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VI. Kapitel: Erkrankungen des NerYensysteius nach akuten Infektionskrankheiten.
Band VII.
I. Epilepsie.
Epilepsie ist als Nachkrankheit des Ileotyphus im All-gemeinen selten beobachtet worden. Berger sab 2 Fällein direktem Anschluss an ein „gastrisches Fieber". AuchGowers gedenkt dieses kausalen Moments. Unter den 65301Typhusrekonvaleszenten des Feldzuges trat sie 23 Mal auf.Die letzte Zald reduzirt sich nach Ausschluss des in der nach-stehenden Tabelle unter No. V aufgeführten Harff, welcherbereits vor seiner versuchsweisen Einstellung an Fallsuchtgelitten und nach dem überstandenen Typhus in eine durchheftige und häufige Insulte erschwerte Krampfform zurückverfiel, auf 22. Yon diesen 22 Fällen endeten 3 tödtlich, 4 ge-nasen, 15 sind in der Uebersicht als ungeheilt bezeichnet.Dies Zahlenverhältniss macht auf Genauigkeit keinen An-spruch. Der Verlauf der Epilepsie der in den Zählkartenaufgefundenen Typhusrekonvaleszenten ist nicht bekannt.Auch kann der Heilungsprozentsatz der übrig bleibenden15 invaliden Epileptiker später dadurch eine Aenderungerfahren haben, dass die mit der Zeit besser gewordenenFormen der Epilepsie in völlige Genesung übergingen. DieInvaliden-Akten lassen uns hier im Stiche, indem sie meistmit der Untersuchung der Kranken zu früh abschliessen.Wurden doch Weidner (I) und Bensing (II) 1 '/2 Jahre langvon der Epilepsie heimgesucht, ehe die Anfälle fortblieben.Freilich liesse sich die Frage aufwerfen, ob die Genesungauch von Bestand war. Darauf darf aber wohl mit einembestimmten Ja geantwortet werden, da sonst die Beiden,sofern sie der Tod bis heute verschonte, unzweifelhaft diedurch die Heilung verloren gegangenen Invalidenwohlthatenzurückgefordert hätten.
Von einer ererbten oder vor dem Kriege erworbenenDisposition für die Epilepsie kann nach den Notizen desKrankenexamens und der ortspolizeilichen Becherchen, derenGesammtresultat in Spalte 4 der Tabelle wiedergegeben ist,bei den meisten Kranken der Beobachtungsreihe Abstandgenommen werden. Ein Theil von ihnen hatte nebenher einelängere militärische Dienstzeit hinter sich, der beste Beweisfür ein Freisein von Krämpfen. Auch der Alkoholismus,sonst die fruchtbarste Ursache der Fallsucht, lässt sichvollkommen ausschliessen, wenigstens für seine chronischeForm. Dagegen steht nichts im Wege, die erduldetenStrapazen und die psychischen Eindrücke im Kriege mit inRechnung zu ziehen.
Was die Form der Epilepsie anlangt, so wurde sieunter den Ungeheilten bei Schulze (VII), Elsa (XII),Grieger (XV) als leicht, bei Schmitt (VI), Ziegel (VIH),
Dieffenbach (XI), Randow (XVI) als schwer bezeichnet. Berg-mann (XIV) hatte zunächst eine rein psychische Art, welchespäter mit ausgesprochenen Krampfanfällen abwechselte,Engel's (XIII) Zustand ging durch zunehmende Häufigkeilder Krämpfe in Verschlechterung über, während Klose (IX)und Feldhäuser (X) besser daran waren, da die anfangsheftigen und zahlreichen Insiüte mit der Zeit abnahmen.
Ganz in Wegfall kamen bei der Kasuistik diejenige!Invaliden, deren Epilepsie nicht aus dem Rekonvales-zenzstadium herrührte. Liegt es auch nahe, den Typhn-fur die centrale epileptische Veränderung selbst unter demUmstände verantwortlich zu machen, dass die erste Krampfattacke den Genesenen befallt, wenn er schon lange imVollbesitz körperlicher Rüstigkeit seinen Berufsgeschäftennachgegangen ist, so bewegt sich hier der Schluss von derUrsache auf die Wirkung doch nur im Kreise von Ver-muthungen. Dem Militärarzt wird eine mehr oder minderentscheidende Folgerung fast immer noch dadurch erschwertdass er über die Lebensgewohnheiten und die Gesundheit;Verhältnisse des Mannes nach seiner Entlassung aus denDienste ungenügend unterrichtet oder absichtlich getäuBCÜwird. Es hat sich aber bei der Prüfung von Versorgungsansprächen nach dem Kriege der Brauch eingebürgert, daTyphus als den Ausgangspunkt der Epilepsie auch dann zisupponiren, wenn der erste Insult in die Zeit einer schein-bar vollkommenen Wiederherstellung fiel und andere näherliegende Krankheitsmomente nicht vorhanden waren. DieserBrauch hat die Billigung der höheren militärärztlichen In-stanzen gefunden.
Die schematische Uebersicht enthält ferner auch nichtalle diejenigen Fälle symptomatischer Epilepsie, welche an!erkennbaren gröberen anatomischen Läsionen des centralenoder peripheren Nervensystems beruhten. Diese finden sielzerstreut in den einzelnen Unterabtheilungen dieses AhSchnittes.
Endlich ist noch zu erwähnen, dass die Zählkartenausserdem in 15 anderen, mit den Fällen der tabella-rischen Zusammenstellung nicht identischen Fällen apho-ristische Angaben machen, aus denen nicht zu entnehmenist, ob die Epilepsie eine Komplikation oder eine Folge-krankheit des Typhus war. In der Krankheitsdiagncsliest man: „Typhus bezw. gastrisches Fieber und Epilepsie'-Von ihnen wurden 2 Kranke als geheilt, 1 als dieití-unbrauchbar, 7 zum Ersatz-Truppentheil und 5 in ändertLazarethe entlassen.