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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VU.

I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyphus.

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Beite eine mit hämorrhagischem Material erfüllte Höhleyon etwas mehr als Erbsengrösse, welche etwa dennittleren Theil des Querschnittes des corpus restiformeannimmt, nach hinten bis an die Kernregion, nachRussen bis an die Quintuswurzel heranreicht." Denklinischen Symptomenkomplex konnte der anatomischeBefund aber nur zum Theil erklären. Im 5. FeldlazarethI. Armeekorps wurde am 26. Dezember 1870 zu Versailleslie Obduktion eines Mannes ausgeführt, welcher 4 Tageuvor mit einer vollkommenen motorischen und fast voll-kommenen sensiblen Lähmung sämmtlicher ExtremitätenLufgenominen und an Zwerchfellslähmung gestorben war.ergab sich ein Ileotyphus im ersten Stadium undeineeröse Durchtränkung der Rückenmarkshöhle", (?) oder,|rie es an einer andern Stelle heisst,eine Erweiterungdes Centralkanals". Schliesslich darf an dieser Stelle auchlie, obwohl, streng genommen, nicht hierher gehörige,körnige und wachsartige Muskelentartung berührt werden,kumal diese Degeneration manchen Typhus-Paralysen einenrein myopathischen Charakter zu verleihen im Stande ist.

Man ist gewöhnt, die für die Lähmungen nach anderenuten Krankheiten gewonnenen Befunde auch als Unter-e für die Typhuslähmungen zu betrachten. Sie könnenáher nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Zu-ächst hatten Charcot und Vulpian 1861 eine Ver-.nderung der Nerven im Gaumen bei Diphtherie gefunden.Isdann verdanken wir Buhl die Beschreibung eines Falleson Diphtherie, wo die Rückenmarksnerven an der Ver-¡inigungsstelle der vorderen und hinteren Wurzeln verdickt,it Hämorrhagien versehen und die Nervenscheiden, hierd da auch ihre zwischen die Nervenfaserbündel undanglienzellen der sensiblen Wurzeln fortgesetzten Binde-ewebszüge mit lymphoiden Kernen und Zellen durchsetztaren. Oer tel hält es für nicht unwahrscheinlich, dasserartige Infiltrate auch im weiteren peripherischen Ver-pf der Nerven vorhanden sind. Er selbst fand bei der-lben Krankheit Blutungen in den Hirn- und Rückenmarks-auten, Kerninfiltration hier, in den Nervenscheiden und iner grauen Substanz der medulla spinalis. Pierret kon-itatirte bei Diphtherie Perineuritis der Spinalwurzeln durcherninfiltration zwischen den Nervenfasern. Déjcrineschrieb bei derselben Affektion eine Degeneration der'orderen Wurzeln bis in die kleineren Muskelstämmchenunein, welche er als trophische Degeneration, abhängig

von einer Erkrankung der grauen Substanz und ihrerGanglienzellen, aber nicht als einen neuritischen Prozessbetrachtet. Lewisson und Westphal konstatirten beiPockenlähmung eine Myelitis disseminata, Obermeier inzwei Fällen Körnchenzellen im Rückenmark, Wagnereinen encephalitischen Herd, einige Male auch flache Blut-ergüsse in der Adventitia der peripherischen Nerven. Ley denfand bei der anatomischen Untersuchung des Nervensystemsin einem Falle von Pockenlähmung eineMyelitis im Brust-theile, vornehmlich auf die Partien der Hinterstränge be-schränkt, von hier sich um die Peripherie herumziehend.Nach oben schloss sich die aufsteigende, nach unten dieabsteigende Degeneration an. Die Muskeln zeigten ex-quisite Myositis mit Atrophie." Als Grund einer anderenPockenlähmung erkannte derselbe Autor eine reine Scle-rosis disseminata spinalis mit vorherrschender Betheiligungder vorderen weissen Partien des Rückenmarks. Im Jahre1874 machte Bernhardt Mittheilung von einer Radialis-lähmung nach exanthematischem Typhus. Bei derSektion zeigte sich der Stamm des n. radialis von der Achsel-höhle bis zur Umschlagsstelle normal, an der Umschlagsstellein einer Ausdehnung von 2 bis 3 cm geschwollen, starkdurchfeuchtet, grauviolett. Mikroskopisch waren von dieserStelle nach abwärts bis in die feinsten Zweige fast keineregelrechten Nervenfasern zu sehen, sondern statt ihrerlanggestreckte Züge von Körnchenhaufen, in breiten, binde-gewebigen Bändern liegend, und in denselben hier und daNervenmarkreste in Tropfenform. Die Muskeln erschienenäusserst reich an Kernen, sonst so gut wie normal. Schliess-lich hatte F. C. Müller Gelegenheit, die anatomisch-histo-logische Untersuchung eines Falles von weit verbreiteterLähmung nach subakutem Gelenkrheumatismus vor-zunehmen. In den kleinen intramuskulären Nerven-ästen sah manüberall Anhäufungen grosser Fett- undKörnchenkugeln, körnigen Zerfall des Marks, Fasern, diein einfache körnchenkugelhaltige Schwann'sche Scheidenumgewandelt waren, atrophische lineare Faserstränge, kurz,die höchsten Grade der bekannten parenchymatösenDegeneration. In den grösseren Nervenstämmen wareine deutliche Abnahme dieser Erscheinungen auffallend.Die spinalen Wurzeln, sowie das Rückenmark und diemedulla oblongata intakt". Hiermit ist die pathologischeAnatomie des fraglichen Gegenstandes so ziemlich erschöpft;von den Befunden bei Dysenterie ist später die Rede(2. Abschnitt dieses Kapitels).

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