Band Vil.
I. Abschnitt: Nervöse Nachkranklieiteii îles Abdominaltyphus.
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XIV. Heinrich Fischer, Gemeiner im 2. BayerischenInfanterie-Eegiment, überstand im Felde einen Typhus, dessenBeginn auf den 1. Oktober 1870 fiel. Das am 24. Januar 1871ausgestellte Attest, welches ihn invalidisirte, erwähnt einerAtrophie der linken Hand, speziell eines Schwundes desDaumenballens.
31. März 1871: „Linke Hand zart, geschont, zittert, wennder Arm horizontal gehalten wird. Muskulatur des Daumensatrophirt. Daumen kann nicht zur Faust eingezogen werden.Ober- und Vorderarm um 2 cm schwächer."
21. Juni 1877: „Linker Ober- und Vorderarm normal,linke Hand um die Mitte genau 2 cm schwächer als die rechte.Zeige-und Mittelfinger können nicht ganz zur Faust eingezogenwerden. Daumen extendirt und adduzirt. Bei Streckung zittertdie Hand."
Serra tuslähmung.Die erste Beschreibung einer isolirten Serratus-läkmung nach Typhus ging von Berger aus. Der lebendeGegenstand dieser Beschreibung war ein Soldat, welcherim Feldzuge 1870/71 einen schweren Typhus durchgemachthatte. Seine Krankengeschichte ist wörtlich nach derSchilderung Berger's wiedergegeben. An dieselbe schliesstsich eine im Garnisonlazareth Leipzig aufgezeichnete zweite,in welcher die Paralyse gleichfalls eine auf den m. serratasanticus major beschränkte gewesen zu sein scheint. Dieaffizirte Seite war in beiden Fällen die rechte.
XV. Isolirte Lähmung des rechten n. thorac. long., imRekonvaleszenzstadium des Ileotyphus entstanden. 1 )
Friedrich Klosius, Soldat, 26 Jahre alt, früher stetsgesund, erkrankte während des Feldzuges gegen Frankreich imNovember 1870 an einem Typhus abdominalis, welchernachden Angaben des Patienten einen sehr intensiven Verlauf ge-nommen zu haben scheint. Gegen Ende der vierten Woche,als Patient bereits in beginnender Rekonvaleszenz sich befand,aber noch anhaltend zu Bett lag, bekam er, ohne anzugebendeUrsache, heftige, reissende und bohrende Schmerzen in derrechten Schultergegend, welche von hier über den Oberarm,namentlich aber längs der rechten Axillarlinie irradiirten, inden ersten Wochen kontinuirlich anhielten, dabei aber deut-liche, unregelmässig auftretende Exazerbationen und Remissionenzeigten. Patient konnte der Schmerzen halber längere Zeitnicht auf der rechten Seite liegen. Irgend eine äusserlichwahrnehmbare Veränderung war nicht zu konstatiren. Dagegengiebt der Kranke mit Bestimmtheit an, gleichzeitig mit demBeginne der Schmerzen eine „Lähmung" des rechten Armesbemerkt zu haben, welche namentlich darin sich zeigte, dasser, wie er ungefragt angiebt, den Arm zwar bis zur Schulter-höhe, nicht aber darüber hinaus erheben konnte, während alleanderen Bewegungen intakt waren. Die Schmerzen wurdendurch Bewegungsversuche nicht sonderlich vermehrt. Währendsie nun etwa vier Wochen lang mit wenig verringerter Inten-sität anhielten und die Bewegungsschwäche immer mehr zu-nahm, hatte sich indess Patient sonst wieder vollkommen vomlyphus erholt. Die Schmerzen besserten sich jetzt allmälig,so dass sie sowohl ihre frühere Heftigkeit verloren, als auchwsweilen tagelange Intermissionen zeigten, — auch der Arm
„ ') Der Fall findet sich unter F. K. auch in der Abhandlung«othnagel's über die nervösen Nachkrankheiten des Abdominal-typhus.
wurde wieder „etwas kräftiger". — Im April 1871 sah ich denPatienten zum ersten Male. Er bot folgenden Status praes.:Grosser, ziemlich kräftig gebauter, gesund aussehender Mann;klagt vorzugsweise über die mangelhafte Erhebungsfähigkeitdes rechten Armes und einen spannenden Schmerz längs derBasis des rechten Schulterblattes. In der Ruhestellung bei amRumpf herabhängenden Armen bemerkt man bei der Besich-tigung des Kranken von vorn, ausser einer leichten SenkungderSchulte recke, durchaus nichts Auffallendes. Dagegen fälltbei der Adspektion des Rückens sofort eine eigenthümlicheStellung des rechten Schulterblattes in die Augen. Dieganze Skapula, besonders aber ihr unterer Theil, bildet einengrossen Vorsprung, erscheint von der Brustwand gleichsam abge-löst, dabei steht sie höher als die linke und ist so um ihre Längs-achse gedreht, dass ihr äusserer Rand mehr nach aussen undunten gewandt ist, statt der vertikalen eine mehr horizontaleRichtung angenommen hat, während der untere Skapularwinkelnach oben und innen gerichtet ist, so dass er 2 Zoll höher stehtals der des linken Schulterblattes. Die Entfernung zwischendem ang. scap. und der Wirbelsäule beträgt rechts 1 '/* Zoll,links 2 s /4 Zoll, die senkrechte Entfernung des rechten innerenSchulterblattrandes von der Brustwand 1'/2 Zoll. Die Achsel-falte steht rechts tiefer als links. Mit der Hand kann manbequem tief in die fossa subscap. hineingreifen; durch einenDruck auf die flügelartig hervorstehende Skapularspitze in derRichtung von unten nach aussen kann man der Skapula ihrenormale Stellung wiedergeben, sie kehrt jedoch bei nachlassen-dem Drucke sofort wieder in ihre pathologische Lage zurück.Die mittleren und unteren Bündel des cucullaris, die rhom-boid, und der levât, ang. scap. springen unter der Haut rechter-seits deutlich hervor, und man kann sich bei der Palpation vonihrer resistenteren Beschaffenheit leicht überzeugen, währenddie Muskulatur in der äusseren Hälfte der fossa supraspinataschlaffer und weicher erscheint, als links. Die Wirbelsäule istvollkommen gerade. — Der Kranke kann den rechten Arm nurbis zu einem Winkel von 90° aktiv erheben, darüber hinausist es ihm nicht möglich, während passiv die vollständige Er-hebung leicht von statten geht; lässt man ihn beide Armegleichzeitig erheben, so sinkt der rechte Arm weit rascherermüdet herab; dagegen kann er ihn eben so lange erhobenhalten, wie den gesunden, wenn man seine rechte Skapula indie normale Stellung bringt, auch gelingt es ihm dann sogleich,den Arm vollständig, bis zur Vertikalen, zu erheben, währender sofort in die mehr horizontale Lage zurückschnellt, sobaldman mit dem Drucke auf den unteren Schulterblattwinkel nach-lasse Bei der Abduktion des rechten Armes rückt der innereRand des Schulterblattes dicht an die Wirbelsäule heran, sodass bei der seitlichen Erhebung des Armes bis zur Horizontalender untere Winkel nur noch kaum /2 Zoll von den Dornfort-sätzen entfernt ist, gleichzeitig verstärkt sich die schon in derRuhestellung sichtbare Hervorragung des cuculí, und derrhomboid, zueinem mächtigen, sich steinhart anfühlendenMuskelwulst. Bewegt der Kranke den horizontal erhobenenArm nach vorn, so tritt ausserdem nunmehr die Schulterblatt-basis bei Weitem stärker hervor und erhebt sich so weit vomThorax ab, dass ihre Entfernung von der Thoraxwand jetzt2 3 /4 Zoll beträgt.
Alle anderen Bewegungen der rechten oberen Extremität,die Hebung und Senkung der Schulter, die Annäherung desSchulterblattes an die Wirbelsäule, die Rückwärtsführung derExtremität, die Rotation des Oberarmes nach innen und aussen,die Bewegungen des Vorderarmes, der Hand und Finger, bietennichts Abnormes. Ebenso gehen die Respirationsbewegungendes Thorax in durchaus beiderseitig gleicher und normaler