Band VU-
I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyphus.
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XLI1. MichaelPiel, Grenadier im Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment No. 1, fand am 19. Dezember 1870 wegenTyphus im Feldlazareth zu Dammartin Aufnahme. Währendder Evakuation, als Rekonvaleszent, mit gewöhnlichemZu"e traten Schmerzen im Kreuz auf, die so heftig wurden,dass sie ihn am Gehen hinderten. Die Schmerzen strahltengleichmässig von der Wirbelsäule nach beiden Seiten in dieBeine aus. Die Wirbelsäule selbst war schmerzhaft auf Druck.Nach kurzem Nachlass kehrten diese Schmerzen Anfang Mai1871 mit erneuter Heftigkeit und ziemlich lebhaftem Fieberwieder. Patient war gezwungen, auf dem Bauche zu liegenund jede Bewegung zu meiden. Anfang Juni 1871 tratBesserung ein. P. vermochte wieder die Rückenlage ein-zunehmen, vermied aber jede Bewegung ängstlich. Zum Skelettabgemagert, trat er jetzt eine Badekur in Wiesbaden an. Diesehatte überraschenden Erfolg, indem P. blühend, wohl-genährt und gesund zurückkehrte.
XLIII. Karl Piatscheck, Unteroffizier im MagdeburgischenPionier-Bataillon No. 4, erkrankte im Januar 1871 bei Le Bourgetan Typhus, wurde zunächst in verschiedenen Feldlazarethenund von Mitte März ab in den Barackenlazarethen No. 2 und 3bei Berlin behandelt. In der Rekonvaleszenz trat einelähmungsartige Schwäche beider Beine ein, zu der sichalsbald ziehende Schmerzen längs des Nervenverlaufs an derinneren Seite des Schenkels bis zur Sohle und ein taubes Gefühlin den Füssen gesellten. Später magerten die Unterextremitätenauch ersichtlich ab, und das Gehen wurde unsicher. DieSensibilität blieb intakt. — 1874 gesund.
XL1V. G, 23 Jahre alt, von der Garde-Feld-Artillerie, er-krankte Weihnachten 1870 in Gonesse an Typhus, wurde, alser besser war, nach Deutschland evakuirt und bekam einRezidiv. Als dieses beseitigt, Ende März 1871, fühlte sich Pat.wenige Tage ganz wohl, dann bekam er, ohne eine Veranlassungzu wissen, Schmerzen in den Beinen und auch in ge-ringerem Grade in den Armen. Er wurde mit Dampf-und Schwefelbädern erfolglos behandelt.
Stat. praes. Ende Mai: Der ziemlich gut genährte, aberblasse Pat. klagt über ein taubes Gefühl in den Beinen undUnfähigkeit, zu gehen. Seitens des Sensoriums und der Hirn-nerven, ebenso in den oberen Extremitäten keine Abnormität.Patient ist ohne Unterstützung nur mit der grössten Kraft-anstrengung im Stande, sich von dem Stuhl aufzurichten; erstellt sich sofort breitbeinig. Der Gang ist breitbeinig, langsam,schlurrend; die Beine werden dabei nicht vom Boden erhoben.Beim Umdrehen beschreibt Pat. einen grossen Kreis, weil ersonst in Gefahr geräth, zu fallen. Beim Stehen mit geschlossenenAugen fällt er sofort; ebenso geräth er im Finstern in Gefahr,zu fallen. Er kann auf keinen Stuhl steigen. Die Bewegungender Beine sind kraftlos, unvollkommen; und wenn er bei ge-schlossenen Augen ein Bein über das andere legen will, so ge-stossweise und mit grosser Unsicherheit. — Patient
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klagt fernerhin über ein Gefühl von Taubsein und Kälte in denBeinen, mit gleichzeitigen „dumpfen Schmerzen in den Knochen".Reissende Schmerzen mit neuralgischem Charakter sind in denBeinen nicht vorhanden; ebensowenig besteht ein Gürtelschmerz.Die Sensibilität an den unteren Extremitäten ist etwas herabgesetzt.Die Behandlung mit dem konstanten Strom blieb ohne Erfolg ;Patient musste ungeheilt entlassen werden. (Nach Nothnagel.)
XLV. W. T., vom Leib-Grenadier-Regiment (1. Branden-burgisches) No. 8, 24 Jahre alt, erkrankte im Dezember 1870anTyphus, der ihn sieben Wochen lang ans Bett fesselte. InderRekonvaleszenz, in der vierten und fünften Woche, bemerktePatient eine lähmungsartige Schwäche und Schmerzenin den Beinen. Die erstere steigerte sich dann allmälig zueiner fast vollständigen Paralyse, so dass das Gehenabsolut unmöglich war und auch im Bett die Beine nurunvollkommen bewegt werden konnten. Im Laufe einigerWochen, unter dem einfachen Gebrauch reizender Einreibungen,besserte sich dann die Lähmung etwas, die Schmerzen weniger.
Anfang Mai 1871 bilden Schmerzen in beiden Beinen dieHauptklage des Patienten. Fast kontinuirlich sind sie von denKnieen abwärts vorhanden, ohne an bestimmte Nervenbahnengebunden zu sein. Wenn er gegangen ist, strahlen sie diffusbis zu den Hüftgelenken in die Höhe. Die Sensibilität ist etwasherabgesetzt, namentlich im linken Bein, in welchem auch dieSchmerzen stärker sind.
Die Bewegungen der Unterextremitäten sind jetzt frei,nur besteht immer noch ein Gefühl von Schwäche in ihnen, undPatient ermüdet nach dem kleinsten Gang.
Anwendung des konstanten Stromes. Die motorischeKraft kehrte vollständig zurück, die SchmerzenHessen erheblich nach. (Nach Nothnagel.)
XL VI. Remigius Miehle, 1. Bayerisches Artillerie-Regiment, klagte nach einem im 1. Feldlazareth VI. Armeekorps zuSt.Cyr überstandenen schweren Ileotyphus, an dem er mehrereMonate krank gelegen, über Schmerzen in den Unterextremi-täten und im Kreuz, über Schwäche in den Beinen underschwertes Gehen. Er konnte sich nicht erholen. Die geklagtenBeschwerden nahmen nach seiner Dienstentlassung langsam aberstetig zu.
Im Jahre 1874 konstatirte man Paralyse der Unter-extremitäten und der Blase. Parese derArme, allgemeinehochgradige Abmagerung. — Patient lebte Ende 1878 noch.
XL VII. Ludwig Plagemann, Dragoner der 3. EskadronMagdeburgischen Dragoner-Regiments No. 6, wurde währendder Belagerung von Metz am 26. September 1870 lazarethkrank.Er hatte sich schon eine Woche früher matt und abgeschlagengefühlt, häufig gefroren, den Appetit verloren und an Durchfallgelitten. Am 30. September kam er in Dresden an. Dass es sichbei ihm um Typhus handelte, ergab eine kurze Beobachtung.Die Form der Erkrankung war eine schwere, der Fieberablaufist in Zeichnung 7 dargestellt.
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Oktober 1. 2. 3. 4.
Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
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Zeichnung 7.
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