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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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VI. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems nach akuten Infektionskrankheiten.

Band VII.

Einen Tlieil der atrophischen Paraplegien nach akutenKrankheiten hält Ley den für neuritische.Es sind", sagter,peripherische Lähmungen, welche, wenn sie sich bis aufdas Rückenmark fortsetzen, dasselbe nur in untergeordneterWeise betheiligen. Für eine solche Auffassung sprechendie neuritischen Symptome Schmerz, Hyperästhesiebesonders aber, wie ich glaube, der häufig günstige Ver-lauf. Denn wenn wir die Muskelatrophie spinalen Ur-sprungs auf eine Atrophie der motorischen Ganglienzellenzurückführen, so ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die-selbe noch nach halbjährigem Gestehen fast vollständigund ziemlich schnell rückgängig werden könne, dagegenist dies der regelrechte Verlauf peripherischer neuritischerAtrophien."

Ueberblickt man die Kasuistik, so Avili es scheinen,als ob die Ansicht Leyden's eine wohlberechtigte sei. Einbestimmteres Urtheil über den Sitz der Lähmung lässt siebleider nicht gewinnen, da die Krankengeschichten sowenig ausführlich, wie sie gefunden, hier wiedergegebenwerden mussten. Aus der Gesammtzahl der 17 Fälle ver-liefen sieben in Genesung, vier in Besserung, währendsechs ungeheilt blieben, doch reicht unter diesen letztenzweimal zu einem definitiven Schlüsse die Beobachtungszeitnicht hin. Bailly will nach Typhus ein gewisses Vor-wiegen der Paraplégie auf der linken Seite gesehen haben.

heit bildeten sich auf dem Rücken mehrere grosse Dekubitus-stellen und unter denselben eine auf dem zwölften Brustwirbelaus. Diese war tiefgreifend, legte den Wirbel blossund eiterte stark. Patient fing an über Schmerzen undZuckungen in den Beinen zu klagen und konnte sich wegaistarker Empfindlichkeit in der Wirbelsäule nicht auf-richten. Dann stellte sich eine lähmungsartige Schwächein den Unterextremitäten ein. Dieselbe wurde hochgradiger,so dass K. schliesslich weder stehen noch gehen konnte. NatiHeilung der Allgemeinerkraukuug und des Druckbrandeswurde Patient nach Berlin evakuirt und hier zuerst in denBaracken auf dem Tempelhofer Felde, dann im Garnisonlazarethmit Bädern, Jodkalium und Elektrizität behandelt. Hierdurchtrat Besserung ein, die Motilitätslähmuug nahm ah.

Am 5. Juli 1872 sah K. blühend und gesund aus, hattekeine Klagen, vermochte angestrengt zu gehen und war wiederebenso leistungsfähig, als vor dem überstaudenen Typhus.

XLI. Typhuslähmung oder Paraplegia urinaria?

Erdmann Loeffler, Trainsoldat der 5. ProviantkolonneIII. Armeekorps, war nach einem vorliegenden Journalblatte ausdem Reservelazareth zu Homburg am 14. September 1870 unterFieber, Eingenommensein des Kopfes, Diarrhöe, Ileocökalschinerzerkrankt. Man stellte die DiagnoseTyphus" und behandelteihn unter derselben bis zum 26. Oktober. Im Verlauf der Krank-heit entwickelte sich eine Cystitis und Pyelo-NephritilDas Fieber hatte den aus Zeichnung 6 ersichtlichen Typus.

M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. 51.A. M.A. H.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A. M.A.M.A. M.A. M. A. H.A. M.A.M.A.

42.0

37.0

Zeichnung 6.

Für die Pocken hat Westphal diese Prädilektion bereitsnegirt, und für unsere Typhusfälle ist sie ebenfalls nichterwiesen. Auch den sclinellen Eintritt der Lähmung, denWestphal für die Regel hält, bestätigen die Feldzugs-beobachtungen nicht. Noch ist zu erwähnen, dass mög-licherweise auch im Falle L1V eine Lokalerkrankung derLendenwirbelsäule vorgelegen hat.

XL. Typhus-Dekubitus. Pachymeningitis. Paraplégie.

Heilung.

Carl Heinrich Krug, Gefreiter im Garde-Feld-Artillerie-Reginient, machte während des Feldzuges vor Paris einenschweren Typhus durch. Seine Behandlung fand im 7. und10. Feldlazarett! des Gardekorps statt. Während der Krank-

Obwohl noch Beimengungen von Blut im Urin deutlichnachweisbar waren, schickte man den Rekonvaleszenteu dochzur weiteren Kur zunächst nach Frankfurt a. M., später nachLandsberg a. W. In dem Reservelazareth der letztgenannt«!Stadt gesellte sich zu den Urinbeschwerden eine Lab mim?beider Unterextremitäten. Diese Lähmung wurde auch am18. Mai 1871 von dem Feldstabsarzt Dr. Mendel in Tïerlinnachgewiesen. Sie war eine unvollkommene, aber doch so hoch-gradig, dass sie das Gehen unsicher und beschwerlich machte.Später trat noch Schwund der Muskulatur in der Umgebmi?des Kreuzbeins, rechts deutlicher als links, und Unvermögenden Urin zu halten, hinzu. Am 17. Juni 1875 konnte derKranke, bis auf unbestimmte Klagen, als völlig geheilt be-trachtet werden. Er lebt zur Zeit in Landsberg a. W.