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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

I. Abschnitt: Nervöse Ñachkrankheiten des Ábdominaltyphus.

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VII. Progressive Muskelatrophie. Wahre und falsche Muskelhypertrophie.

A. Progressive Muskelatrophie

ohne Komplikationen ist wiederholt als Nachkrankheit desTyphus gesehen und beschrieben, so von Moussons,Benedict, Gerhardt, Vogt, Leyden. Um so auffallenderist es, dass ein überzeugendes Beispiel aus dem Feldzugenicht bekannt geworden ist. Wohl ist es möglich, dassvon denjenigen atrophischen Lähmungen, deren Verlauf nurüber einen kurzen Zeitabschnitt kontrolirt wurde, die eineoder andere durch ihre Symptome, ihr Weiterschreiten undden späteren tödtlichen Ausgang den der progressivenAtrophie eigenen Typus innehielt, allein wir wissen esnicht. Nach dem Urtheil des den Invaliden zuletzt unter-suchenden Militärarztes litt Schweigerer (I) an progressiverAtrophie. Wir sind darum genöthigt, den Fall hier auf-zunehmen, obwohl die Geschichtserzählung die Diagnosein keiner Weise rechtfertigt. Mit Bestimmtheit geht ausderselben nur hervor, dass eine Ischias dextra bestand.

Nachdem es in jüngster Zeit gelungen ist, aus denfrüher zusammengefassten Formen der progressiven Muskel-atrophie mindestens zwei klinisch scharf von einander zuunterscheidende Klassen abzuzweigen, von denen die eineanatomisch durch ihren spinalen Sitz charakterisirt undnach dem Vorschlage von Erb alsAmyotrophia spinalisprogressiva" zu bezeichnen ist, während für die zweitedie Dystrophia muscularis progressiva" die Frage nachdem Sitze der Erkrankung augenblicklich noch nicht mitgenügender Sicherheit beantwortet werden kann, erscheintes nothwendig, alle früheren Beobachtungen von pro-gressiver Atrophie im Gefolge der Infektionskrankheitenauf die Zugehörigkeit in eine dieser Klassen zu prüfen.

I. Nikolaus Schweigerer, 21 Jahre alt, erkrankte MitteOktober 1870 vor Metz, wurde sogleich evakuirt und nachDarmstadt gebracht. Hier machte er einen mittelschwerenTyphus durch, dessen Fieberverlauf aus Zeichnung 8 er-sichtlich ist.

Ende November klagte er über rheumatische Schmerzenin der rechten Schulter, Anfang Dezember über ebensolche inder rechten Hüfte, Anfang Februar 1871 diagnostizirte man eineIschias dextra.

Vom Dezember 1870 bis Februar 1871 wurden die ver-schiedenartigsten Einreibungen und die Elektrizität angewandt,ebenso während der Monate März und April. Hierauf gebrauchteSchw. bis Ende Mai eine Badekur in Wiesbaden. Dort trateine nicht unbedeutende Besserung des Armes ein, während dasrechte Bein in dem früheren Zustande beharrte. Später, nachzweimonatlichem Urlaub, kehrte er nach Koblenz zum Truppen-theil zurück und wurde im dortigen Barackenlazareth behandelt. Der Zustand am 16. Oktober 1871 war folgender: Dasrechte Bein ist im Knie stumpfwinklig gekrümmt, der Krankeklagt über Schmerzen, hauptsächlich im Verlauf des nerv,ischiadicus. Bei Bewegungen des Beines oder auf Druck nehmendie Schmerzen bedeutend zu. Der Umfang des Beines, ver-glichen mit dem gesunden, ist verringert, auch lässt sich einTemperaturunterschied der beiden Extremitäten konstatiren.Er kann mit dem Beine weder gehen noch auftreten und ver-mag sich nur mühsam zubewegen. Die eingeleiteten Behandlungs-weisen haben eine Besserung noch nicht erzielt, es lässt sichindessen die Möglichkeit einer Besserung nicht ausschliessen.

Während des Jahres 1872 verbreitete sich dieAbmagerung in welcherBeihenfolge ist nicht ermitteltüber den ganzen Körper. Sie war Mitte 1873 skelett-artig. Der Invalide starb in Folge seines Leidens am 12. No-vember 1873.

B. Muskelhypertrophie.

Man unterscheidet bekanntlich eine wahre und einefalsche Muskelhypertrophie. Ob die letzte Abart als Nach-krankheit des Typhus früher jemals beobachtet ist, bleibtdahingestellt. Im Anschluss an Masern wurde sie vonStoffella, Griesinger, Hoffmann und Benedict ge-sehen. Die Geschichte der unkomplizirten Muskelhyper-trophie, soweit sie nicht kongenitalen Ursprungs oder nurauf die Muskulatur der Zunge Makroglossie beschränktist, reicht nicht viel mehr als ein Jahrzehnt zurück. Dieersten sicher verbürgten vier Fälle rühren von Auerbach

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Zeichnung 8.

SanitäU-Bericlit über die Deutsehen Heere 1870/71. VII. Bd.

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