplégie nach fieberlosem Durchfall, welcheroffenbar als Nachkrankheit des Darmleidens aufzufassen war.

1. Gustav A., 25 Jahre alt, Jäger im Jäger - BataillonNo. 5, wurde am 10. August 1870 in das Reservelazareth zuWeimar rezipirt. Er gab an, bei Worth an Diarrhöe erkranktzu sein. Ob es sich zuerst bei ihm um Ruhr gehandelt, ist