Nach Eintritt der Genesung wurde er nach Sonderburgevakuirt. Hier zeigten sich Anfang Dezember 1870 die erstenSymptome von Tabes (?). Worin dieselben bestanden, ist ausden Journalblättern nicht ersichtlich. Ihretwegen wurde eraber im März 1871 behufs elektrischer Behandlung nachHannover geschickt. Von dort im April ungebessert entlassen,kam er nach Flensburg. Sein Gang war steif und schleppendund nur mit Hilfe eines Stockes möglich. Namentlich schleppteder Kranke das rechte Bein nach. Die Füsse wurden im Gehenkaum vom Boden erhoben. Bei geschlossenen Augen trat Zitternin den Beinen und weiterhin im ganzen Körper auf. Es bestandHyperästhesie an den Unterextremitäten. Die Blasenfunktionenwaren ungestört.
Ende der 70er Jahre arbeitete P. als Maurer und Zimmerer,kaufte sich später eine Landstelle, auf welcher er im Voll-besitze der Gesundheit arbeitet.
XL VIII. B., 25 Jahre alt, von der Garde-Kavallerie, er-krankte im Oktober 1870 vor Paris an einem Typhus. In derRekonvaleszenz entwickelte sich ein Gefühl von Schwächein beiden Beinen, so dass die Bewegungen derselben aller-dings möglich, aber kraftlos und in der Exkursionsfähigkeitbeschränkt waren. Ausserdem traten gleichzeitig lebhafteSchmerzen in beiden Beinen auf, namentlich im rechten.Weiterhin stellte sich dann eine erhebliche, motorischeSchwäche auch in den Armen ein, die sich allmälig nochvermehrte.
Ende Mai 1871 klagte der sonst robuste Mann über diegenannten Symptome. Wegen der Parese der Beine und derlebhaften Schmerzen in denselben, die namentlich rechts imFusse und Kniegelenk ihren Sitz haben, kann Patient nurlangsam, unbeholfen und mit einem Stock gehen. — Die Be-wegungen der Arme sind ebenfalls sehr schwach und namentlichrechts ist der Händedruck minimal, und die Bewegungen imHandgelenk sind nur sehr wenig ergiebig. — In den paretischenExtremitäten, hauptsächlich den Beinen, hat sich seit etwa4 Wochen ein starker Tremor eingestellt. Von Seiten desGehirns keine Abnormität.
Patient wurde mir gelegentlich vorgestellt und keinerBehandlung unterworfen. (Nach Nothnagel.)
XL1X. Friedrich Gödecke, Füsilier im 2. Hannov.Infanterie-Regiment No. 77, wurde vor Metz krank und machteim Reservelazareth zu Coblenz während der Monate Oktoberund November 1870 einen schweren Typhus durch.
„Als Folge dieses Typhus" , so lautet ein Attest vom No-vember 1871, „blieb eine sehr erhebliche Schwäche der geistigenThätigkeiten und eine fast vollständige Lähmung derUnterextremitäten zurück." Diese Paralyse besserte sichnach und nach, so dass Patient am 2. August 1872 mit Hilfeeines Stockes zu gehen vermochte. Der Gang glich aber demder Tabiker, er war ataktisch. Bei der Superrevision 1875geschieht einer Störung der Sensibilität der ganzen linkenKörperhälfte Erwähnung und ebenso 1876 einer Parese derUnterextremitäten.
L. Jacob Jablonski, Musketier der 5. Kompagnie des2. Posenschen Infanterie-Regiments No. 19, wurde am 27. No-vember 1870, als sein Truppentheil vor Mézières Stellunggenommen hatte, von einer fieberhaften Krankheit befallen,welche sich im Lazareth zuRheims als Typhus auswies. Der-selbe hatte einen langen, schweren Verlauf, so dass derRekonvaleszent erst am 18. Januar 1871 evakuationsfähig war.Er kam am 21. Januar in dem Lazareth zu Bernburg mit einerLähmung beider Unterextremitäten an, welche durch
Bäder und Elektrizität, sowie später durch eine längere Kur inTeplitz gebessert wurde. Im Oktober 1871 war der Zustandfolgender: „Kräftige Muskulatur und guter Ernährungszustand.Organe der Brust und des Abdomens gesund. Oberextremitäten inihren einzelnen Theilen aktiv frei nach allen Richtungen be-weglich. Patient ist aber kaum im Stande, sich ohne Unter-stützung vorwärts zu bewegen. Der Gang ist schwerfällig, mitgespreizten Beinen. Geschieht derselbe auf ebener Erdegeradeaus, so kann J., welcher jeden Seiner Schritte ängstlichabmisst und, um mehr Halt zu gewinnen, stets mit benageltenStiefeln versehen ist, ziemlich gut vorankommen, indem er dieFüsse zwar langsam aber fest — hauptsächlich mit der Hacke— aufstemmt. Jede Wendung auf unebenem Terrain ist mirunter Anwendung von Krücken möglich; ohne diese verliert ersofort das Gleichgewicht und stürzt bin. In aufrechterStellung schwankt er nicht bei geschlossenen Augen.Irgend eine Störung der Sens ibilität ist nicht vor-handen."
Mitte des Jahres 1872 war der Zustand derselbe. Ein Jahrdarauf konnte aber eine bedeutende Besserung konstatirtwerden. J. vermochte, wenn auch etwas schwerfällig, ohneStock umher zu gehen, ermüdete indess leicht und war zukörperlicher Anstrengung noch nicht fähig.
Ob eine weitere Besserung eingetreten, ist nicht bekannt.Der Invalide lebt nach einer privaten Mittheilung heute inFraustadt.
LI. Christian Fleischhauer, Trainsoldat im Magde-burgischen Train-Bataillon No. 4, überstand im Feldzuge hinter-einander Ruhr und Typhus. In der Rekonvaleszenz desletzteren entwickelte sich eine vollständige Lähmungbeider Beine, in welchen nebenher ein Gefühl von Kälte undTaubheit, sowie zuckende Schmerzen bestanden. Noch imOktober 1871 war er ausser Stande, ohne Unterstützung zugehen, schleppte sich mühsam an zwei Stöcken.
Erst 1873 besserte sich der Zustand, möglicherweisenach einer dreimonatlichen Kur in Teplitz, derart, dass der Patientziemlich gut mit Unterstützung sich fortbewegen konnte. DieMuskulatur beider Beine kräftig, keine Sensibilitätsstörung.
1875 ging F. ohne Stock, wenn auch langsam.
LH. Friedrich Gross, Grenadier der 2. KompagnieKaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments No. 1, überstandim Oktober 1870 zu Villiers le Bel einen durch schwerenervöse Erscheinungen ausgezeichneten Ileotyphus.Dabei war das Fieber nur gering. Die Konvaleszenz ver-schleppte sich lange. Es entwickelte sich in derselbennach den Angaben des den Kranken invalidisirenden Militärarzteseine „Entzündung der Rückenmarkssäule", wodurch eine un-vollkommene Lähmung der unteren Extremitäten ent-stand. Diese Lähm un g schwand nach und nach und war am13. September 1872 nicht mehr nachzuweisen.
LUI. Franz Pfalzgraf, Gemeiner im 1. BayerischenJäger-Bataillon, wurde am 29. September mit Typhus der Be-handlung im Aufnahms-Feldspital No. 6 zu Corbeil übergehen.Von dort kam er am 17. Oktober nach Nancy und am 13. N»vember in das Vereinslazareth zu Erding. Hier findet sichdie Diagnose „Ruhr". Patient klagte bereits über Schmerzenim Kreuz und in den Beinen, hatte einen schleppendenGang und vermochte nur unter Zittern der Muskeln eine kleineWeile zu stehen. Sensibilitäts- und Er nähr un gs Störunge«fehlten.
1872: Schmerzen in der Kreuzgegend. Gang noch trägtund schwerfällig.
1875: Fast vollkommen hergestellt.