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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VIL

I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyplms.

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V, Sprachstörungen

als rein funktionelle Neurosen in und nach dem Typhushaben in den letzten Jahren mehrmals ausführliche wissen-schaftliche Bearbeitungen erfahren. Ho stellte 1881Thomsen18 Fälle typhöser Aphasie zusammen und machte besondersauf die ausserordentlich günstige Prognose aufmerksam.Kühn gab 1883 eine Uebersicht über 28 Fälle transi tori-Bcher Aphasie dieser Abkunft. Von 19 derselben be-gann die Sprachlosigkeit bei 2 in der ersten, bei 5 in derzweiten, bei 4 in der dritten, bei 2 in der vierten Krank-heitswoche und bei 6 in der Rekonvaleszenz. Die Dauerder Aphasie betrug durchschnittlich 3 bis 6 Wochen, ihrekürzeste Frist 2 Tage, die längste 4 Monate, einmal 4 Jahre.Die Sprache kehrte plötzlich zurück. Die schnelle Wieder-kehr betont auch Steinthal in 3 Fällen. Unter dentyphösen Erscheinungen gedenkt ferner Griesinger einervollständigen Sprachlosigkeit oder Stummheit, welche sichzuweilen nur langsam in der Rekonvaleszenz verliert". Hierhandelt es sich aber nicht um eine Nachkrankheit, sondernum eine Komplikation des akuten Prozesses, und es ist,wie Nothnagel glaubt, wohl möglich, dass die Mehrzahlder Fälle einer durch die Entkräftung und das Fieberherbeigeführten Schwäche der Stimmbänder ihre Entstehungverdankt, analog der bekannten Beobachtung Traube's.Aus dem Feldzuge liegen 2 Fälle vor, welche andieser Stelle unterzubringen sind. In dem einen, welcherden Füsilier Brandt (I) betrifft, war offenbar eine materiellecentrale Erkrankung vorhanden, dafür sprachen die Läh-mungen der Extremitäten und die Epilepsie. Der andere(II) verdient dagegen vollkommen die Bezeichnung einerNeurose und kann als brauchbarer Beitrag für die Aetiologiedes Stotterns bei einem Erwachsenen verwerthet werden.

I. Schwerer Typhus. In der Rekonvaleszenz Epilepsiesowie Parese sämmtlieher Extremitäten und Verlust derSprache. Wiederkehr der Sprache, Besserung der Läh-muugserscheinungen in drei Extremitäten, während inder vierten Muskelkontrakturen und Atrophie eintritt.

Jakob Brandt, Füsilier der 12. Kompagnie PommersehenFüsilier-Regiments No. 34, erkrankte auf einem Gefangenen-

transporte und wurde am 27. November 1870 besinnungslos insLazareth zu Frankfurt a. M. gebracht. Nach den vorliegendenJournalblättern machte er hier einen sehr schweren Typhusmit langsamer Rekonvaleszenz durch. Am 28. Februar1871 erster epileptischer Anfall.

Ausserdem war eine lähmungsartige Schwäche aller vierExtremitäten zurückgeblieben, besonders des rechten Armesund des rechten Beines. Das letztgenannte Glied stand imKniegelenke durch Kontraktur der Beugemuskeln des Unter-schenkels in Flexionsstellung. Bei jedem passiven Extensions-versuche trat in Frankfurt a. M. ein neuer epileptischer An-fall ein.

Ein halbes Jahr später zeigten sich auch die Finger derHand welcher? leicht flektirt und Hessen sich aktiv nichtstrecken. Das rechte Knie war im spitzen Winkel gebeugt,die rechte Wade um 4 cm dünner als die linke. Pat. konnte nurmit Krücken gehen. Die Sprache, welche in den erstenzwei Monaten der Rekonvaleszenz verloren war, er-schien langsam und schwerfällig. Seit dem 15. Juli war einepileptischer Anfall nicht mehr beobachtet worden. Von einemsolchen ist auch aus den Jahren 1872 und 1873 in den Akteunichts erwähnt. Unverändert bestand im September 1873 dieKontraktur im rechten Kniegelenk, daneben eine Atrophie derganzen Extremität. Die Veränderungen an den oberen Glied-maassen waren aber rückgängig geworden.

II. Stottern nach Typhus.

Conrad Poth, Gardejäger des Grossherzoglich HessischenJäger-Bataillons No. 1, erkrankte Anfang Dezember 1870 inSt. Vienne am Typhus, wurde nach Orléans in das Grossherzog-lich Hessische 5. Feldlazareth gebracht und nach erfolgterHeilung am 30. Januar 1871 nach Brauweiler bei Cöln evakuirt,von dort nach Hause in Privatpflege entlassen. Am 10. Mai 1871zur Ersatz-Kompagnie nach Friedberg einberufen, musste derMann sofort wegen Störung der Sprache dem Lazareth über-wiesen werden, verblieb daselbst bis zum 17. Juni 1871, ge-brauchte dann eine vierwöchentliche Badekur zu Nauheim undfand am 19. Juli Aufnahme im Garnisonlazareth Darmstadt, dadas Uebel noch nicht beseitigt worden war. Die Untersuchungdes gesund und kräftig aussehenden Mannes ergab, dass derselbean einem hohen Grade von Stottern" litt, welches dasSprechen nur mit grösserem Zeitaufwand gestattete.

Bei einer späteren Untersuchung wurde der Fortbestanddes Stotterns in so bedeutendem Maasse konstatirt, dass P. sichnur sehr schwer verständlich machen konnte und seine Erwerbs-fähigkeit dadurch in hohem Grade beschränkt war.

Sanitäts-Bericht liber die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

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