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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VIL

II. Abschnitt: Nervöse Erkrankungen nach Ruhr.

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Y. Diabetes. Asthma. Tremor.

Diabetes

in der Rekonvaleszenz leichterer oder schwerere] - fieber-hafter Krankheiten ist gar nicht so selten. Nach Malaria-fiebern wird die Zuckerharnruhr besonders häufig beob-achtet, so dass Griesinger unter 225 Fällen von Wechsel-neber diese Nachkrankheit 10 mal konstatirte. AuchBeispiele von Diabetes nach Typhus und den akutenExanthemen lassen sich dies ist schon erörterthäufiger auffinden. Dagegen scheint in der Rekonvaleszenzvon Ruhr Diabetes sehr selten aufzutreten. Unseres Wissensmacht nur Senator die Angabe, dass er selbst einmalim Genesungsstadium der Dysenterie die Zuckerharnruhrgesehen habe.

Aus dem Feldzuge gehört der folgende Fall hierher:

I. Julius V., Wehrmann im Landwehr - RegimentNo. 7, erkrankte während des Feldzuges an Ruhr. Als Re-konvaleszent kam er ins Garnisonlazareth Berlin. Er warsehr schwach und abgemagert, gab an. früher kräftig undmuskulös gewesen, aber von der schweren Ruhrerkrankung somitgenommen zu sein, dass er sich nicht erholen könne. Wäh-rend die Stühle eine normale Beschaffenheit zeigten, bestandnoch ein intensiver Magenkatarrh mit Erbrechen. Patient klagteüber brennenden Durst. In der Nacht vom 4. zum 5. November1870 entleerte er einen halben Eimer voll Urin von wasserklarerFarbe. Man schob zunächst die Polyurie auf die Anämie.Eine genauere Harnuntersuchung lieferte aber schon nächstenTages den Beweis, dass es sich bei Voigt um Diabetes mel-litus handelte. Im Oktober wurde der Kranke aus dem Mili-tärdienste als Invalide entlassen; über seine weiteren Schicksaleist nichts bekannt.

Asthma

kann durch Erkrankungen der Unterleibsorgane auf reflek-torischem Wege entstehen. Es handelt sich dann um einenReflexkrampf der Bronchialmuskeln. Ein dies beweisenderFall, welcher in dem Endstadium der Ruhr zur Entwicke-lung kam, wurde in den Invalidenlisten vorgefunden.Seine das Leben bedrohende Gravität, sein zweijährigerBestand, seine endliche Heilung mit Hinterlassung einesunbedeutenden Lungenemphysems machen ihn besondersbemerkenswert!!.

Tl. David S., 25 Jahre alt, Ulan der 4. EskadronLitthauischen Ulanen - Regiments No. 12, wurde am 9. Sep-tember 1870 vor Metz ruhrkrank. Die Erkrankung wareine sehr schwere. Noch nicht genesen, kam er im Oktober1871 nach Altenburg und fand in dem dortigen ReservelazarethAufnahme. Am 2G. desselben Monats trat hier zum ersten Male

Sanitäts - Bericht liber die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

ein schwerer asthmatischer Anfall auf. Dieser kehrte inlängeren oder kürzeren Pausen wieder und war zuweilen vonsolcher Intensität, dass das Leben direkt in Gefahrwar. Zu Zeiten erschien er auch in typischen Zwischen-räumen, so im Januar 1871, wo er am 7., 9., 11., 13., 15. und 17.in die Morgenstunden fiel. Es hatte den Anschein, als ob erdarauf durch grosse Chinindosen beseitigt sei. Doch war diesein Irrthum. denn in Berlin wurden gleich nachher dieselbenschweren Anfälle beobachtet, und sie blieben, ungeachtetaller therapeutischen Maassnahmen, ungebessert. DieErwerbsfähigkeit des Mannes war vollkommen auf-gehoben. Erst Ende des Jahres 1872 trat Besserung ein,wodurch? ist nicht gesagt.

Im Mai 1873 klagte S. nur noch über sehr geringe Be-schwerden. Objektiv Hess sich ein geringes Lungenemphysemnachweisen.

Tremor.

Zu den erschöpfenden Krankheiten, welche ein ha-bituelles Muskelzittern meist mit günstiger Prognose ver-ursachen können, gehört auch die Ruhr. Der Tremorergreift gewöhnlich die Oberextremitäten und tritt amlebhaftesten bei intendirten willkürlichen Bewegungen ein,ist aber auch in der Ruhe zu sehen. Häufig betheiligensich die Muskeln des Rumpfes und des Gesichts am Zittern,seltener die Unterextremitäten, und dann immer in unter-geordnetem Maasse. Manchmal sind zugleich einzelneHals- oder Brustwirbel druckempfindlich. Ausnahmsweisebleibt der Tremor jahrelang fortbestehen, zumal dann, wennder Organismus sich nur langsam nach der überstandenenRuhr erholt, das Muskelvolumen und die Ernährung nurallmälig sich rekonstruirt. Der Kanonier M., welcherim September 1870 vor Metz ruhrkrank wurde, hattenoch im Jahre 1875 Zittern in den Armen und in denBrustmuskeln, welches die Bewegungen unsicher machte.Wehrmann K., der während des Krieges lange an chro-nischer Dysenterie krank gelegen, zeigte 1874 in denMuskeln der Oberextremität und des Gesichts bei schlechtemErnährungszustande und blassem Aussehen einen aus-gesprochenen Tremor, der zwei Jahre später, nachdem dasAllgemeinbefinden ein gutes geworden, verschwunden war.

111. Conrad A., Füsilier der 10. Kompagnie 3. Han-noverschen Infanterie-Regiments No. 79, wurde während derBelagerung vor Metz am 25. August 1870 von der Ruhr be-fallen und kam deshalb in Haute-Avricourt in Lazarethbehand-lung. Während des Aufenthalts im Lazareth den Tag kanner nicht mehr genau angeben, jedenfalls soll es aber AnfangSeptember 1870 gewesen sein will er, als er von dem Abortin sein Zimmer zurückgekehrt war, plötzlich bewusstlos um-gefallen sein und beim Erwachen ein heftiges Zittern der ganzen

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