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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VN.

I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyphus.

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keit. Seit Mai 1872 kehrten sie nur andeutungsweise wiederals Kopfschmerzen und leichte Zuckungen in den Extremitätenohne Verlust des Bewusstseins. Am 9. Juni 1873 zur Fest-stellung seines Leidens ins üarnisonlazareth Einbeck auf-genommen, erkrankte H. daselbst an einemschweren Ab-dominaltyphus". In der Rekonvaleszenz suchte ihn nunwieder ein ausgesprochener epileptischer Insult heim, dem baldmehrere ärztlich konstatirte gleiche Anfälle folgten. Oberstabs-arzt Hübener fand den Kranken im Jahre 1876von blödem,htupideni Aussehen" und erklärte ihn für dauernd gänzlicherwerbsunfähig.

XV. Hermann Gesterkamp, geboren am 1. Januar1S4"), wurde als Musketier des 1. Westfälischen Infanterie-Regiments No. 13, nachdem er sich vordem ganz wohl gefühlthatte, am 30. September 1870 auf Feldwache vor Metz plötz-lich von epileptischen Krämpfen heimgesucht. Man eva-kuirte ihn ins Vereinslazareth zu Ahaus, RegierungsbezirkMünster. Hier erkrankte er an Typhus. Während desAhlaufs dieses Leidens war G. von der Epilepsie frei.In der Rekonvaleszenz traten die Krämpfe aber von Neuemauf und wurden von den barmherzigen Schwestern, die ihnpflegten, beobachtet. In die Heimath beurlaubt, nahm, wie dieamtlichen Recherchen bestätigten, die Zahl der Anfälle, welche

sich um diese Zeit ausschliesslich Nachts einstellten, rasch zu.Später blieb G. auch bei Tage nicht verschont. Im Jahre 1876wurde die fortbestehende Epilepsie durch ärztliche Wahr-nehmung im Gamisonlazareth zu Münster nachgewiesen undder Invalide für dauernd grösstentheils erwerbsunfähig erklärt.

Einzelne Andeutungen in der Litteratur wachen eswahrscheinlich, dass positive Erkrankungen des Central-nervensysterns ausschliesslich geistiger Störungen meist inungünstigem Sinne durch die akuten Infektionskrankheitenumgestaltet werden, doch hat Erb in einem relativ leichtenFalle von chronischer Myelitis durch einen Typhus und ineinem zweiten ähnlichen Falle durch einen Scharlach einegünstige Veränderung des Nervenleidens gesehen. Ueberdie heilsame Einwirkung akuter Infektionskrankheiten aufmotorische Neurosen berichtet neuerdings S. Rybalkinin zwei Fällen. In dem ersten verschwanden nach einerGesichtsrose die Erscheinungen einer Tetanie, in demzweiten nach einer fibrinösen Pneumonie die Symptome desVeitstanzes.

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III. Anästhesien.

Unter den paralytischen Erscheinungen ist die ge-wöhnlichste und bei genauerer Nachfrage gar nicht selteneeine Taubheit einzelner Hautstellen, meistens an den un-teren Extremitäten, welche nach einigen Wochen oderMonaten wieder schwindet, in einzelnen Fällen permanentbleibt und, wie ich gesehen habe, im Laufe der Zeit nochallmälig zunimmt; auch die Hände können der Empfindungverlustig gehen." So drückt sich Griesinger bezüglichder Anästhesie als Nachkrankheit des Typhus aus. Vondieser bestimmten Behauptung haben die Autoren bis jetztwenig Notiz genommen. In den neuesten Lehrbüchern ge-Bchieht derselben kaum Erwähnung. Die Ursache hierfürliegt wohl, wie Nothnagel schon 1872 erklärte, in demMangel aller systematischen Prüfungen der Sensibilitäts-verhältnisse bei den Typhusrekonvaleszenten. Rosenthalbeschränkt sich auf die Bemerkung, dassdie mehr oderweniger ausgebreitete Anästhesie oft eine ziemlich hart-näckige, zumeist der Rekonvaleszenz angehörige Erschei-nung ist. Er gedenkt in seinem Lehrbuche nur einerAnästhesie des linken Medianus mit rechtsseitiger Mydriasis,Akkommodationsabnahme und Verlust des Hörvermögens aufdem rechten Ohre. Eulenburg hat sie wiederholt imGebiete des Medianus und Ulnaris angetroffen. Bäumler'andin der vorgerückten Rekonvaleszenz eines Typhuseme völlige Uliempfindlichkeit der Haut an der Vorder-

fiäche des rechten Oberschenkels bis unter die Patella,also im Bereiche des n. cutaueus fem. med. et anter. extern.Als Patient 2'/s Monate nach seinem Austritt aus demHospital wieder ambulatorisch sich vorstellte, war dieSeiisibilitätsstörung vollständig, so dass Nadelstiche undein mittelst des elektrischen Pinsels auf die Haut applizirterkräftiger Strom gar nicht gefühlt werden." Von sonstigenKlinikern, welche auf die in Frage kommende AffektionRücksicht genommen haben, werden durch Nothnagelnoch Rayer, Beau, Duchenne und Gubler namhaftgemacht. Nothnagel selbst erklärt, dass auch ihm inden wenigen Fällen, in denen er 1872 Sensibilitätsprüfungenvorgenommen, cirkumskripte Anästhesien vorgekommenseien,so z. B. in einem Falle eine ganz begrenzte Zoneverminderter Empfindlichkeitgegen Tast- und Temperatur-eindrücke an der äusseren Vorderseite des linken Ober-schenkels bei einem Typhusrekonvaleszenten, der sonstgar keine Abnormität darbot".

Aus dem Kriege sind im Uebrigen die Mittheilungenüber Anästhesien in der Genesungsperiode des Ileotyphussehr spärlich. Birckner wurde in den Reservelazarethenzu Potsdam auf dieselben aufmerksam, v. Krafft-Ebingsah eine genau auf den Bereich des m. rectus femorisdext. beschränkte Analgesie mit Anästhesie bei einemRekonvaleszenten von sehr schwerer Krankheit während