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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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VI. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems mich akuten Infektionskrankheiten.

Band VII.

vastus extern., triceps surae und tibial, antic; auch der eigent-liche Kraftsinn erscheint herabgesetzt, während die Empfin-dung für die Stellung des Beines und deren passive Aenderungkeine Abweichung erkennen lässt.

Patient vermag mit geschlossenen Augen sicher zu stehen,doch treten nach kurzer Zeit fi brillare Zuckungen in ein-zelnen Muskelbündeln des ext. quadriceps auf, die besondersheftig sind, wenn Patient vorher längere Zeit gegangen ist.Patient hinkt beim Gehen ein wenig mit dem linken Beine,wobei der Fuss in massiger Equino-Varus-Stellung sich befindet.Nach kurzem Gehen giebt er an, im linken Bein das Gefühlvon Steifigkeit und Spannung in der Kniekehle und imFussgelenk zu empfinden, und vermag deshalb grössere Streckennur mit bedeutender Anstrengung zurückzulegen. Auf demlinken Bein vermag er keinen Augenblick allein zu stehen,ebensowenig mit dem linken Beine voran auf einen Stuhl zusteigen, ohne sieh anzuhalten. Das Bein kann in horizontalerRückenlage des Kranken aktiv gestreckt und in gestreckterStellung erhoben werden, doch vermag es Patient nur wenigeSekunden darin zu erhalten, wobei lebhafte klonischeZuckungen in einzelnen Bündeln des ext. quadric. eintreten.Ein sehr geringer Widerstand genügt, die aktive Streckungdes Beines unmöglich zu machen. Die Beugung des Ober-schenkels geht gut von statten, doch auch mit wesentlich ge-ringerer motorischer Kraft, als rechts. Die Adduktion, dieBewegung des Schenkels nach hinten, und in massigerem Gradedie Adduktion, die Rotation des Schenkels nach innen undaussen, sind nur in geringeren Exkursionen möglich, alsrechts, und die Energie der dabei betheiligten Muskeln (be-sonders der mm. glutaei) bedeutend geschwächt. Die Beugungdes linken Unterschenkels ist nur bis zu einem Winkel vonetwa 75° möglich. Von den Bewegungen der Unterschenkel-muskeln fällt am meisten die hochgradige Behinderung derPlantar flexion auf, welche nur bis ein Geringes über denrechten Winkel möglich ist, während sie passiv gut von stattengeht. Doch ist auch die Dorsalflexion, Adduktion und Abduk-tion, Pronation und Supination des Fusses hochgradig er-schwert; erstere kann wegen Unnachgiebigkeit der Achilles-sehne auch passiv nur wenig vollständig ausgeführt werden.Die Beugung und Streckung der Zehen gehen relativ gut vonstatten. Die elektrische Exploration, die in Bezug aufdie quantitativen Veränderungen der Erregbarkeit der Mus-keln und Nerven der erkrankten Extremität um so leichterfehlerlose Resultate liefern musste, als stets die symmetrischenTheile des gesunden Beines zur vergleichenden Kontrole heran-gezogen werden konnten, ergab folgende Verhältnisse: DieFarado-Kontraktilität erscheint in sämmtlichen Mus-keln des linken Beines beträchtlich herabgesetzt, amhochgradigsten und fast vollständig aufgehoben im tricepssurae, sehr bedeutend im extens. quadriceps, den Glutäen, ammassigsten in den Adduktoren. Dabei zeigen die verdicktenMuskeln, besonders der extens. quadriceps, bei der faradischenReizung die Zeichen abnormer Erschöpfbarkeit, namentlichausgesprochen, wenn Patient ermüdet war. Es war dannregelmässig zu konstatiren, dass die bei bestimmter Stromstärkeauftretende Zusammenziehung des Muskels während ununter-brochener Einwirkung dieses Stromes nach 3 bis 5 Minutenallmälig nachliess und der Muskel schliesslich vollständigerschlaffte, so dass es einer meist ziemlich bedeutendenSteigerung der Stromstärke bedurfte, um wieder eine deutlicheZuckung auszulösen. Hatte Patient etwa 15 Minuten voll-ständig geruht, so genügte wiederum das zuerst gefundeneStromminimum. Die Galvano-Kontraktilität zeigte siehder Herabsetzung der Farado-Kontr. im Allgemeinen propor-

tional ebenfalls in sämmtlichen Muskeln des linken Beinesherabgesetzt. Im triceps surae konnten erst bei einerStromstärke von 55 Siem. E. äusserst schwache und trag ver-laufende Zuckungen bei Ka. S. hervorgerufen werden, welchedurch mehrmalige Stromwendungen nur wenig verstärkt wurden.Qualitative Veränderungen der Erregbarkeit gegenüber denverschiedenen Reiz-Momenten des galvanischen Stromes siudnicht vorhanden, ebenso sind die oben angegebenen Zeichenpathologischer Erschöpfbarkeit der Muskeln bei der Untersuchungmit dem galvanischen Strome nicht zu konstatiren. Die Unter-suchung der motorischen Nerven der 1. unteren Extremitätergab ebenfalls eine sehr bedeutende Herabsetzung ihrerErregbarkeit, sowohl auf den faradischen, als auf den galvani-schen Strom, am hochgradigsten im n. tibialis. Dabei ergabdie galvanische Exploration keinerlei Abweichung von dem vonBrenner für den lebenden menschlichen Nerven gefundenenZuckungsgesetz. Im n. tibialis war nur Ka. S. Z. undA. S. Z. bei relativ enormer Stromstärke zu erzielen, währendA. 0. Z. auch bei der Anwendung von 60 S. E., nach längererGalvanisation und wiederholter Stromwendung, nicht auszulösenwar; am n. tibialis des gesunden Beines sowie an denNerven der oberen Extremitäten trat die bei Armirung desNerven mit der Anode gesätzmässig eintretende Oeffnungs-Zuckung in normaler Weise auf. Ebensowenig war natürlichKa. D. Z. > am n. tibialis sinistr. nachzuweisen; aber auch amn. eruralis und peroneus sinistr. waren bei keiner Stromstärkegalvanotonische Zusammenziehungen zu erzielen. Einzelnegenauere Data mögen den Grad der Erregbarkeitsabnahme derverdickten Muskeln für den Induktionsstrom der sekundärenSpirale illustriren, indem wir die Maxima der Rollendistanz,welche zur Auslösung einer deutliehen Zuckung in symmetrischenMuskeln der rechten und linken Extremität genügten, einandergegenüberstellen :

Rechtes Bein:

Liu

kes Beiii

Extensor cruris quadi

iceps

bei Rollenabstand Ü5 mm

bei

50 mm

Vastus externus

n

100

n

35

Glutae max.

85

38

M. gastrocnem.M. soleus

n

8780

nn

i5 ;

5

Sehr schwache

Zuckung, die auch heivollständig überein-ander geschobenenRollen sich nurwenig verstärkt.

M. tibial, ant.

105

55

Zu entscheiden war noch in Bezug auf die Resultate derelektrischen Untersuchung die Frage, in wie weit die gefundenenDifferenzen allein auf Herabsetzung der Erregbarkeit zurück-zuführen waren und in welcher Weise sich die Leitungs-verhältnisse des linken Beines geändert haben mochten, daj sie jedenfalls theils in Rücksicht auf die pathol.-anatomischenVeränderungen, theils auf Grund seiner Volumszunahme, alsverschieden von den Verhältnissen des rechten Beines voraus-gesetzt werden mussten.

Wiederholte Untersuchungen mit dem galvanischenStrome ergaben nun übereinstimmend, dass die linke untereExtremität dem konstanten Strome geringere Leitungb-widerstände entgegenstellt als die rechte, untersonst gleichen Bedingungen.

Der Patient bietet sonst nichts Abnormes. Fieber istnicht vorhanden. Blase und Mastdarm waren stets intakt.

Die Invalidenakten ergeben, dass das allgemeine Krankheits-bild 1874 unverändert war. An der Haut des hypertrophischenBeines zeigten sich zahlreiche erweiterte Venen.