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I. Abschnitt: Nervöse Naohkrankheiten des Abdominaltyphus.
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illen unberührt. Nahe verwandt mit ihr waren die funk-tionellen Reiz- und Schwächezustände, welche in den Feld-azarethen als Folgeerscheinung fortgesetzter Strapazen mitbeenden Worten beschrieben werden: „Die Kranken kla-en über Schmerz in der Wirbelsäule mit veränderlichemlitze, über Ziehen in den Gliedern, über Steifigkeit deriuskeln, über Kälte an den Extremitäten, über Blasen-träinpfe und häufigen Harndrang. Sie sehen bleich aus,pttern, werden bald von choreaartigen Bewegungen, baldIon spastischen, minutenlangen Muskelkontraktionen be-allen, haben mitunter brennende Handteller und dannrieder kalte, abgestorbene Finger, zeigen fast immer fibril-äre Zuckungen in den meisten Muskeln, können sich nichteschäftigen, da ihnen die nöthige Kraft und Ausdauerfehlt." „Häufig", so heisst es wieder in einem anderen■richte eines Armee-Generalarztes, „waren Fälle von Spi-alirritation, welche ihre Quelle in anstrengenden Märschenad Erkältungen hatten. Die Kranken klagten über Schmer-en im Bückgrate, namentlich waren der 6. bis 9. Wirbel■Dei Druck schmerzhaft. Sensitive Erscheinungen in denExtremitäten, ja wirkliche Neuralgien derselben wurdenläufig beobachtet, welche abwechselnd verschiedene Nerven^■griffen, bisweilen auch konstant in ein und demselbenierven blieben, so besonders im n. ischiad. und peroneus.ils Zeichen der Spinalirritation erschienen wiederholt Herz-lopfen, Atembeschwerden und Kolikschmerzen, vor Allem¡in Zusammenziehen des Bauches." Das klinische BildBes Typhus vermochte eine derart verschlechterte Kon-stitution ganz umzugestalten. Der erste, welcher dies be-wies, war Oberstabsarzt Strube. Aus seinem 1871 in derBerliner klinischen Wochenschrift erschienenen „Beitragur Nosologie der während der Belagerung von Paris beider Maas-Armee beobachteten Typhusepidemien " ging her-For, dass der Typhus unter unseren Soldaten im Felde einefcigenthümliche, durch geringes Fieber, heftige Cerebral-
scheinungen und andere hier weniger in Betracht zuliehende Symptome gekennzeichnete Form annehmen konnte,reiche man in Friedenszeiten nicht kannte. Zehn Jahrepäter ergänzte Oberstabsarzt Fräntzel die Mittheilungenätrube's durch seine im 3. Feldlazareth des Gardekorps zunlliers le Bel während des Krieges gewonnenen Erfahrungen.
eide Autoren kamen zu dem Schlüsse, dass der unter deneben beschriebenen Zeichen, sowie — Fräntzel — mit einerauffallenden Neigung zu Gangrän an den Extremitäten ein-pergehende Ileotyphus diesen seinen besonderenCharakter bestimmten individuellen Verhältnissen,lämlich der mangelhaften körperlichen Ernährungttndder durch die Strapazen erlittenen Erschöpfung,Ki verdanken gehabt habe. 1 )
Ist es auch a priori wahrscheinlich, dass von zwei Nerven-| »ystemen das eine, welches intakt in den Typhus gebracht
) Vergl. hierzu den 3. Abschnitt des Kapitels „Typhöse Er-lankmigen» im VI. Bande dieses Berichtes.
tattUe-Bwicht Über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
wurde, den nach Ablauf des akuten Prozesses angreifendenSchädlichkeiten einen kräftigeren und erfolgreicheren Wider-stand leistet als das zweite, welches bereits vor Beginndes Typhus depotenzirenden Gelegenheiten ausgesetzt undin seinen Funktionen gestört war, so kann doch nur einzum Vergleich geeignetes statistisches Material den Aus-schlag geben, in welchem Grade jene Anämie undEnergielosigkeit, welche die den Typhus begleitendenSymptome des Nervensystems so auffällig verschlechterte,zur Vermehrung auch der nervösen Nachkrankheiten bei-getragen hat. Ein solches Material ist aus dem Feldzugenicht vorhanden. Doch sei darauf hingewiesen, dass demüberwiegenden Theil derjenigen Typhus-Erkrankungen, anwelche sich in der Rekonvaleszenz das Nervenleiden an-schloss, in der That eine Zeit angestrengter Märsche undaufreibenden Belagerungsdienstes vorangegangen war.
Dazu kommt noch, dass die den Kriegstyphus charak-terisirende verzögerte und verschleppte Genesungsperiodedurch ihre lange Dauer den Hilfsursachen für das Zu-standekommen der Desorganisationen im Nervensystem diebeste Gelegenheit bot. Denn wenn die unter der Ein-wirkung des spezifischen Krankheitserregers und des Fieberserzeugten histologischen Veränderungen der Nervenapparatenicht schon an sich positive Funktionsanomalien herbei-geführt haben, so hinterlassen sie doch in dem Genesungs-stadium eine Disposition zu solchen, und zu ihrem Ausbruchgehört nur ein accidentelles Moment, ohne welches dieLäsion des Nervensystems rückgängig wird. Je längerdemnach die Periode der Konvaleszenz, um so grösser dieGefahr der nervösen Nachkrankheiten.
Als eine der fruchtbarsten Quellen für die Entstehungvon Nervenkrankheiten gilt bis heute noch die Erkältung.Ihr bestimmender Einfluss für die abnorm grosse Zahl derunter den Rekonvaleszenten des Feldzuges aufgetretenennervösen Erscheinungen darf nicht unterschätzt werden.Der oft tagelange Transport auf den Eisenbahnen warfür die Erkältung wie geschaffen. Während der Fahrt fingendie kaum Genesenen an, über Schmerzen im Rücken undin den Extremitäten, über Schwere und Schwäche in denGliedern, über dumpfe Kopfschmerzen und Muskelzittern zuklagen und gingen in dieser oder, in noch schlimmerer Ver-fassung den Reservelazarethen zu. Hier bildete sich nundas Nervenleiden zur Vollkommenheit aus. Man konnte esnach dem Vorausgegangenen nicht als einen metastatischenKrankheitsprozess, nicht als eine späte Lokalisation derprimären spezifischen Krankheitsursache ansehen, man musstees vielmehr für eine Komplikation halten, welche, um mitden Worten Erb' s zu reden, auf Grund einer durch den Ty-phus gesetzten örtlichen Prädispositi on entstanden war. Somitnäherte man sich wieder dem von Monieret und Fleuryvertretenen Standpunkte, welchen Erb für die spinalenAffektionen nach akuten Krankheiten für die Regel hält.
Eine Besprechung der Folgezustände des Abdominal-typhus sollte alle während des akuten Krankheitsprozesses
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