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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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II. Abschnitt: Nervöse Erkrankungen nach Ruhr.

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atrophisch. Auch die Unterextrernitäten haben ihre Leistungs-fähigkeit in so hohem Grade verloren, dass der Kranke nurmit Hülfe eines Stockes zu gehen vermag. Dabei schleuderter die Füsse, schwankt nicht unerheblich und fällt ohnedie Stütze des Stockes und bei geschlossenen Augen hin. DieMuskeln an den Beinen erscheinen gleichfalls sehr dürftig ent-wickelt. Neben der Ataxie fehlen die Reflexe von denSehnen, die von der Haut sind abgeschwächt. Am rechtenUnterschenkel findet sich eine ausgedehnte Geschwürs fläche.

II. August J., Gefreiter der 7. Kompagnie 8. Ost-preussischen Infanterie-Regiments No. 45, vor dem Feldzugegesund, bekam vor Metz die Ruhr und wurde daran bis zum28. Dezember 1870 ärztlich behandelt. Bald nach seinerGenesung verspürte er eine Verminderung der Sehkraftbeider Augen. Am 27. August 1873 war das Sehvermögenbereits so weit herabgesetzt, dass der Kranke Finger in einerEntfernung von 8 cm nicht zu erkennen vermochte. DerAugenhintergrund zeigte die charakteristischen Zeichen weit-gediehenen Sehnervenschwundes: weissliche Verfärbungund bläulichen Schimmer des Sehnerven und seiner Papille.Das Augenleiden stand mit einer Rückenmarkserkrankung inZusammenhang, und diese charakterisirte sich im Stadtkranken-hause zu Danzig ganz deutlich als Tabes.

Der nächstfolgende Fall war dem Verfasser sowohl imJahre 1883, als auch im März 1884 zur Untersuchung zu-gänglich. Er konnte darum eingehender beschrieben werden.

III. Heinrich Eduard Anders, bekam, 31 Jahre alt, imAugust 1870 die Ruhr. Im Verlauf derselben stellte sich einelähmungsartige Schwäche in beiden Beinen und im rechtenArme ein. Dieselbe wollte nicht weichen und führte ihn am21. April 1871 in das Garnisonlazareth Berlin. Aber auch hierwurde ungeachtet des Gebrauchs von Bädern und der Elektri-zität keine Besserung erzielt. Vielmehr verschlimmerte sich derZustand derart, dass A. im Juli gedachten Jahres nur mühsamam Stocke breitbeinig und die Füsse nachschleppend gehen,ohne Unterstützung aber nicht einmal stehen konnte. DieSensibilität war in den Unterextremitäten sehr herabgesetzt,der rechte Arm schwächer als der linke.

1873: Muskeln überall gut entwickelt, aber von auffallenderSchlaffheit und Energielosigkeit. Nirgends Abmagerung. Spasti-scher Gang mit Hülfe zweier Stöcke, d. h. die Füsse schleifenam Boden, die Füsse sind gespreizt und werden mühsam vor-wärts geschoben. Die motorische Schwäche macht sich haupt-sächlich in den linksseitigen Extremitäten bemerklich.

November 1883: Gute Ernährung. Keine Urnfangs-differenzen an den Extremitäten. Patient geht breitbeinig,muss aber unterstützt werden. Das linke Knie wird beim Gehennicht gebeugt und zwar wegen spastischer Kontraktur des m.quadriceps, welche passiv mit einiger Anstrengung ziemlichleicht überwunden werden kann. Nach der Beugung ver-harrt der Unterschenkel in Flexionsstellung, bis erpassiv wieder gestreckt wird. "Willkürlich kann derKranke ihn nicht extendiren. In der Muskulatur beiderBeine fibrilläre Zuckungen. Starker Tremor in den Unter-extremitäten, wenn der Kranke die Füsse aufsetzt, links be-ginnend. Sensibilitätsabstumpfung nur am linken Beine undFusse. Temperatursinnerhalten. Verstärkte Patellarreflexeauf beiden Seiten, links Fussphänomen. Die ausgestrecktenFinger und Arme zittern. Die Muskulatur der Oberextremitätenist schlaff und kontrahirt sich wenig oder gar nicht. Hände-druck beiderseits äusserst dürftig. Das Schreiben ist nur unter

grosser Anstrengung möglich. Der Kranke JiiioVt we nn ei-sernen Namen schreibt (siehe Facsimile), mit dem Zeigefingerder liuken Hand den Schaft der Feder gegen die rechte Handfest an.

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Grosse Schwierigkeiten bereitet ihm das Zu- und Aufknöpfenseines Rockes.

Im Dunkeln fällt er um, beim Stehen mit geschlossenenAugen verliert er das Gleichgewicht und stürzt zu Boden. Kopf-schmerzen hat er nicht. Die Sinneswerkzeuge sind intakt.

A. klagt über Schmerzen in der Wirbelsäule, namentlichbeim Gehen. Schmerzhafte Druckpunkte finden sich am 6. und7. Hals- und am 12. Brustwirbel. Der Zustand soll seiner An-gabe nach seit 1874 stationär sein.

21. März 1884: Leidlicher Ernährungszustand, mittlereMuskulatur, die Haut und die sichtbaren Schleimhäute gut gefärbt.Pat. geht breitbeinig, insofern er den linken Fuss beim Vorwärts-bewegen weit nach aussen setzt. Dabei beugt er die linkeUnterextremität im Knie nicht und tritt mit der ganzen Sohlezugleich auf. Beim Gehen ohne Stock geräth er ins Schwankenund kann kurze Wendungen gar nicht ausführen. Auch mitaneinander gelegten Fussrändern vermag er selbst bei geöffnetenAugen sich nicht gerade zu halten, noch weniger, wenn er dieAugen schliesst, er fällt um; bückt er sich bei offenen Augen,um einen Gegenstand von der Erde zu nehmen, so setzt er dasrechte Bein, im Kniegelenke gebeugt, weit vor, fällt aber auchso oft vorne über. Auch beim Waschen des Gesichts stürzt ernach vorwärts. An den entkleideten Unterextremitäten fallenfibrilläre Muskelzuckungen auf. Diese sind sehr lebhaft in derrechten Wade, etwas weniger, aber immer noch ungewöhnlichstark, an der linken Wade und am linken Oberschenkel, geringerausgesprochen am rechten Oberschenkel. Das rechte Bein istin allen Gelenken aktiv frei beweglich. Bewegungen undStreckungen des Fusses und Unterschenkels werden auf Ver-langen schnell und prompt ausgeführt. Der Patellarsehnenreflexist hier verstärkt, das Fussphänomen nicht vorhanden. DerTastsinn und das Schmerzgefühl sind herabgesetzt, stärkereNadelstiche werden überall empfunden, sind aber nicht schmerz-haft. Deutliche Verlangsamung der Empfindungsleitung. Tem-peratursinn einer gröberen Prüfung zufolge gut erhalten. DieStreckungen und Beugungen werden im Kniegelenke mit ziem-licher Kraft ausgeführt. Die Vorstellung von der Lage dereinzelnen Theile der Extremität ist gut erhalten. Das linkeBein steht durch Kontraktur des Quadriceps im Kniegelenke inStreckstellung. Das Gelenk lässt sich bei Aufbietung einerbeträchtlichen Kraft nur eine Kleinigkeit beugen. Dorsalflexiondes Fussgelenks löst die sogenannteparadoxe Kontraktion"aus, in welcher das Fussgelenk lange verharrt. Auch bei derBeugung der grossen Zehe gegen den Fussrücken springt dieSehne des extensor hallucis scharf hervor und ver-bleibt in dieser Stellung bis zur passiven Plantarflexion.Starker Druck auf die Wadenmuskeln oder ein Schieben derWadenmuskeln gegen die Ferse hin hebt die paradoxe Kon-traktion im Fussgelenke nicht auf. Sensibilität wie rechts.Verlangsamte Empfindungsleitung. Erhaltener Temperatursinn.Mit dem Aesthesiometer werden zwei starke Gefühlseindrückelinks wie rechts am Unterschenkel erst bei einem Abstände derSpitzen von 8'/^ cm als zwei erkannt. Die Zahl mehrerer rasch