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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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VI. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems nach akuten Infektionskrankheiten.

Band

vorbereiteten und erkennbaren nervösen Veränderungen un-berücksichtigt lassen. Dieser Grundsatz ist im Allgemeinenauch hier vertreten. Indessen durften diejenigen im Laufeder Krankheit selbst einsetzenden nervösen Komplikationen,welche wegen ihrer klinischen Uebereinstimmung auch diegleiche anatomische Grundlage mit den in der Genesungs-periode auftretenden Nervenkrankheiten voraussetzen lassen,nicht ganz mit Stillschweigen übergangen werden. Zudem istnicht zu vergessen, dass selbst die sorgsamste Untersuchungeines Typhuskranken für die Diagnose einer gleichzeitig be-stehenden Nervenerkrankung mancherlei unüberwindlicheSchwierigkeiten bietet und dass die in den ersten Tagen derEekonvaleszenz 1 ) beobachteten Anästhesien, Hyperästhesienund Neuralgien recht wohl älteren Datums sein können.Die Genesungsperiode selbst ist eine individuell verschie-dene. Sie kann sich bei dem Einen über Monate erstreckenund erreicht bei einem Andern nach wenigen Wochen einEnde. Nach dem abgelaufenen Fieber beginnt sie undschliesst mit der Rückkehr eines gewissen Maasses körper-licher und geistiger Leistungsfähigkeit. Möglich, ja wahr-scheinlich ist es, dass durch den typhösen Prozess alssolchen im Centralnervensystem bleibende Strukturverände-rungen gesetzt werden können, welche häufig erst nachJahren unter dem Zutritt neuer Schädlichkeiten die Tätig-keiten des Hirns und Rückenmarks in sichtbarer Weisebeeinträchtigen. Aber von der Möglichkeit zur Gewissheitist der Weg weit. Aus diesem Grunde ist hier von allendenjenigen Erkrankungen des Nervensystems Abstand ge-nommen, deren Anfangsstadien durch einen längerenZwischenraum relativer Gesundheit und Leistungsfähigkeitvon dem Ende des Typhus geschieden waren.

Schliesslich sei ausdrücklich hervorgehoben, dass dienicht immer folgerichtige Gliederung des nachstehendenAbschnittes ihren Grund darin hat, dass das Bemühen alsaussichtslos aufgegeben werden musste, das Material inseiner vorliegenden Gestalt nach einheitlichen Gesichts-punkten völlig befriedigend zu ordnen.

Pathologisch -Anatomisches.

Anatomische Untersuchungen mit positivem Befundevon den nach Typhus auftretenden Krankheiten des Nerven-systems sind sehr spärlich. Leyden giebt an, dass Rücken-markserweichungen bereits von Ollivier und Gravesgesehen sein sollen. Dasselbe behauptet Rosenthal vonBeau. Vir chow wies bei einem Kranken, welcher imJuli 1851 in einen Typhus mit protrahirtem Verlaufe ver-fiel und seit der Genesung an Kopfschmerzen, Uebelkeitund Erbrechen, später an Schwäche in den Unterextremi-täten, endlich an Paraplégie litt, eine chronische Myelo-meningitis dorsalis mit partieller Hydrorrhachia cervicalis

!) Die in der Rekonvaleszenz des Abdominaltyphus beobachtetenFälle von Cerebrospinal-Meningitis haben im nächsten Kapitel ihrenPlatz gefunden.

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nach. Ebstein konnte als Grund einer in der Bekvaleszenz entstandenen Sprach- und Koordinationsstöriin Armen und Beinen eine graue, inselförmige, nnreimassig über die Hinter- und Seitenstränge des Rückenmaiüber das verlängerte Mark und die Brücke verbreitete Ifärbung Sclerosis medullae spinalis et oblongataenachweisen und hiermit die bereits durch klinische Beiachtung von Westphal für ähnliche Fälle gewonmPathogenese bestätigen. Bei einem höchstwahrsclieinlim Gefolge eines im Feldzug 1870/71 überstandenen Typlaufgetretenen und an geeigneter Stelle beschriebenen Fivon Dystrophia muscularis progressiva, welcher vom Ifasser beobachtet wurde, liess sich post mortem ausserMuskeldegeneration eine Erkrankung des Sympathiesder intramuskulären Nervenäste ermitteln. In dem Späisehen Falle von allgemeiner Anästhesie nach Typhus0. Schuppel das Mark auf Kosten der grauen Substanzeinem mit Serum gefüllten Kanal durchsetzt, der vom l.Hinerven bis zum 12. Brustnerven reichte. Die vordersteder Vorderhörner war erhalten, die Vorderstränge zeig!sich unverändert. Zu Grunde gegangen waren die voieweisse Kommissur in der ganzen Länge des Kanalsdie Hinterstränge im Bereiche der ganzen unteren Hal ^des Halsmarks. Im Dorsalmarke erwiesen sich dieseals atrophisch. In den Seitensträngen machte sichSklerose verschiedener Intensität bemerklich. Eine glalan die vordere Längsspalte angrenzende Bindegewi ¡ n( j (Schicht umschloss überall den Kanal. Es handelte >i tj 8Calso uni eine mit Erweichung einhergehende Myelitis i ronsekundäre Bindegewebsumhüllung der Höhle, die sich ni Lj,aus dem Centralkanal herausgebildet hatte. Die vorda ^Wurzeln waren normal, die hinteren mehr oder mili m( jatrophirt. (Bärwinkel.) Der im 12. Feldlazareth XIkorps an Epilepsie nach Typhus gestorbene Patient Knö'na gel' s hatte eine frische gelatinös - hämorrhagische Intration der Pia mater. Hoffmann gedenkt in seiner Uli j ersuchung über die pathologisch-anatomischen Verändere au fder Organe im Abdominaltyphus eines in später Bei K \\ }valeszenz erfolgten Todesfalles durch Gehirnblutung, da lau1Eintritt allerdings in die Zeit des akuten Krankheitsp j erzesses zurückverlegt werden musste. Für eine im zwei ¡t atStadium des Typhus entstandene Hemiplegia sinistraldem Oberbäcker der Feldbäckereikolonne IV. ArmeekoJulius Wagner ergab die im 7. Feldlazareth IV. Armeekovorgenommene Leichenschau eineApoplexia in termeningeidextra". Die Sektion eines unter dem Bilde der alaufsteigenden Spinalparalyse innerhalb kurzer Zeit(verlaufenen Falles einer Typhuslähmung zeigte nachBerichte Kümmel's Zeitschrift für klinische Me<Band IIin der unteren Hälfte der medulla oblongibeiderseits nahezu symmetrisch gelegene, hämorrhagsAffektionen, und zwar rechterseits eine absolut fri»kaum stecknadelknopfgrosse Hämorrhagie an der In»seite der aufsteigenden Vaguswurzel, auf der

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