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VI. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems nach akuten Infektionskrankheiten.
Band VII.
XXXVI. Theodor Micke, Grenadier im I. Garde-Regi-ment zu Fuss, Mitte Februar 1871 vor Paris am Typhus er-krankt, fand am G. März Aufnahme in dem Reservelazareth zuOldenburg. Die Fieberkurve (siehe Zeichnung 5) beweist, dasser sich im Endstadium der Erkrankung befand.
Am 1. April in der Rekonvaleszenz klagte er überSchmerzen an der Aussenseite des rechten Oberschenkels, diebis zum Knie ausstrahlten. Alsbald trat unvollständige Läh-
Gliedes ein. Im Dezember 1871 betrug die Unifangsdifferenaim Vergleich zur andern Seite über der Wade 0,5, über demunteren Drittheil des Oberschenkels 1,5 und höher hinauf1,0 cm. Ausserdem war das Gefühl nicht nur an der Extremitätsondern auch an der linken Hälfte der Bauchhaut dicht nebender Medianlinie bis zur 6., in der Axillarlinie bis zur 9. Ripp eerheblich herabgesetzt, am meisten an der Vorderfläclie desOber- und Unterschenkels, wo Nadelstiche an einzelnen Stellen
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M. A. II. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. M. A. 11. A. M. A.
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März 7.
14. 15. 16.Zeichnung 5.Temperatur.............Puls.
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m un g der Extremität ein, Patient konnte dieselbe nur wenigvom Bette erheben und sie im Knie absolut nicht beugen. Be-handlung mit dem konstanten Strom. Schon nach den erstenSitzungen auffallende Besserung der Beweglichkeit bei Fort-dauer der Schmerzen. Später nahmen auch diese ab. Der Krankekonnte das Bett verlassen, klagte aber einige Tage nachherwieder über Schmerzen im rechten Arm, namentlich im Schulter-gelenk. Am 21. April konnte er geheilt entlassen werden.
XXXVII. Mathias Neumaier, vom 5. Bayerischen Land-wehr-Bataillon, wurde Anfang Oktober 1870 im Felde krankund machte vom 13. Oktober bis 9. Dezember 1870 im Kan-tonnementslazareth zu Niederbronn einen Ileotyphus durch.Im direkten Anschluss hieran entwickelte sich eine Atrophie undSchwäche der linken Unterextremität. Die Atrophie war imMai 1878 so hochgradig, dass am Oberschenkel eine Differenzvon 7 cm, am Unterschenkel eine solche von 5 cm zu Gunstendes rechten Beines bestand.
XXXVIII. Karl Zirzow, Kürassier der 1. EskadronKürassier-Regiments Königin (Pommersch.es) No. 2, erkrankteEnde September 1870 vor Metz an Ruhr und wurde sofortnach Frankfurt a. O. evakuirt. Hier befiel ihn gleich nachseiner Ankunft der Typhus. Als er nach einigen Wochen dasBett verliess, zeigte sich eine Gefühls- und Bewegungslähmungan der linken Unterextremität. Anamnestisch ergab sich, dassZ. schon im März 1868 aus unbekannter Veranlassung, möglicher-weise in Folge des Druckes auf den Schenkel beim Reiten,plötzlich eine lähmungsartige Schwäche im linken Unterschenkelempfunden hatte, die ihn zum Absitzen genöthigt hatte, abernach viertägiger Lazarethbehandlung wieder vollkommen ge-schwunden war. Einen zweiten Anfall, wieder beim Reiten,hatte er am 9. Juni 1870 und wurde wegen dieses für rheu-matisch gehaltenen Leidens vier Wochen mit Elektrizität be-handelt und geheilt, so dass er bei der Mobilmachung mit aus-rücken konnte. Neben der Parese des linken Beines stellte sichaber nach dem Typhus auch eine Abmagerung des ganzen
fast gar nicht, überall aber viel undeutlicher empfunden wurden,als an den korrespondirenden Stellen rechts. Wiederholte Ver-suche ergaben immer dasselbe Resultat. Beim Gehen schlepptePatient den linken Fuss nach und ermüdete leicht.
Am 17. Juli 1872 fand sich eine Umfaugsdifferenz vondurchschnittlich 1,5 cm und ein Jahr darauf eine solche von 3bis 4 cm am Oberschenkel der kranken Seite, sowie eine totaleReaktionslosigkeit gegen Nadelstiche an allen Stellen der linkenUnterextremität.
Nach eingezogenen Erkundigungen ist Z. noch am Leben,über seinen jetzigen Zustand konnte aber nichts in Er-fahrung gebracht werden.
Summarisch abgehandelt sind in den Zählkarten nochvier hierher gehörige Fälle. Im Krankendepot I, Berlin,wurde im Monat März 1871 der Füsilier im Garde-FüsilierRegiment Ludwig Wilhelm Nicolai als Typhusrekonvaleszentan einer Parese der rechten Unterextremität behandelt und dtInvalide entlassen. Der Verfasser (Oberstabsarzt Stricker)hat ihn in den Invalidenlisten nicht auffinden können. Diezwei nächsten Kranken ■— Wehrmann Andreas Thormeierund Trainsoldat Karl Holz — zeigten in der Rekonvales-zenz von Typhus eine „Lähmung des rechten Unterschenkels"bezw. eine „Paralyse des linken Beines" und wurden nachkurzem Aufenthalte in Feldlazarethen in die Heimath eva-kuirt. Der vierte Patient war der Sergeant HermannZimmermann vom 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin,welcher am 7. März 1871 nach einem dreimonatlichenKrankenlager von Berlin aus mit einer Lähmung des linkenBeines nach Typhus zum Ersatz-Bataillon seines Truppe*theils entlassen wurde. Was aus den letzten drei Krankengeworden ist, hat sich nicht feststellen lassen.