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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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184
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Akkommodation auf beiden Augen normal. S. r. = */*, 1. = '/u-Excavat. papill. nerv, optic, sin. Sonst nichts Abnormes.

1884: F. ist kräftig gebaut, gut genäbrt und von gesundemAussehen. Er klagt über periodische linksseitige Kopfschmerzenund über Sehschwäche auf dem linken Auge. S. r. = 1, Emrne-tropie; 1. zählt er Finger auf 3 m ungenau, keine Verbesserungdurch Gläser. Pupillenreaktion beiderseits normal, keine Ab-normitäten des Augenhintergrundes links. Nystagmus perio-dicus in horizontaler Richtung beiderseits, stärker werdend aufdem linken Auge bei Konvergenzstellung.

II. Der Oberkanonier im Württembergischen Feld-Artil-lerie-Regiment Matthäus Pfeiffer litt nach einem im Feldeüberstandeuen T yph us an enormen linksseitigen Kopfschmerzen,welche im Hinterhaupte begannen, nach dem Nacken, der linkenSchulter bis in die Finger der linken Hand ausstrahlten. Erschielte, das linke obere Augenlid war halb herab-gefallen. Schulter und Arm befanden sich im Zustandder motorischenParese und waren gänzlich gefühllos.Professor Berlin fand Anfang März 1871 eine beiderseitigeEntzündung des Sehnerven mit Abnahme des centralenund peripheren Sehens. Der Kranke wurde mit Jod undStrychnin-injektionen behandelt. Darauf besserten sich die Lähmungs-erscheinungen etwas. Am 10. August 1871 konnte der Krankeauf einen Fuss Entfernung rechts No. Ill, links No. XIV derSnellen'schen Probebuchstaben lesen. Schlaflosigkeit, Kopf-schmerz, Schwindel und Schmerzen im linken Arm und Taubseinder linken Hand wichen nicht.

II. August 1874: Linksseitige Ptosis. Sehvermögen aufdem linken Auge fast aufgehoben, rechts gestört.

3. Mai 1875: Schwindelanfälle, neuralgische Schmerzen imHinterhaupt, Nacken und in den Armen. Fast völlige Erblin-dung links, rechts zunehmende Sehschwäche. Ptosis sinistra.Linke Papille blass, die Gefässverzweigungen der Retina deut-lich sichtbar. Paresis der linken Hand.

III. Heinrich Rudolph, Pionier der 2. Feld-Pionier-Kompagnie IV. Armeekorps, vorher ein körperlich gewandter,blühend aussehender Mann, erlitt im Feldzuge 1870 gegenFrankreich am 5. Oktober während der Cemirung vonParis durch Fallen beim Strauchhauen eine Verletzung desrechten Ellenbogens und wurde deswegen am 7. Oktober 1870in das 5. Feldlazareth IV. Armeekorps zu Eaubonne aufgenom-men. Mit dieser Verletzung war nach seiner Aussage eine Kon-tusion der rechten Hüfte verbunden. Aus jenem Lazareth wurdeer am 9. Oktober 1870 in das Württembergische FeldspitalNo. 6 übergeführt und hier anTyphus" behandelt. Von dortaus kam er am 30. Oktober ej. a. in das Reservelazareth zuKassel, woselbst er bis zum 21. November blieb. Nach zusammen44tägigerLazarethbehandlung wurde er alsdann zu der Ersatz-Kompagnie entlassen. Kranken-Journale existiren nicht. Nachseinem Wiedereintreffen bei der 2. Feld-Pionier-Kompagnie vorParis am 15. Januar 1871 war sein körperlicher Zustand einermatteter und schwächlicher, seine frühere geistige Regsamkeitvöllig geschwunden und eine auffallende Verstimmtheit be-merkbar. Mit Rücksicht darauf und auf die Beschwerden,welche ihm sein verletzter Arm noch verursachte, wurde er, umihm den Dienst möglichst zu erleichtern, als Bursche komman-dirt. Als solcher klagte er über Kopfschmerz, Schwindelgefühl,

Stechen in den Augen. Auffallend war sein schwerfälligesSprechen. Sein Herr hörte in einer Nacht aus dem nebenliegen-den Zimmer, in welchem R. schlief, wiederholt heftiges krampf-haftes Aechzen und Stöhnen. Auch nach der Entlassung ausdem aktiven Dienst befand sich der p. R. nicht in dem früherenguten Gesundheitszustand. Er arbeitete dann als Zimmermannvom Januar 1872 an gegen ein Tagelohn von 1 Thlr. 2 Sgr,und wurde erst im Jahre 1873 mit Arbeiten im bedeckten Räumebeschäftigt. Im Frühjahr 1874 verminderte sich seine Arbeit»fähigkeit so sehr, dass er nur noch 15 Sgr. täglich verdiente.Im April 1873. also ungefähr 1 Vi Jahre nach seiner Entlassung.bekam er einen Krampfanfall und verspürte seit dieser Zeitstärkere Schmerzen im rechten Auge. Die Krämpfe wieder-holten sich im August 1873 und um Ostern 1874 und sindseitdem ausgeblieben. Diese Anfälle bestanden darin, dass ihnplötzlich das Bewusstsein schwand, er zu Boden sank, dass ermit den Gliedmaassen zuckte und dann still lag, und dass nachdem Erwachen grosse Mattigkeit zurückblieb.

Am 4. Februar 1874 begab er sich in die Behandlung desDr. Busse in Magdeburg mit der Aussage, dass er in der ver-gangenen Nacht auf dem rechten Auge erblindet sei. Das linkeAuge (M '/i8J hatte an diesem Tage normale Sehschärfe. Dasrechte Auge erkannte die Finger in 3 Fuss bei hochgradigerkonzentrischer Gesichtsfeldbeschränkung. Am 6. März 1874waren laut Attest des Dr. Busse rechterseits ausser leichtenOedem der Augenlider folgende Erscheinungen vorhanden:Trübung und Schwellung des Sehnervenkopfes, Verwaschenheitseiner Grenzen, Trübung und Streifuug der angrenzenden Netz-hautpartien, Ueberfüllung der Venen. Das linke Auge war ge-sund. Derselbe Zustand wurde bei der Untersuchung währenddes Ersatzgeschäfts durch den Stabsarzt Dr. Schneider ani8. Mai 1874 vorgefunden: Erblindung des rechten Auges.normale Sehkraft des linken. Bald erkrankte jedoch auch da:linke Auge; denn schon am 11. September 1874 attestirte Dr.Niemann,dass dasselbe nur noch mühsam hell und dunkelzu unterscheiden vermöge, während auf dem rechten eine nichterhebliche Besserung insofern sich bemerkbar machte, dassZählen von Fingern in Entfernung von 4 Fuss möglich war".

Befund vom 14. Januar 1875:Der Sehnervenkopf ist inbeiden Augen blendend weiss und flach; die Centralgei'ässe sindin ihrem Durchmesser bedeutend verkleinert, die feineren Ver-zweigungen derselben im Bereiche des Sehnervenkopfes ganzgeschwunden. Das Sehvermögen des rechten Auges geht nurunerheblich über das Unterscheiden von hell und dunkel hin-aus; denn er kann Finger nur sehr mühsam und unsicher ngrösster Nähe erkennen. Das linke Auge ist auf Empfind«von hellem Licht beschränkt. Es ist also Erblindung heiderAugen, auf Atrophie (Schwund) des Sehnerven beruhend, vor-handen. Lähmungserscheinungen, insbesondere im Bereiche deranderen Gehirnnerven, sind nicht vorhanden."

Am 7. Oktober 1875 fand sich neben dem Augenleide!völliger Verlust des Geruchs und Geschmackes vor. ImZeitpunkt des Beginnes dieser Erscheinung konnte R. nicht an-geben, weil sie sich unmerklich und sehr allmälig entwickelthabe ; doch glaubte er, dass der Begiun mit dem Erblinden un-gefähr zusammenfalle. Auf Grund dieses Symptomenkoinple*wurde nun die Diagnose auf einen Kr ankheitsprozess uder Schädelhöhle, wahrscheinlich an der Basis, gestellt