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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyphus.

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Linker Arm und linke Hand abgemagert. Linker Hand-teller schwitzt viel. Der linke Arm kann bis zur Horizontalennicht erhoben, auch nicht zum Gesäss gebracht werden. AlleBewegungen rufen klonisches Zittern hervor, die Adduktionsogar solches in Bündeln des m. pectoralis major. Die Handkommt nur bis zur 3. Rippe links. Beugung im Kubitalgelenkgelingt bis zum rechten Winkel. Pro- und Supination, Bewe-gungen im Handgelenk, Beugung und Streckung der Fingersind möglich, aber kraftlos. Sensibilität wenig herab-gesetzt, ebenso die Farado- und Galvanokontraktilität. (NachBerg er.)

XXIII. Beobachtung von Berger, nach den Militär-Aktenvervollständigt.

Robert Arndt, 21 Jahre, geboren zu Briesen, Kreis Schroda,Füsilier im Westfälischen Füsilier-Regiment No. 37, wurdeim Februar 1871 vom Typhus befallen. Derselbe verlieflangsam unter grosser Prostration, bedeutenderHerz-sckwäche, häufigen Diarrhöen, im Lazareth zu Görlitz. Trotzgrosser Chinindosen und der Anwendung kalter Bäder bestandvom 1. bis 19. März hohes Fieber. (Vergl. Zeichnung 4.)

waren die Bewegungen des Armes im Schultergelenk ; er konntedenselben allerdings etwas nach vorn und hinten bringen, auchrotiren, aber jede Erhebung in senkrechter Richtung war un-möglich. Auch die Sensibilität am ganzen linken Armwar bedeutend herabgesetzt.

Als ich Patient zuerst Anfang Juli nach schon sechswöchent-licher elektrischer Behandlung sah, hatte sich die Beweglichkeit und Kraft des linken Armes schon etwas gebessert, auchim Schultergelenk schon beginnende Erhebungsfähigkeit. Einedeutliche Abmagerung ist nicht zu konstatiren.

Patient wurde dann noch einige Monate mit dem kon-stanten Strom behandelt. Bei der Entlassung, Anfang Oktober,war der Händedruck recht kräftig, Patient konnte Gegenständefassen und festhalten, und im Schultergelenk ist die Erhebungdes gestreckten Armes bis zur Schulterhöhe möglich. Die Sen-sibilität ist immer noch verringert, doch weniger als früher.(Nach Nothnagel.)

XXVI. Heinrich Pressentin, Jäger im Mecklenburgi-schen Jäger-Bataillon No. 14, klagte Mitte November 1870 überallerlei unbestimmte Beschwerden, war leistungsunfähig und

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Am 1. April 1871 thut das Journalblatt einer beträcht-lichen Schwäche Erwähnung. Patient konnte am 18. April denlinken Arm nicht über die Schulterhöhe heben. Berger no-tirte:Geringe Abmagerung der Schulter und der Brustmuskeln.Armbewegungen normal bis auf die nur zur Horizontalen mög-liche Erhebung. Diese geschieht nur langsam. Passive Erhebungist schmerzhaft. In den übrigen Gelenken sind die Bewegungenmöglich, aber kraftlos. Tast- und Schmerzempfindung an Armund Schulter herabgesetzt."

XXIV. Ludwig Rau, 20 Jahre, geboren in Gaschigewo,Kreis Obornik, Grenadier im Ersatz-Bataillon 3. Garde-Grenadier-Eegiments Königin Elisabeth. 5. April 1871 ins LazarethBreslau. Als Typhusrekonvaleszent bekam Patient eineSchwäche im rechten Arm. Der Arm nicht magerer.Bewegungen weniger kraftvoll. Händedruck viel schwächer.Sensibilität (elektrokutane) am rechten Arm etwas ver-mindert. 3. Juli geheilt entlassen. (Nach Berger.)

XXV. F. A., 22 Jahre alt, erkrankte Mitte Februar 1871an Typhus. Als er in der vierten Woche zum ersten Maleaufstand, bemerkte er eine lähmungsartige Schwäche deslinken Armes, die sich schnell steigerte. Er konnte damalsmit der linken Hand Gegenstände weder fassen, noch festhalten ;der Händedruck war sehr schwach. Am meisten beschränkt

wurde dieserhalb aus dem Felde in die Heimath zurück-geschickt. Er machte im Lazareth zu Schwerin einen schwerenTyphus durch. Das Fieber hielt sich 14 Tage lang auf be-deutender Höhe, die Temperatur fiel Morgens nicht unter 39.5° C.und stieg Abends durchweg über 40° C. Schwere Schädi-gung zeigte das Nervensystem, furibunde Delirienwechselten mit komatösen Zuständen ab. Die Diarrhöenhielten wochenlang an, der Ernährungszustand sank immermehr. Zeichen bedrohlicher Herzschwäche stellten sich ein.Dennoch überstand der Kranke das gefährliche Leiden und konntenach sechswöchentlichem Krankenlager als Rekonvales-zent betrachtet werden. Am 28. Januar 1871 klagte er zumersten Male über Schwäche in der linken Hand, und am3. März ej. notirt das Krankenjournal eine totale Lähmungder Hand. Im Juni 1871 erwies sich die ganze linke Ober-extremität gelähmt. Gleichzeitig war ein deutlicher Muskel-schwund an den interosseis, dem Thenar und Hypothenar, dembiceps, deltoideus, pectoralis major sinist. nachzuweisen. Be-deutende Sensibilitätslähmung in den Fingern; Hände-druck schwach, Bewegung des Armes nach oben sehr beschränkt.Eine zweimonatliche elektrische Kur blieb ohne Erfolg.Später besserte sich die Lähmung von selbst, aber nur sehrlangsam. Patient benutzte den Arm und die Hand. Aber nochim Jahre 1878 war eine restitutio in integrum nicht eingetreten.

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