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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VIL

I. Abschnitt: Nervöse Nachkraiikheiten des Abdominaltyphus.

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III. E. Z., 26 Jahre alt, erkrankte im Dezember 1870 anIleotyphus. In der Rekonvaleszenz bekam er schmerz-hafte Empfindungen und ein Gefühl von Schwäche im 5. undl. Finger der rechten Hand, die jetzt noch bestehen.

Als Patient nach einigen Monaten der elektrischen Behand-lung zuging, bestanden immer noch massige Schmerzen im Be-reich des rechten Ulnaris mit einer gleichzeitigen Verminderungder Hautsensibilität in der affizirten Partie. Sämmtliche vomn. ulnar, versehene Muskeln sind gelähmt, speziell der 5. undi, Finger; die elektrische Erregbarkeit für den konstanten undinduzirten Strom ist herabgesetzt.

Patient wird mit dem konstanten Strom behandelt, undnach ungefähr 4 Wochen ist eine erhebliche Besserung erzielt.(Nach Nothnagel.)

IV. W. S., 28 Jahre alt, 4. Garde-Regiment z. F., erkrankte imNovember 1870 vor Paris an Typhus. In der Rekonvales-zenz von demselben traten die Schmerzen und Lähmungs-erscheinungen im linken Arm auf, über welche Patient nochklagt.

Diese Schmerzen waren früher intermittirend mit voll-ständig freien Intervallen; seit einigen Monaten aber sind siebeständig und strahlen jetzt (im Mai 1871) auch bis zurSchulter hinauf, während sie früher nur den 4. und 5. Finger,die Ulnarseite der Hand und des Vorderarmes einnahmen undbis zum Ellenbogengelenk sich erstreckten. Neben den Schmer-zen besteht ein Gefühl von Schwäche und Lähmung im 5. und

4. Finger. Die Bewegungen in denselben sind zwar noch etwasvorhanden, doch nur in sehr beschränktem Maasse, so dass Pa-tient sie weder vollständig beugen, noch strecken kann. EineAbmagerung ist nicht zu konstatiren.

Dagegen besteht im ganzen Bereich des Ulnaris eine deut-liche Abnahme der Sensibilität. Die elektrische Erregbarkeitzeigt keine nachweisliche Abschwächung.

Patient klagt ferner noch seit dem Typhus über leichteSchmerzen in den Beinen und eine leichte Ermüdbarkeit der-selben beim Gehen.

Durch den induzirten Strom wurde eine fast vollständigeHeilung herbeigeführt. (Nach Nothnagel.)

V. W. E., Kanonier, 22 Jahre alt, erkrankte Ende No-vember 1870 in Frankreich an Typhus und ist an demselbenbis Januar 1871 behandelt worden. In der Rekonvaleszenz,als Patient noch im Bett lag, stellten sich Schmerzen im 4. und

5. linken Finger ein, die sich bald an der Kleinfingerseite derHand und der Innenseite des Vorderarmes bis zum Ellenbogenhinauf erstreckten. Sie waren kontinuirlich vorhanden, mitparoxysmenweisen Exazerbationen. Gleichzeitig mit ihnenempiand Patient ein Gefühl von Schwäche und Lähmung im 5.und 4. linken Finger, welches sich allmälig zu der jetzt vor-handenen Höhe steigerte. Die Lähmung besteht noch, währenddie spontanen Schmerzen im Arm ganz aufgehört haben. ImMai bot E. folgenden Zustand dar:

Kräftiger, gut genährter Mann mit derb entwickelter Mus-kulatur. Der 5. und 4. Finger der linken Hand stehen in be-ständiger Halbbeugung und sind vollständig gelähmt; in dendrei andern Fingern sind alle Bewegungen möglich, doch er-scheinen sie, verglichen mit rechts, bezüglich der Kraft etwasschwächer. Wenn man den 4. und 5. Finger passiv geradestrecken will, empfindet Patient lebhafte Schmerzen in den-selben, die bis zum Handgelenk sich erstrecken; auch spontanhat er in ihnen und in der Ulnarseite der Hand eine schmerz-hafte, spannende Empfindung, wie wenn die Hand platzen wollte.Wie Muskulatur des Kleinfingerballens links ist deutlich atro-phisch; auffällig stark ist ferner eine Atrophie der musculi

interossei. Die linke Hand und auch der Vorderarm ist an derUlnarseite entschieden kälter als rechts. Im Bereich des n.ulnaris ist die Sensibilität deutlich vermindert. Die elektrischeErregbarkeit (induzirter und konstanter Strom) ist herabgesetzt.Patient wurde längere Zeit hindurch mit dem induzirtenund konstanten Strom behandelt. Eine wesentliche Besserungwurde nicht erzielt. (Nach Nothnagel.)

Median uslälimung.

Zu dieser Lähmung sind drei Fälle zu zählen, welchesämmtlich in den Invalidenakten gefunden wurden. DieAffektion betraf immer den rechten Medianus, einmal zu-gleich auch das gleichseitige Ulnaiisgebiet. Obwohl diemonatelange Anwendung des konstanten Stromes bei einemKranken ganz ohne Effekt blieb, genas er doch später.Auch Heinrich (VI) wurde gesund, während die LähmungRichter' s (VII) nach fünfviertel Jahren unverändert und miterheblickeiu Muskelschwund komplizirt war.

Eine Medianuslähmung nach Typhus theilt auch Gar-finkel in seiner Inaugural-DissertationDie Neurosen nachakuten Krankheiten" mit.

VI. In Folge eines im Felde überstandenen Typ bus ent-wickelte sich bei dem Musketier der 1. Kompagnie 4. Branden-burgischen Infanterie-Regiments No. 24 Albert Heinrich eineLähmung im Gebiete des rechten nerv, medianus. Daumenund Zeigefinger waren adduzirt, extendirt und unbeweglich, diedrei letzten Finger konnten noch theilweise gebeugt werden.Die mm. interossei (?) und die Muskeln am Daumenballen zeigtensich atrophisch. 1872 sind die Lähmungserscheinungen ver-schwunden.

VII. Christoph Richter, Füsilier der 11. Kompagnie1. Hanseatischen Infanterie-Regiments No. 75, befand sich vom1. Oktober bis 27. Dezember 1870 im Feldlazareth zu Reimswegen einer Erkrankung an Typhus, deren Anfangssymptomebereits in das letzte Drittheil des Monats September fielen.Nachdem er genesen, entwickelte sich eine Paralyse derBeuger des Zeigefingers und Daumens der rechtenHand. Daumen und Zeigefinger lagen in Streckstellung an-einander. Die übrigen Finger waren einer geringen Bewegungfähig, die Hand konnte nicht pronirt werden. Auch die Sen-sibilität an der Volarfläche des Vorderarms und der Ilohlhandzeigte sich alterirt. Sehr schnell bildete sich am Vorderarm undam Daumenballen ein erheblicher Muskelschwund aus. Patientmusste seines Leidens wegen am 20. Juni 1871 für gänzlicherwerbsunfähig erklärt werden. Bis zum 12. April 1872 hatteder Zustand sich nicht verändert.

VIII. Friedrich Gerth, Musketier der 6. Kompagnie4. Thüringischen Infanterie-Regiments No. 96, 21 Jahre alt, amIleotyphus Mitte März 1871 erkrankt, zeigte im Novemberdesselben Jahres eine Lähmung des nerv, medianus undnerv, ulnaris der rechten Hand. Die Gebrauchsfähigkeitder Hand war vollkommen aufgehoben, eine Sensibilitätsstörungnicht vorhanden. Die mehrmonatliche Anwendung des konstantenStromes war erfolglos. Später trat Heilung ein, so dass G.1875 wieder für felddienstfähig erklärt werden konnte.

Radialislähmungist in den Invalidenakten nur einmal beschrieben. Sie wardoppelseitig und schwer. In ihrem Verlaufe trat Atrophie