Umfangsunterschied am Oberarm um 1 Va cm, am Vorderarm um1 cm im Vergleiche zu rechts, Kraftäusserung der linken Handdeutlich schwächer, die Zwischenknochenräume hier flacher alsan der andern Seite.
XXVIT. Friedrich Bahr, Kanonier im PommerschenFeld-Artillerie - Regiment No. 2, fand am 16. November 1870 vorParis in einem Feldlazarethe wegen Klagen über Mattigkeit,Schwindel, Kopfschmerzen und Diarrhöe Aufnahme. Es stelltesich bald heraus, dass er an Ueotyphus litt. Die Krankheitverlief unter schweren Symptomen, besonders unterstarker Mitbetheiligung des Centralnervensystemsäusserst langsam und führte zu einer verzögerten Re-konvaleszenz, welche der Patient in den Lazarethen zu Frank-furt a. M. und Stettin zubrachte. Namentlich am letztgenanntenOrte klagte er über ein erhebliches Schwächegefühl im rech-ten Arme. Ungeachtet sich dasselbe nicht verlor, meldete ersich Mitte Februar 1871 gesund und wurde der 1. leichten Re-serve-Batterie zugetheilt, bei welcher er die Belagerung vonBeifort mitmachte. Hier nahm die Schwäche im Arme immermehr zu. Sie gab jedoch erst wieder zur Behandlung Veran-lassung, als B. bei dem Rückmarsche von Beifort am 17. Märzwegen Lungenkatarrhs lazarethkrank wurde. Ende März er-folgte seine Entlassung nach Worms, und hier soll nun nachseiner Angabe an einem der ersten Tage des April plötzlicheine vollkommene Lähmung des ganzen rechten Armeseingetreten sein. Ob diese Angabe richtig, hat sich nicht fest-stellen lassen. Nachdem er von Worms zunächst wiederumnach Stettin evakuirt worden war, kam er im Mai zu der leich-ten Fuss-Ersatz-Batterie nach Colberg, konnte aber keinen Dienstthun, sondern músete wegen des gelähmten Armes im Revierverbleiben. Später schickte man ihn ins Garnisonlazareth Stettinzum Gebrauch von Bädern, Douchen und der Elektrizität. DieKuren erwiesen sich aber als erfolglos. Oberstabsarzt Pragerstellte ihm am 6. Dezember 1871 ein Invaliditätsattest aus,worin es heisst: „Der sonst völlig gesunde junge Mann zeigt einevollständige Lähmung des ganzen rechten Armes. DieMuskulatur des Gliedes ist welk und schlaff und, wie die derSchulter, grösstentheils geschwunden. Messungen zwischendem Umfange des rechten und linkenArmes ergeben eine Differenzvon I 1 /* bis 2 Zoll zu Ungunsten des rechten. Der Daumen-ballen und die Zwischenräume der Mittelhandknochen sindrechts ebenfalls abgemagert. Der Arm fühlt sich kalt an, dieSensibilität an ihm ist erloschen."
B. lebt in Colberg. Sein jetziger Zustand ist unbekannt.
XXVIII. Gottlieb Dubrow, 24 Jahre alt, wurde währendder Einschliessung von Metz typhuskrank und am 10. Oktober1870 ins Lazareth zu Corny aufgenommen. Yon hier aus gelangtederselbe in die Lazarethe zu Forbach, Dresden und Geis, vonwo er am 28. März 1871 zum Ersatz-Bataillon nach Gubengeschickt wurde. Unzweifelhaft in Folge von Dekubitus be-steht um diese Zeit auf der linken unteren Hälfte des Kreuz-beins eine über zweithalerstückgrosse, tief eingezogene und mitdem Kreuzbein fest verwachsene, strahlige Narbe, welche dieBewegungen des linken Oberschenkels beeinträchtigt. Fernerist eine partielle motorische und sensible Lähmung deslinken Armes vorhanden, die mit Schwund eines Theilesder Muskulatur und Schlaffheit des noch vorhandenen an-dern Theiles, Formikationen im Verlauf des n. ulnaris, Energie-und Kraftlosigkeit der ausgeführten Bewegungen und Herab-setzung der Hauttemperatur einhergeht. Am meisten von dieserAffektion ist die linke Hand betroffen.
Im weiteren Verlauf verkrümmte an der linken Hand der4. und 5. Finger vollständig, der 2. und 3. theilweise. Die
Muskulatur zwischen Daumen und Zeigefinger ist völlig atro-phisch. Die übrige Handmuskulatur ist ebenso wie die desVorderarmes erschlafft.
So war es noch im Juli 1873.
XXIX. Franz Gurgel, Gefreiter im Pommerschen Fuss-Artillerie-Regiment No. 2, trat Ende September 1870 vor Metzmit Klagen über gastrische Störungen und mit lebhaftem Fieberin militärärztliche Behandlung. Es entwickelte sich ein schwererUeotyphus. Nachdem die eigentliche Krankheit gehoben, kon-statirte man eine auffallende Schwäche im linken Arm. DieseSchwäche nahm bis zur Lähmung rasch zu. Im Lazareth zuPrenzlau schwoll der gelähmte Arm an. Wiederholt wurdenEinstiche in denselben gemacht. Am 21. Dezember 1871 fandensich mehrfache kleine, nicht adhärente Narben, wahrscheinlichvon diesen Einstichen herrührend. Alle inneren Organe er-schienen gesund. Pathologisch verändert zeigte sich allein dielinke Oberextremität. Das Schultergelenk ist normal konfigurirt;die Schulterblattmuskeln sind nicht nachweisbar abgemagert,dagegen ist die aktive Bewegungsfähigkeit im Schultergelenkfast völlig aufgehoben, während passiv alle Bewegungen freiausführbar sind. Die Muskeln des Oberarms sind erheblichgeschwunden, die Messungen an beiden Oberarmen ergebeneine Volumsabnahme des linken Oberarms um einen starkenZoll im Vergleich zum rechten Oberarm; etwas geringer ist derMuskelschwund am linken Vorderarm; die aktive Beugungdes Handgelenks ist durchaus unmöglich; die für gewöhnlichetwas nach innen gebeugten Finger können aktiv nicht in dieHandfläche eingeschlagen werden, der Daumenballen und dieFinger sind abgemagert. G. kann den Arm, der sich kühlund welk anfühlt, und in welchem er stets ein Kältegefühlzu empfinden angiebt, nicht längere Zeit ohne Beschwerdenhängenlassen, die Sensibilität des Armes ist überall, mitAusnahme des Handrückens und der Handfläche, fast völligerloschen.
Im Jahre 1873 fand sich die Lähmung des Armes un-verändert.
Späterhin ist eine entschiedene Besserung eingetreten, derenGrad aber durch die zweifelhaften Angaben des Invaliden ver-deckt wurde.
Hieran schliessen sich die einseitigen Lähmungen derUnterextrenii täten, von denen neun näher beschriebene Falleaus demFeldzuge gesammelt werdenkonnten. Sitz des Leidemwar das rechte Bein viermal, das linke fünfmal. Die Beob-achtung Berger's (XXX) zeichnet sich dadurch aus, dass eineBetheiligung des Rückenmarks durch die Urinbeschwenlenund das Gürtelgefühl wahrscheinlich wird. Berger giebtibdieUeherschrift: Parese des rechten Beines mit Erscheinungeneiner Irritatio spinalis. Sehr ungenau ist bei den einzelne«Fällen die Entwiekelungsgeschichte der Lähmung in <le::Invalidenlisten geschildert; gründliche und systematisch!Untersuchungen des Nervensystems fehlen fast ganz, kanndass die zeitige Aufeinanderfolge der einzelnen Erscheinun-gen ersichtlich wird. A r on einer Heilung der Lähmung »nur in zwei Fällen die Rede. Hiervon ist der eine (XXXh)auch noch deswegen besonders von Interesse, als innei-halb eines Jahres die sehr bedeutende Atrophie der Btremität völlig verschwunden war. Während Berger vondem Verlauf seines Falles nichts erwähnt, bemerkt Noth-nagel, dass die Lähmung des von ihm behandelten Kranken