Band VIT.
I. Abschnitt: Nervöse Nachkraiikheiten des Abdominaltyphus.
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über Schmerzen an der Hinterfläche des rechten Oberschenkelsund am Gesäss zu klagen, konnte sich nur mühsam und unterSchmerzen auf dem rechten Beine fortbewegen und kam wegenfortdauernder Appetitlosigkeit nicht zu Kräften. Druck auf dennerv, ischiad. dext. vermehrte den Schmerz. Die Muskulaturan der hintern Seite des Oberschenkels erschien deutlich ab-geflacht.
Umfang des rechten Beines 1874 um 1 cm, 1875,1876 und1877 um 2 cm geringer als links. Fortbestehen der Klagen überSchmerzen im Verlaufe des Hüftnerven.
IV. Ernst Lipps, Gefreiter im 4. Badischen Infanterie-Regiment, machte im Lazareth zu Dole vom 15. Januar 1871bis 26. März 1871 einen schweren Typhus durch. Alser vom Militär entlassen wurde, — es war im Juni 1871, —bestand eine linksseitige Ischias, welche sich im Rekonva-leszenzstadium des Typhus ausgebildet hatte. Das Nerven-leiden wurde nicht geheilt. Im Jahre 1880 offenbarte es sichdurch Schmerzen im Verlauf des Hüftnerven und durch geringeAbmagerung des linken Beines.
V. Carl Wachner, Wehrmann im Westpreussischen kom-binirten Landwehr-Regiment, war im Oktober 1870 vor Metzan Typhus erkrankt und im Lazareth Hagondange behandeltworden. Am 15. November klagte er zum ersten Male überziehende Schmerzen in den Unterextremitäten. In Dietz,Görlitz und Breslau, wohin der Kranke der Reihe nach über-geführt wurde, dauerten diese Beschwerden an. In Görlitz litter ausserdem an chronischer Diarrhöe und an periodischerHarnverhaltung. Anfangs 1871 beschränkten sich die Schmerzenfast ausschliesslich auf das rechte Bein. Patient konnte nuran Krücken gehen und zog den rechten Fuss nach. Druckauf die processus spinosi der Lendenwirbel und den Verlaufdes rechten nerv, ischiadicus schmerzhaft. Behandlung mitdem konstanten Strom in der Dauer von 8 Wochen führte ge-ringe Besserung herbei.
Im Oktober 1872 fand sich Harnverhaltung und eine ge-ringe Parese des linken Beines ohne trophische Störungen.
Patient wurde tuberkulös und starb am 13. August 1875.
VI. L., von einem Garde-Regiment, erkrankte Mitte März1871 am Typhus und wurde bis in den April an demselbenbehandelt. In der Rekonvaleszenz, als er schon aufstand,fanden sich reissende Schmerzen im linken Bein, die, amheftigsten in der Umgegend des Knies, der Bahn des Peroneusfolgend bis zum Fuss hin ausstrahlen, in geringerer Intensitätdem Laufe des Ischiadicus folgend nach oben ziehen. EndeMai stellten sich die analogen Schmerzen, aber in wesentlichgeringerer Intensität, auch im rechten Bein ein. Objektivesichtbare Veränderungen und Motilitätsstörungen fehlen gänz-lich, nur ist die Sensibilität an beiden Beinen, namentlich amlinken, vermindert.
Konstanter Strom stab, ad loc. äff. — Patient wurde AnfangAugust nach sechswöchentlicher Behandlung geheilt entlassen.(Nach Nothnagel.)
VII. Carl Herlo, 29 Jahre alt, vom 4. OstpreussischenGrenadier - Regiment No. 5, früher stets gesund, erkrankte imSeptember 1870 am Ileotyphus. In der Rekonvaleszenzlanden sich, ohne dass er irgendwie sich einer Schädlichkeit aus-setzte oder sonst eine Ursache anzugeben weiss, Schmerzen,die sich von der Lendenwirbelsäule aus bis zur linken Hüft-gegend erstreckten und alsbald auch in die linke Unterbauch-gegend ausstrahlten. Eine sichtbare Veränderung bestand niein dieser Gegend. Die Schmerzen blieben so in massiger Heftig-keit bis zum April 1871 und steigerten sich dann, als Patientanfing zu arbeiten.
Anfang Juni klagte Patient über stechende Schmerzen inder genannten Region. Dieselben sind fast stets vorhanden, mitparoxysmenweisen Exazerbationen. Bewegungen vermehrensie nicht, starker Druck verminderte sie sogar. Die entspre-chenden Valleix'schen Druckpunkte sind vorhanden. ImBereich der schmerzhaften, halbgürtelförmigen Zone findet sicheine massige, aber entschieden ausgesprochene Abnahme derHautsensibilität. Die objektive Untersuchung ergiebt sonstnur noch, dass die unteren Lendenwirbel auf Druck etwasschmerzhaft sind. Konst. Str. + auf die unteren Lendenwirbel,— auf die Unterbauchgegend, stab. Die Schmerzen schwandennach circa 6 Wochen. (Nach Nothnagel.)
VIII. F., vom 2. Niederschlesischen Landwehr-RegimentNo. 47, wurde von Mitte März bis Mitte Mai 1871 an einemschweren Typhus behandelt. In der Rekonvaleszenz,während er noch lag, stellten sich die noch jetzt (Mitte Juni 1871)vorhandenen Schmerzen ein, die schnell die jetzige Höheerreichten und immer denselben Charakter besassen. Als Sitzderselben bezeichnet Patient ziemlich genau die Bahn des linkennerv, cruralis. Die Schmerzen sind fast stets in massigerIntensität vorhanden, steigern sich bei Bewegungen. Danebenbesteht an der Vorderseite des Oberschenkels ein subjektivesGefühl von Erstarrung. Objektiv ist im ganzen Bereich eineerhebliche Abnahme der Sensibilität der Haut zu konstatiren.
Const. Str. stab, und lab. ad loc. äff. Entschiedene Bes-serung. (Nach Nothnagel.)
IX. Heinrich Propp, 28 Jahre alt, Grenadier im3. Garde-Grenadier-Regiment Königin Elisabeth, erkrankte am7.Oktober 1870 an Typhus. In der Rekonvaleszenz traten,während Patient noch zu Bette lag, heftige Schmerzen imKreuz und im rechten Beine auf, Tag und Nacht dauerndund bei Bewegungen exazerbirend. Berger fand die Lenden-und Kreuzwirbel druckschmerzhaft, ebenso den Ischiadicus,Peroneus und Tibialis. Bewegungen im Hüftgelenk sehrschmerzhaft.
X. Karl Keller, geboren am 7. Februar 1839, war beiBeginn des Krieges Feldwebel im 2.WürttembergischenInfanterie-Regiment No. 120. Am 3. Dezember 1870 erkrankte er zuVilliers an „gastrischem Fieber" und klagte seit der Ge-nesung über rheumatische Schmerzen an der hinteren Seitedes rechten Oberschenkels, der äusseren und hinteren Waden-partie, dem äusseren Knöchel und Fussrand und dem Rückendes rechten Fusses. Im Jahre 1872 zeigte sich Druckempfindlich-keit im Verlauf des Hüftnerven, Abmagerung und verminderteEmpfindlichkeit des Beines, trotzdem gegen das Leiden äusser-lich Vesikatoren , Jodpinselungen , narkotische Einreibungen,warme Bäder, innerlich Chinin, Morphium, Ol. Terebinthinae,Colchicum etc. in Anwendung gezogen waren.
XI. Daniel Passenheim, Gefreiter im OstpreussischenFüsilier-Regiment No. 33, machte im September 1870 in Frank-reich einen Typhus durch. Im Oktober klagte er als Rekon-valeszent über reissende Schmerzen, welche vom Kreuzlängs der hinteren Fläche des linken Obersehenkels bis zur Fersesich hinzogen. Schmerzpunkte. Eine Reihe von örtlichen undallgemeinen Mitteln hatte keine Wirkung. Noch im März 1871bestanden die Klagen fort. Jetzt trat Besserung ein, und konntePatient am 21. Juni als geheilt aus dem Lazareth entlassenwerden.
Drei Krankengeschichten sind der Nothnagel'schenAbhandlung entliehen. Eine unter ihnen wurde zugleichin dem Berger'sehen Manuskripte vorgefunden. Alle
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