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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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VI. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems nach akuten Infektionskrankheiten.

Gefolge des Kriegstyphus aufgetretenen Neuropathien,welche durch längeren resp. durch dauernden Be-stand gekennzeichnet waren.

Der Versuch, die auf solche "Weise in den Zahlen-angaben bestehende Lücke durch die Einzelberichte derFeld-, Kriegs- und Eeservelazarethe auszufüllen, hat zu einembefriedigenden Ergebnisse nicht geführt. Dazu fehlt esfast überall an der Genauigkeit der Berichte. Doch lässtsich aus einer Anzahl kleinerer, besser notirter Beobach-tungsreihen wohl mit Becht der allgemeine Schluss ziehen,dass der Prozentsatz der nervösen Nachkrankheiten des Kriegs-tvphus erstens ein überaus hoher und zweitens ein dieFriedensstatistik weit übertreffender war. Knöve-nagel, welcher während des Novembers 1870 in das ihmunterstellte 1*2. Feldlazareth XI. Armeekoips 114 Typhus-kranke aufnahm, sah bei drei Bekonvaleszenten und imnächsten Monate, als das Lazareth 148 Patienten gleicherArt zählte, in fünf neuen Fällen heftige Neuralgien, sowieeinmal Anästhesie und einmal Epilepsie. Cruse hatte imFelde unter einem Bestände von 60 Typhuskranken zweiLähmungen, Roh den im Reservelazareth zu Detmold untereiner noch geringeren Zahl eine Amaurose und eine Mono-plegie, v. Krafft-Ebing fand bei 212 Typhuskrankenaus dem Feldzuge eine Lähmung, eine Anästhesie und häu-fige Hyperästhesien. Die Berichte aus Breslau, Göttingen,Potsdam, Aachen, Görlitz, Schwerin, Celle, Lüneburg undanderen Lazarethen des Inlandes gedachten wiederholt derauffälligen Frequenz sensibler und motorischer Schwäche-und Reizzustände, welche sich im Anschluss an den Ab-dominaltyphus ausgebildet hatten. Ley den, welcher dasVorkommen von Typhuslähmungen überhaupt für relativhäufig erklärt, setzt hinzu:In manchen Epidemien, z. B.1870 und 1871, waren sie ungewöhnlich häufig undmannigfaltig." Ob hiermit auch auf die Epidemien imHeere Bezug genommen ist, sagt der genannte Autor nicht.

Die Thatsache eines Zusammenhanges gewisser funk-tioneller Störungen des Nervensystems mit überstandenemTyphus war den Aerzten schon vor 1870 nicht fremd. Abererst seit der im Jahre I860 erschienenen verdienstvollenArbeit G übler s über die Lähmungen nach akuten Krank-heiten hatte sich das Interesse der Kliniker und Elektro-therapeuten in höherem Maasse ihr zugewendet. Einerseitswar man so in dem Jahrzehnt vor dem Kriege nach undnach mit einer stattlichen Reihe der verschiedenartig-sten Neurosen bekannt geworden, welche als unmittelbareFolgezustände des abgelaufenen Krankheitsprozesses ange-sehen wurden, andererseits hatte ihr früheres Gebiet durchwichtige anatomische Entdeckungen mehr und mehr eingeengtwerden können. Durch die Kriegserfahrungen wird dasFeld der nervösen Typhus-Nachkrankheiten noch weiterausgedehnt und geebnet. Ueber das Auftreten von Paralysisagitans, Chorea, akuter Ataxie, Muskelhypertrophie, von reinvasomotorischen Neurosen nach Typhus des mittleren Lebens-all eis enthielt die Litteratur vordem nichts.

Welche Bedingungen liegen nun der behauptetemals sicher vorauszusetzenden abnormen Frequenz jj|sekundären Nervenkrankheiten während des KriegeilGrunde? Bei Beantwortung dieser Frage bewegt maalmeist auf dem Gebiete der Vermuthungen. Eine besonjlPrädisposition der einzelnen durch Zeit und Ort begralEpidemien, welche nach der gedachten Aeusserungden's für die Genesis der Typhuslähmungen vorhaJsein soll, scheint in den Kriegsjahren, wie auch Konagel hervorhebt, nicht bestanden zu haben. Die Kraiheitsfälle vertheilten sich auf die allerverschiedensten ]demien, obwohl naturgemäss ihr grösstes Kontingent idie ausgedehnten Seuchen vor Metz und Paris fällt. Seihat es sich um sporadische Erkrankungen gehandelt. M|Gewicht legt Nothnagel auf die Intensität der KrankIn der That scheint dieselbe eine einflussreiche Rolle ¡|spielt zu haben. Man findet nämlich bei Durchmusternderjenigen in der Kasuistik aufgezählten KrankengescMcliJwelche auf die Gravität des Falles eingehen, 31 schia8 mittelschwere und nur 3 leichte Erkrankungen. Vor Aliaber ist die prädisponirende Individualität des Soldaiim Felde nicht zu übersehen. Je nach der Konstitution!Mannes benachtheiligt der Krieg mit seinen Strap»Entbehrungen, Aufregungen bald mehr, bald weniger sehndie vegetativen und sensoriellen Funktionen. Die senaiNatur verräth sich, wenn die körperlichen Anstrengund die gewaltigen Eindrücke der Schlacht und des T|postendienstes, mehr als sie ertragen kann, auf sie igewirkt haben, durch Klagen über allerlei neuralgische 1schwerden, durch Abmagerung und Anämie. Leute die¡|Art fühlen Schmerzen in allen Gliedern, in der Wirfsäule, im Kopf, schrecken leicht zusammen, habenklopfen, Beklemmung, Appetitlosigkeit, Darm-, Mageii-Muskelkrämpfe. Andere zeigen ein apathisches Verbaleine schlaffe Körperhaltung, sind traurig gestimmt, seillos und machen hierdurch, sowie durch die gelbliche (sichtsfarbe, die Blässe der Zunge, Lippen und Lider»häute den Eindruck tiefer Depression. SchreitetKräfteverfall vor, so erscheinen sie wie Geisteskranke.haben einen stieren Blick, einen nichtssagenden Gesiclausdruck, eine vornübergebeugte Haltung; sie antworten idie dringlichsten Fragen kaum oder unverständlich |matter klangloser Stimme, lassen Alles mit sich uiach^beschmutzen Bett und Wäsche. Unerfahrene Aerzteben, Melancholiker vor sich zu haben und denken scMan Ueberführung in eine Irrenanstalt. Aber nach einigfjTagen der Ruhe und Pflege wird es klar, dass dasnur in einem Zustande äusserster Erschöpfung best»Eine eingehende Studie dieserFatigatio" enteHeubner in seinen Beiträgen zur internen KriegsmedfflAuch die torpide Konstitution zahlte ihr im Kriege 'Die Fatigatio bildete nach den übereinstimmenden X«richten der Feldärzte eine konstante Kriegserscheinung <liess die Glieder der kämpfenden Truppe nur in AusWBl