Band VII.
I. Abschnitt: Nervöse Nachkrunkkeiten des Abdoniinaltypkus.
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von einer vierwöclientlichen elektrischen Kur unbeeinflusstHieb. Zwei Patienten erschienen 1872, einer 1873, einer1874 und einer 1878 ungebessert.
XXX. Gottlieb Münch, 25 Jahre, geboren in Gure, Kreis
Müitsch, Füsilier im Schlesischen Füsilier-Regiment No 38. ImJanuar 1871 Typhus. Nach Ablauf desselben Schmerzen inder Kreuzgegend und dem Fuss- und Kniegelenk desrechten Beines. Dazu Schwäche und Formikation und im Fe-bruar erschwertes Wasserlassen. Dabei stechende Schmerzen inder Magengegend; ferner Gürtelgefühl und Taubheit der rechtenFusssohle. Leichte pes equinus-Stellung. Hinken. Schwankenbei geschlossenen Augen, besonders beim Gehen. Atn Bein keineSchmerzpunkte ; untere Brust- und Kreuzwirbel druckschmerzhaft.Bewegungen im Knöchelgelenk wegen der Spannung nicht ganzfrei, im Kniegelenk möglich aber schwach und wenig ergiebig.Sensibilität am ganzen Bein herabgesetzt, ebenso die Erregbarkeitder Nervenstämme. (Nach Berger.)
XXXI. J. L., vom 21. Landwehr-Regiment, 31 Jahre alt,wurde Anfang September v. J. bei Gelegenheit der Belagerungs-arbeiten vor Strassburg in der Gegend des linken Hüftgelenksmit Erde beschüttet; es soll danach eine Anschwellung dieserGegend aufgetreten sein, die aber in einigen Tagen wieder ver-schwand. Patient machte dann noch etwa 5 Monate hindurch,bis Februar, alle Strapazen und Anstrengungen des Feldzugesdurch, ohne Schmerzen an der lädirten Stelle zu haben. Im Fe-bruar erkrankte er am Typhus und im Laufe desselben ent-wickelten sich die noch jetzt bestehenden Erscheinungen. Pat.klagt jetzt (Anfang Mai 1871) über Schmerzen im ganzen linkenBein, die von der Hüfte anfangen und, über die ganze Extremitätverbreitet, bis zum Fusse abwärts ziehen; dass sie an eineisolate Nervenbahn gebunden sind, lässt sich nicht konstatiren.
Diese Schmerzen sind in geringerem Grade fast kontinuirlichvorbanden, mit Exazerbationen, die sowohl spontan, wie nament-lich bei Bewegungen auftreten. Daneben besteht im ganzenBein die Empfindung des Abgestorbenseins, einer lähmungs-artigen Schwäche. Pat. geht hinkend und schleppt das linkeBein etwas nach; die Bewegungen in den Gelenken, Beugungenund Streckungen sind nur unvollkommen und ohne jede Energie.Das ganze Bein, namentlich am Oberschenkel, ist etwas magerer.Die Sensibilität ist ebenfalls etwas vermindert.
Eine vierwöchentliche Anwendung erst des konstanten,dann des induzirten Stromes blieb ohne Einfluss auf den Zu-stand. (Nach Nothnagel.)
XXXII. Während der Belagerung von Metz wurde derTrain-soldatder 1. Proviantkolonne II. Armeekorps Joseph Buzalskivom Typhus befallen und vom 19. September bis 15. Ok-tober 1870 im 7. Feldlazarett IL Armeekorps, darauf 7 WochennnLazareth zu Oels behandelt. In derKonvaleszenz magertedie rechte Unterextremität ab und verlor die Gebrauchsfähigkeit,rast zwei Monate hindurch wandte man bei dem Patienten denkonstanten Strom an, konnte aber hiermit ein Fortschreiten derAtrophie nicht verhindern. Zugleich trat wegen Erschlaffungder Gelenkbänder eine Verlängerung des Beines ein.
Am 3. September 1873 fand der Invalide im Garnison-lazareth zu Bromberg Aufnahme, um von Neuem gegen dasunverändert fortbestehende Leiden eine Kur zu gebrauchen.Dieselbe bestand in der Applikation der Douche auf die krankenIheile und in methodisch durchgeführten Gehübungen. Hier-durch wurde die Beweglichkeit der Gelenke des rechten Beinesheier, so dass am Tage der Entlassung, am 16. Oktober 1871,das Gehen ohne Schmerzen und ohne Krücken leidlich vonstatten ging.
Das Superrevisions-Attest pro 1874 lautet: „Muskelkon-traktur der Hüfte (?), wodurch die Beweglichkeit des rechtenHüftgelenks in hohem Maasse beschränkt ist. Wirbelsäule starknach rechts ausgebogen. Wenn Patient auf dem gestrecktenrechten Beine steht, ist die gesunde linke Hacke etwa 6 cm vomFussboden entfernt. Die ganze Extremität deutlich atrophisch."
XXXIII. Friedrich v. Hoff, Musketier im Braunschwcig-schen Infanterie-Regiment No. 92, machte, 26 Jahre alt, einenschweren Typ h us von achtwöchentlicher Dauer und v e r z ö g o r-ter Rekonvaleszenz im Reservelazareth zu Fulda durch. DerBeginn der Krankheit fiel in die erste Hälfte des Oktober 1870 bisAnfang Januar 1871. Als er dem Ersatz-Bataillon attachirtwurde, zeigte sich eine Lähmung des rechten Beines mitspastischer Flexionskontraktur im Kniegelenk. Ausserdem be-kam der Rekonvaleszent wiederholt epileptische Anfälle, woraner seiner Versicherung nach vor dem Typhus nicht gelittenhatte. Am Ende des Jahres 1872 war der Zustand un-verändert.
XXXIV. Johann Fick, Gefreiter im 2. NiederschlesischenLandwehr-Regiment No. 47, bekam vor Strassburg den Typbus.Eigenen Angaben nach dürfte es sich um eine schwere Krank-heitsform gehandelt haben. In der Rekonvaleszenz beganner über Schmerzen in den Beinen zu klagen und bald war erunvermögend zu gehen.
Am 7. August 1871 fand sich Parese und Atrophie deslinken Beines. Umfangsdifferenz am Unterschenkel 4, am Ober-schenkel 6 cm.
Ein Jahr darauf konnten weder Ernährung»- nochFunktionsstörungen der Extremität nachgewiesenwerden.
XXXV. Ludwig Emrnart, Gemeiner im 9. BayerischenInfanterie-Regiment, klagte als Rekonvaleszent von einemTyphus, den er Anfang 1871 im Aufnahms-Feldspital No. 8 zuMassy durchgemacht hatte, über neuralgische Schmerzen im linkenUnterschenkel. Das Invaliditätsattest, welches ihn am 11. Aprilfür grösstentheils erwerbsunfähig erklärte, spricht von „einermassigen Kontraktur des linken Unterschenkels". (?)
Als E. Mitte Dezember 1871 der Sanitätskommission vor-gestellt wurde, fand sich: „Verkürzung des linken Beines um2 Zoll bei Bewegungsbeschränkung im Kniegelenk, Atrophieund vollständige Gebrauchsunfähigkeit des ganzen Gliedes,Klumpfussstellung des linken Fusses und Verbiegung der Wirbel-säule nach rechts."
Der Kranke fand in dem Garnisonlazareth Würzburg Auf-nahme und wurde dort bis zum 24. August 1872 mit Elektri-zität, Gymnastik, warmen Bädern und Douche behandelt. Beiguter allgemeiner Ernährung war hiernach der Gang auf kurzeStrecken ohne Stock möglich, doch etwas hinkend und schlottrig,die Muskelkontraktilität, die Bewegungsfäbigkeit im linkenKnie- und Fussgelenk wieder hergestellt, beide Extremitätenfast gleich lang.
Diese Besserung hielt nicht lange an.
6. August 1873: „Linker Ober- und Unterschenkel zeigenl'/i cm minus (?), linker Fuss in leichter Klumpfussstellung;das Auftreten geschieht nur mit dem vorderen Theile des äusserenFussraudes. Die aktiven Bewegungen im Hüft-, Knie- undFussgelenk sind unsicher, der Versuch des Auftretens ruftschlotternde Bewegungen im Hüftgelenk hervor. Lähmung derAuswärtsroller des Oberschenkels, Gang hinkend, nur mit Hilfeeines Stockes."