Band VIL
I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyphus.
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Am 8. Dezember 1871 fand sich: „Sprache ziemlich ver-ständlich, rechte obere Extremität um 1 '/> cm magerer; Elevationbis zur Horizontalen; Beugung im Ellenbogengelenk bis zumrechten Winkel möglich. Hand und Handgelenk aktiv fastunbeweglich. Die Bewegung der rechten Unterextremität imHüft- und Kniegelenk sehr beschränkt, das um 2 cm abgemagerteBein wird beim Gehen vorwärts geschleudert. Stock zum Gehenunentbehrlich. Geistige Fähigkeiten, namentlich Gedäehtniss,geschwächt."
12. November 1873: „EUcnbogengelenk, Hand und Fingerin permanenter Beugekontraktur, welche passiv nur mit Mühezu überwinden ist. Temperatur und Sensibilität an den ge-lähmten Theilen merklich herabgesetzt."
LXVI. Heinrich Spörk, Hautboist im GrossherzoglichMecklenburgischen Füsilier-Regiment No. 90, erkrankte im FeldeMitte Januar 1871 an Appetitmangel, Abgeschlageuheit derGlieder, Darmkatarrh, und ging mit Fieber dem LazaretheAlençon zu. Es entwickelte sich ein schwerer Typhus mitprofusen Diarrhöen, hochgradiger Prostration und bedrohlichenCerebralerscheinungen. Eines Tages — nach seiner Angabenoch während des fieberhaften Zustandes — tratplötzlich eine linksseitige Körperlähmung ein. Blaseund Mastdarm waren unbetheiligt. Nachdem er als Rekon-valeszent nach Deutschland evakuirt war, fand im Reserve-lazareth zu Rostock eine viermonatliche Behandlung der Läh-mung mit dem konstanten und induzirten Strom statt. DieBewegungsstörungen besserten sich zusehends. Am11. September 1871 konnte Sp. eine geraume Zeit lang ohneauffälliges Nachschleppen des linken Fusses gehen und gröbereBewegungen mit dem linken Arme ausführen, am stärksten wardie Lähmung noch im Gebiete des linken Facialis ausgesprochen.Ernährungsstörungen an den gelähmten Theilen waren nicht vor-handen. Die Parese blieb bestehen. Im Jahre 1878 zeigte sicheine Umfangsdifferenz des Ober- und Vorderarmes um 2 resp.l'/2cm zu Ungunsten des linken. Die Sensibilität an der linkenOberextremität etwas abgeschwächt. Die linke Hand konntenicht vollkommen geschlossen werden, und bei längerem Gehenschleifte der linke Fuss an der Erde.
LXVII. Gefreiter Otto Liedke, vom 7. PoinniersehenInfanterie-Regiment No. 54, wurde im September 1870 vor Metz,der Beschreibung nach an Ruhr, krank. In der Heimath genaser nur unvollkommen. Hier befiel ihn gegen Ende Dezember1870 eine neue fieberhafte Krankheit, die mit Diarrhöen, hohenTemperaturen und Schwerhörigkeit begann und im Lazareth alsTyphus abdominalis erkannt wurde. Sie komplizirte sichmit doppelseitiger Parotitis. Ihr Verlauf war ein äusserst pro-trahirter. Am 20. Februar 1871, zu einer Zeit, wo das Fiebernoch zwischen 40 bis 41° C. schwankte, der Durchfall andauerte,die Entkräftung enorm war, wo Patient delirirte, der Leibmeteoristisch aufgetrieben sich zeigte, traf den Kranken plötz-lich eine Lähmung der gesammten linken Körper-hälfte. Das Gebiet des Facialis nahm daran Theil. DieSensibilität war in den motorisch gelähmten Abschnitten be-deutend herabgesetzt. Gleichzeitig hatte sich Otorrhöe (aufwelchem Ohre?) eingestellt. Später wurden von dem processusmastoideus (welcher Seite?) einige kleine nekrotische Knochen-stücke entfernt. L. erholte sich und konnte am 11. Mai 1871nach Bromberg evakuirt werden.
Seine späteren Schicksale sind nicht bekannt.
LXVIII. Stephan Goebel, Husar des Westfälischen Hu-saren-Regiments No. 8, infizirte sich vor Metz und bekam denTyphus. In den Lazarethen zu Longuion, Engers, Bütsow,
Rostock und Paderborn fand seine Behandlung statt. EinInvaliditätsattest vom 15. November 1871 führt aus, dass Patientim Anschluss an den Typhus an einer Lähmung derganzen linken Körperhälfte leidet und dass an den ge-lähmten Extremitäten eine Muskelatrophie eingetreten ist, welcheden Umfang um 2—3 cm gegen die gesunde Seite herabsetzt.1878 lebte G. noch.
LXIX. Max Höft, einjährig-freiwilliger Füsilier der10. Kompagnie Kaiser Alexander Garde-Grenadier-RegimentsNo. 1, hatte das Unglück, im November 1870 vom Typhusbefallen zu werden. Er fand dieserhalb im 3. Feldlazareth desGardekorps zu Villiers le Bel Aufnahme und wurde dort auchvon seinem, mit schweren Hirnerscheinungen komplizirten, abervon nur geringem Fieber begleiteten Leiden geheilt. In derGenesungsperiode traf ihn plötzlich eine halbseitigeLähmung. Auch diese besserte sich allmälig. Gegen diezurückgebliebene Parese wandte man im Reservelazareth zuBerlin die Elektrizität und Russische Dampfbäder an. Daraufschickte man den Kranken nach Wiesbaden.
Im Juli 1871 war die Lähmung bis auf eine nicht un-bedeutende Schwäche im linken Arme verschwunden. Gleich-zeitig bestand eine geringe Abmagerung und ein objektivesKältegefühl an demselben. So hielt sich der Zustand bis zumEnde des Jahres 1875, wo die letzte militärärztliche Unter-suchung stattfand.
LXX. Carl Gerlach, Maler, überstand, 27 Jahre alt,als Füsilier der 7. Kompagnie Brandenburgischen Füsilier-Regiments No. 35, während des Feldzuges in Nancy von EndeOktober 1870 bis Anfang Januar 1871 einen Typhus, vonwelchem eine fast vollkommene Lähmung des rechtenArmes sowie der rechten Gesichtshälfte zurückblieb.Dieselbe widerstand den angewandten sehr verschiedenartigenMitteln.
22. Juni 1872: G. leidet an Lähmung der rechten Gesichts-hälfte und an lähmungsartiger Schwäche des rechten Armes,wodurch ihm die Ausübung seines Gewerbes (Stubenmalerei)in hohem Grade erschwert wird.
Der Invalide zeigt sich im Mai 1883 als ein völlig ge-sunder Mann, schreibt seine Heilung einer durch zwei Jahrefortgesetzten elektrischen Kur zu.
LXXI. Hermann Grünenberg, 33 Jahre alt, Feld-webel im Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment, erkranktenach dem Dienstbeschädigungsattest am 9. November 1870 imRevier, wurde am 17. November, an Typhus leidend, in dasLazareth aufgenommen und bis Ende Februar in verschiedenenLazarethen behandelt. Seit dem März 1871 entwickelte sicheine Schwäche der ganzen linken Körperseite.
Im September 1871 war die Muskulatur gegen rechtsetwas geschwunden, der Umfang des linken Schultergelenksbetrug 30'/äcm gegen 3 l'A cm rechts. Am Ellenbogengelenkwar ebenfalls 1 cm Differenz zu konstatiren. G. klagte überziehende Schmerzen und prickelnde Gefühle im linkenArm, ausserdem war die Athmung zeitweise erschwert durchein Gefühl von Druck auf der Brust, und selbst bei kleinen Diät-fehlern die Digestion gestört.
1883: Patient ist gesund. Die Heilung seines Leidensschreibt er dem Gebrauch von warmen Bädern und kalten Ab-reibungen zu.
Ohne nähere Angabe geschieht in einer Zählkarte nocheiner Hemiplegie nach Typhus beim Musketier FranzBenasch Erwähnung, welcher dieserhalb in der medizini-schen Klinik zu Giessen Aufnahme fand.
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