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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

I. Abschnitt: Nervöse Naehkrankheiten des Abdominaltyphus.

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IY. Sehstörungen

als Ausdruck einer reinen Anästhesie der Retina oder inVerbindung mit anderen Sensibilitätsstörungen scheinen heiden Typhusrekonvaleszenten des Krieges hier und da beob-achtet zu sein, sind aber nicht ausführlicher beschriebenworden. Ihres kurzen Bestandes wegen konnten sie kaumden Grund der Invalidität abgeben. Nur in einem Falleentwickelte sich, wahrscheinlich auf der Basis der imGenesungsstadium aufgetretenen Amblyopie, doppelseitigerNystagmus. Derselbe wurde im Dezember 1871, nachdemdie Schwachsichtigkeit schon ein Jahr lang bestanden hatte,nachgewiesen. Um diese Zeit betrug bei fehlerfreier Re-fraktion und Akkommodation und bei negativem Augen-spiegelbefunde die Sehschärfe R '/4, L 1 /n. Die oscillato-rischen Bewegungen der Bulbi in horizontaler Richtungwaren auch 1884 beiderseits noch vorhanden. Dabei hatteder Invalide aber rechts volle Sehschärfe. In der Statistik1865/66 erwähnt auch Mooren einer Amblyopie nachTyphus auf beiden Augen.

Ueber Beeinträchtigung des Sehvermögens als Folgeentzündlicher Abänderungen der Kornea, wie solche Adlerim Anschluss des Typhus häufig sah, enthalten die Feld-zugsberichte gar nichts.

Transitorische Amaurosen, welche schon währendder akuten typhösen Erkrankung entstanden, aber auchnoch in der Genesungsperiode eine Zeit lang fortdauerten,analog der Beobachtung Freinineau's, sind ebenfalls nichtverzeichnet. Etwas zweifelhaft ist ein in dem dienstlichenMonats-Rapporte mit einigen Worten angedeuteter FallRohden's. Hier ging die Erblindung eines typhuskrankenSoldaten mit einer Ptosis einher. Da der Spiegelbefundein negativer war, so vermuthete Rhoden als Grund derAugenerkrankung ein centrales Exsudat. Leider fehlt überdas Verhalten der Pupille und den weiteren Verlauf desFalles jede Angabe.

Dauernde Amaurosen nach Typhus gehören nichtgerade zu den Seltenheiten. Carrón du Villar ds be-richtet, dass der Typhus, welcher 1817 in Italien wüthete,eine grosse Anzahl von Erblindungen verursachte. (Jäger.)Landesberg zählte unter 580 Blinden 2 nach Typhus.»Wahrscheinlich sind", sagt Jäger,diese dauernden Amau-rosen stets auf Sehnervenatrophie zu beziehen, doch isthierbei nicht zu vergessen, dass letztere ein sehr verschie-denen lokalen Prozessen gemeinsamer Endausgang seinkann." Nach der Entdeckung des Augenspiegels haben sichjedenfalls die positiven Befunde vermehrt. Die 488. Beobach-tung in Benedict's Elektrotherapie handelt von einerhuksseitigen Hemiplegie mit rechtsseitiger Sehnervenatrophie

nach Typhus. Auch Bouchut, Teale, Mooren bereicher-ten durch Mittheilung einzelner Fälle die Litteratur desGegenstandes.

Die Deutung der isolirten posttyphösen Erkrankungdes Sehnerven, welche von den letztgenannten Autorenbesonders betont wird, stösst bei dem Mangel allerSektionen auf grosse Schwierigkeiten. Am nächsten liegtihr Zusammenhang mit denjenigen Gehirnaffektionen, welchein wechselnder Häufigkeit, im Ganzen aber nur selten, dentyphösen Prozess kompliziren oder ihm folgen, mit Menin-gitis, Meningealapoplexie, Hirnhämorrhagie. Deshalb drücktsich auch Mooren so aus:Nach allen Schädlichkeitsein-wirkungen, welche das Gehirn treffen, kann eine progres-sive Sehnervenatrophie eintreten; ich sah ihre Entwicke-lung ebensowohl nach Typhus oder Insolation, wie nacheinem Fall oder Schlag auf den Kopf." Arlt ist geneigt,sie mit der Erschöpfung und Entkräftigung in Verbindungzu bringen. Nothnagel überträgt die von Buhl undOertel für die diphtherische Lähmung gewonnenen That-sachen auch auf die typhösen Amaurosen, wenn sie sich inder Rekonvaleszenz ohne eine Spur sonstiger cerebralerLähmungen gradatim entwickeln. Er sagt:Es liegt indiesen Fällen die Frage mit Recht nahe, ob nicht dieAtrophie des Optikus in Parallele zu stellen sei mit denmotorischen Paralysen, und ihre Ursache in einer allmäligenKompression des Optikusstammes durch Bindegewebswuche-rung und nachträgliche Retraktion des neugebildeten Binde-gewebes zu suchen sei."

Unterstützende Beispiele für diese Hypothese Noth-nagel' s sind aus dem Feldzuge nicht aufzufinden. DieNeuroretinitis, welche Berlin bei dem Kranken Pfeiffer(II) nachwies, war offenbar von einem intrakraniellenProzesse abhängig. Sehnervenatrophie, Verlust des Geruchsund Geschmacks, dazu Epilepsie, deuteten auch bei Ru-dolph (III) auf ein basales Leiden.

¡. Carl Friedrich Wilhelm Fritsch, Sergeant im 6. West-fälischen Infanterie-Regiment No. 55.

September 1870: Typhus. Nach der Beschreibung desMannes war die Krankheit eine überaus schwere, ausge-zeichnet durch langes, hohes Fieber und schwereCerebralsymptome.

Der Rekonvaleszent verspürte eine ziemlich rasch zu-nehmende Abnahme der Sehkraft auf beiden Augen undbegab sich im Dezember 1870 in eine Augenklinik zu Berlin,in welcher er sechs Wochen erfolglos behandelt wurde.

19. Dezember 1871: Nystagmus auf beiden Augen. LinksAbnahme des excentrischen Sehens nach allen Richtungen,rechts nur in geringem Maasse nach aussen. Refraktion und