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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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VI. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems nach akuten Infektionskrankheiten.

Bund TU.

drei sind reine Neuralgien. Von den übrig bleibendenacht Fällen verbanden sich drei ziemlich rasch mit ge-ringer Muskelatrophie. Es ist damit der neuritische Cha-rakter der Ischias zwar noch nicht strikte bewiesen, aberdoch nahe gelegt. Nach Landouzy soll allerdings derAtrophie bei Ischias immer eine materielle. Läsion desNerven meist eine Neuritis zu Grunde liegen.Andere Autoren behaupten jedoch, dass auch von vorn-herein die trophischen Fasern an der neuralgischen Er-krankung Theil nehmen können, und Nothnagel suchtfür die Atrophie rein vasomotorische Vorgänge verant-wortlich zu machen. Fünfmal wurde der linke, viermalder rechte nerv, ischiadicus affizirt. Unter einer elektri-schen Behandlung heilten zwei Patienten Nothnagel's,der dritte besserte sich, Gruehn (1), Schulz (II) undPassenheim (XI) genasen gleichfalls, der letzte innerhalb9 Monaten, die beiden ersten binnen Jahr und Tag, Wach-ner's (V) Zustand gestaltete sich allmälig günstiger, da-gegen hatte Keller (X) im Jahre 1872, Redlin (111) nochim Jahre 1877 und Lipps (IV) sogar noch im Jahre 1880über Schmerzen im Verlaufe des Hüftnerven zu klagen;alle drei zeigten gleichzeitig deutliche, wenn auch un-bedeutende Ernährungsstörungen der befallenen Unter-extremität. Als ein Beweis für den Fortbestand der Neu-ralgie kann diese Atrophie freilich nicht gelten, denn selbstdann, wenn die subjektiven Beschwerden erkünstelt waren,die objektiv nachgewiesenen Umfangsdiflerenzen hättenals Ueberbleibsel einer längeren Gebrauchsunthätigkeitwährend der Neuralgie dennoch eine ausreichende Erklärunggefunden.

Aus den Andeutungen der Lazarethberichte geht hervor,dass posttyphöse Neuralgien in den Beinen und hier vor-züglich im lschiadicusgebiete während und nach dem Kriegesehr oft die ärztliche Aufmerksamkeit auf sich gezogenhaben. Doch sind die Beobachtungen fast immer nursummarisch abgehandelt. Einen dem fünften analogen Fall,welcher einen Grenadier vom 1. Schlesischen Grenadier-Regiment No. 10 betraf, hat Nothnagel seiner Aehnlich-keit wegen nicht ausführlicher mitgetheilt. Im Reserve-lazareth zu Schivelbein lag der Wehrmann Nitschke alsTyphusrekonvaleszent über einen Monat lang an Ischiaskrank, ehe er geheilt wurde. Der Husar Carl Holg, welcherim November 1870 bei Chartres vongastrischem Fieber"ergriffen wurde und nach Ablauf desselben rechtsseitigesHüftweh bekam, war im März 1S71 noch nicht gesund.

Da über den

Einfluss eines interkurrenten Typhus auf schon

bestehende Nervenerkrankungennur spärliche Beobachtungen aus dem Feldzuge vorliegenund diese, soweit sie durch Uebersichtlichkeit hier Verwen-dung linden können, ausschliesslich auf die durch das Hin-zutreten eines Typhus herbeigeführten Modifikationen imepileptischen Krankheitsbilde und bei Neuralgien Bezug

nehmen, so werden sie diesem Abschnitte angehängt. Vor-her mag noch erwähnt werden, dass in den Lazarcthakiuaphoristisch zweier Fälle gedacht ist, in welchen sich zueiner nach Erkältung entstandenen und mit heftigenSchmerzen in bestimmten Nervengebieten einhergehend«Armlähmung ein Ileotyphus gesellte. Im Laufe derneuen und schweren Erkrankung waren Lähmung undSchmerzen verschwunden. Mit Eintritt der Rekonvaleszenztraten aber die nervösen Erscheinungen von Neuem auf.Einer der Kranken wird als Grenadier Carl FriediklBeck vom Königl. Sächsischen Leib-Grenadier-KegimentNo. 100 namhaft gemacht.

Der ersten von Jungbluth aus dem Reservelazamlizu Aachen stammenden Mittheilung über die durch eineninterkurrenten Typhus hervorgerufenen Veränderungen einerKausalgie nach Schussverletzung schliessen sich drei Kran-kengeschichten aus den Invalidenakten an. In einem daweiter unten angeführten Fälle von Tabes nach Typhiiiwar die primäre Krankheit zweifelhaft, so dass er Mernicht berücksichtigt werden konnte.

XII. Eine Kugel hatte die Weichtheile des unteren Drittheilsdes Oberschenkels seitlieh und etwas nach hinten durchbohrt.Die Wunde erschien vollkommen geheilt. Offenbar war abeider n. tibialis verletzt. Die vom Augenblicke der Verletzungan bestehenden heftigen Schmerzen an der Aussenseite desSchienbeins und in der Fusssohle erreichten die höchsten Grade,Da wurde der Verwundete vom Typhus befallen. Währendder ganzen Dauer der Krankheit waren die neuralgischenSchmerzen verschwunden. Als das Fieber aber aufhörte, kehrtedas alte Leiden zurück und erreichte in einigen Tagen diefrühere unerträgliche Höhe. Chinin, Morphium, Veratrin undBäder blieben erfolglos, daher nahm man zur Elektrizität seineZuflucht. Die zunächst während des Gebrauches des Induktions-apparates vermehrten Schmerzen wurden hierdurch allmäligabgestumpft.

XIII. August Schloefke, Musketier im 8. Branden-burgischen Infanterie - Kegiment No. 64 (Prinz Friedrich Karlvon Preussen), klagte nach einer Durchnässung am 7. September1870über Schmerzen in der rechtenHinterbacke,nament-lich beim Aufsetzen des bezüglichen Fusses auf den Boden. Druckauf den n. ischiadicus war empfindlich und die Funktions-fähigkeit der ganzen Unterextremität beträchtlich herabgesetzt.Im Lazareth zu Lippoldsburg wurde er an Typhus (gastrisch-nervösem Fieber) krank und daran vom 1. Oktober bis 29. De-zember 1870 behandelt. Während dieser Periode trat dieIschias ganz in den Hintergrund. Aber in der Rekon-valeszenz des Typhus begannen die alten Klagen von Neu»Es machte sich auch eine geringe Atrophie des rechten Beine!bemerklich. Doch trat später entschiedene Besserung ein, s«dass im Jahre 1875 von einer Beeinträchtigung der Erwerb-fähigkeit nicht mehr die Rede sein konnte.

XIV. HeinriehHenze, Pionier im Hannoverschen Pionier-Bataillon No. 10, bekam als 25jähriger, vorher rüstiger, ge-sunder und von Geburt aus nicht belasteter Mann hei denanstrengenden Brückendienste während der Cernirung von MeliKrampfanfälle mit Bewusstlosigkeit, nach welchen ermehrmals halbe Tage lang unbesinnlich im Bette verbringetrnusste. Die epileptischen Zufälle befielen ihn in der Folgezwar selten, waren aber von langer Dauer und grosser Heftig-