Band VII.
I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyphus.
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L1V. Julius Ronneburger, Füsilier im Magdeburgi-schen Füsilier-Regiment No. 36, machte im Lazarethe zu Corbeilvom 28. November 1870 bis 23. Februar 1871 einen Typhusund ein Typbus-Rezidiv durch. Er erholte sich nur äusserstlangsam. Obwohl er im August 1871 noch nicht frei von Be-schwerden, 4uch noch schlecht genährt war, begann er doch,seinem früheren Berufe als Schlosser wieder nachzugehen.Allein schon sehr bald musste er seine Beschäftigung aufgeben,da heftige Schmerzen in allen Gliedern und namentlich imKreuz auftraten, welche ihn sogar ans Bett fesselten. Ver-schlimmerung und Verbesserung dieser Schmerzen wechseltenvon jetzt ab. Bis in die zweite Hälfte des Jahres 1872 schlepptesich sein Krankheitszustand so dahin. Dann verschlimmerte ersich zusehends.
Status vom 4. Februar 1873: „Körper abgemagert undschwach, namentlich an den unteren Extremitäten. Heftigein die Beine ausstrahlende Kreuzschmerzen mitAmeisenkriechen, die Kreuzschmerzen werden vermehrtdurch Druck auf den 2. und 3. Lendenwirbel und beimUmdrehen des Körpers. Das Gehen ist nur mit zweiKrücken unter Zittern des Körpers und Schwanken der Beinemühsam möglich. Appetit gering, Stuhlgang selten, Urin-entleerung erschwert. Puls beschleunigt aber schwach.Schlaf oft gestört. Patient empfindet häufig Schmerz im Vor-derkopf und Schwindel. Wegen Drucks des Oberkörpers aufdie schmerzende Stelle im Kreuz kann er nicht aufrechtsitzen, sondern muss ausgestreckt im Bett liegen."
Im Jahre 1876: „Die Muskulatur des ganzen Körpers istwelk und gehorcht dem Willen nur noch sehr wenig ; der Stuhlist sehr angehalten. Urinlassen beschwerlich, Patient kannnicht allein mehr stehen, noch weniger gehen und bedarf zuallen körperlichen Verrichtungen der Unterstützung andererPersonen."
LV. Paul Howitz, Unteroffizier im Ostpreussischen Feld-Artillerie-Regiment No. 1, erkrankte in Frankreich Ende No-vember 1870 an Typhus und wurde vom 2. Dezember 1870bis 11, Mai 1871 in den Lazarethen Moreuil, Amiens undRouen, später in Fulda und Bonn ärztlich bebandelt. Währendseiner Wiedergenesung sollen zuerst Schmerzen in beidenFüssen und, von hier nach oben sich weiter verbreitend, zuletztim Rücken aufgetreten sein; mit diesen Schmerzen habe sichgleichzeitig eine grosse Schwäche in beiden Beinen ge-zeigt, so dass er seit dem Verlassen des Krankenlagers EndeMärz 1871 nur mit Hilfe einer Krücke und eines Stockes etwashabe gehen können. Dieses Leidens wegen wurde H. nachder Rückkehr nach Königsberg vom 11. Mai ab im Revierweiter behandelt, am 11. August auf vier Wochen nach demBade Warmbrunn geschickt und nachdem wieder der Revier-behandlung überwiesen. Ein militärärztliches Attest vom6. Dezember lautet im Wesentlichen: „Der H. ist ein schwäch-licher, kränklich aussehender Mensch und leidet gegenwärtigiin einer chronischen Rückenmarksentzündung, sowie an denrolgen dieser Krankheit, an einer lähmungsartigenSchwäche beider Unterextremitäten. Diese letzterensind sichtlich abgemagert, die Muskulatur derselben istschwach; das Gehen ist nur auf kurze Strecken mit Hilfe einesStockes möglich, und wird das Bein nur mühsam nachge-schleppt; eine Störung der Sensibilität ist nicht vorhanden.Wrack auf die letzten Rücken- und ersten Lendenwirbel ruftlebhafte Schmerzen hervor."
Verschiedene Untersuchungen im Jahre 1872 und 1873andern an diesem Befunde nichts. Eine Badekur in Aachenwährend des Sommers 1872 hatte keinen Erfolg.
LVL Jacob Muttner, Gemeiner im 3. BayerischenJäger - Bataillon, erkrankte am 21. Oktober 1870 an einemfieberhaften Magen-Darmkatarrh; wurde im 4. Aufnahms-Feldspital zu Versailles bis 28. d. M., später in der Heimathbehandelt. In dem Invalidenatteste wird seine Krankheit alsein leicht verlaufener Typhus aufgefasst und als dessenFolge ein paralytischer Zustand der unteren Extremi-täten und des linken Vorderarms bezeichnet, welcher imSeptember 1871 nachweisbar war.
1876: Paralyse und Verkrümmung beider Unterextremi-täten, welche auch atrophisch sind. Beim Gehen mit zweiKrücken schleudert der Kranke die Beine in einem Halbkreisenach vorwärts. Linker Arm ebenfalls atrophisch, ebenso dielinke Hand, deren Finger nach einwärts gekrümmt sind. Derlinke Arm ist nur noch dadurch von Nutzen, dass sich dieKrücke in der Achselhöhle einstemmen lässt. Die Fortbewegungmit den Krücken geschieht höchst mühsam, ebenso ist dasNiedersetzen sehr beschwerlich, indem sich der Kranke wie einKlotz aus den Krücken niederfallen lässt."
Diplegia brachialis,anscheinend durch einen neuritischen Prozess bedingt, istnur ein einziges Mal unter den Typhusrekonvaleszenten ausdem Kriege gefunden. Angeblich war die Lähmung schonim akuten Krankheitsstadium unter lebhaften Schmerzenentstanden. Sie betraf den
LVII. Paraplegia brachialis im Verlaufe eines Typhus.Später Parese und Atrophie der Muskeln der rechten Hand.
Heilung.
Reinhold Hoff mann, Unteroffizier vom 2. SchlesischenFeld-Artillerie-Regiment No. 6, welcher im September 1870 demFeldlazarethe zuRethel mit einem deutlich erkennbaren Abdo-minaltyphus zuging. Da ein Journalblatt aus dieser Zeit nichtvorhanden, lässt sich über die Schwere der Erkrankung nichtssagen. Nach Angabe des Kranken hatten sich schon auf derHöhe des Typhus reis sende Schmerzen in allen vier Extre-mitäten und gleich hinterher eine Lähmung beiderArme eingestellt. In der Rekonvaleszenz sollte sich der rechteArm schnell gebessert haben. H. fand am 7. Dezember 1870 imLazareth zu Warmbrunn Aufnahme. Hier klagte er über reissendeSchmerzen in den Armen. Im Juli 1871 wurde er einer elektrischenKur in Breslau unterzogen. Berger beschreibt den Zustandnach Schluss der Kur so: „Hände kühl, ihre Flexoren in stetigerKontraktur, zwingen die Finger zur Flexionsstellung, Summenlängs der nerv, ulnares. Einwickelungen und Einreibungenbrachten allmälig die Kontraktur rechts zum Schwinden, nurblieb Schwäche bestehen. Auch diese schwand allmälig, währendlinks die drei letzten Finger der Hand noch immer in massigerKontraktur verweilten, zugleich mit Schwäche der ganzen Handund verminderter Gefühlswahrnehmung, nebst einem massigenSummen im Ballen des kleinen Fingers." In diesem Zustandeentlassen, kam H. am 16. November 1871 zur Invalidisirung,auf Grund eines Attestes des Stabsarztes Dr. Weber, welchesder Hauptsache nach so lautet:
„Der rechte Arm ist, abgesehen von einem kleinen Defizitan Muskelkraft, gesund, ebenso die Unterextremitäten. Amlinken Arme besteht: Massig herabgesetzte Hautsensibilität, ander Streckseite des Vorderarmes bis nach den Fingerspitzen hinetwas zunehmend, Atrophie der Ballen des Daumens und deskleinen Fingers und der zwischen den Mittelhandknochen ge-legenen Muskeln (mm. interossei und lumbricales). Demgemäss
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