Tetanus erprobt werden. Es würde sich dann zeigen, obes eine bessere Wirkung ausübt, als es das Calabarextraktim Feldzuge gethan hat.
Während die Calabarpräparate, wie die vorher aufge-führten Mittel, lähmend auf das Centralnervensystem wirken,hat das Curare, schon im Beginn dieses Jahrhunderts durchLuvell gegen den Tetanus der Pferde empfohlen, nur einenlähmenden Einfluss auf die peripherischen Nervenendigungen.Gegen den Wundstarrkrampf des Menschen kam es erst imItalienischen Kriege 1859 auf.
Veil a wandte es in Form von Ueberschlägen auf dieWunde in wässeriger Lösung und später endermatischnach Erzeugung einer künstlichen Wundfläche durch einBlasenpflaster oder das Glüheisen an. Von 2 Fällen genas 1.Demme, der Vater, versuchte es bald darauf auch auf derBerner Klinik und erreichte unter 3 Fällen 2 Heilungen.
Nach Demme's Ansicht ist am meisten von einem an-haltenden förmlichen Bad der Wunde in Curarelösung zuhoffen. Er hält das Curare namentlich in den Fällen, beidenen sich zuerst die Muskelgruppen in der Umgebung derWunde vom Krämpfe befallen zeigen, für das wirksamsteMittel.
Im Feldzuge 1866 erreichte Busch mit Curarin glän-zende Besultate; von 11 Tetanischen genasen nämlich unterdem Gebrauch dieses Mittels 5, also nahezu 50 g. Er be-nutzte es in subkutanen Injektionen. Die geheilten Fällewaren aber, ebenso wie die Demme'schen, chronischerNatur. (Lentz.)
Die Busch'schen Erfahrungen führten im Feldzuge1870/71 zu einer stattlichen Versuchsreihe mit dem Curareund dem Curarin in Form von hypodermatischen Injektionen,ohne dass mehr als ein rein negativer Erfolg erzielt wäre.Selbst gegenüber den Anfällen war es in dem Lücke'sehenFalle wirkungslos, Czerny's Kranker bekam nach jederAnwendung einen Schüttelfrost, v. Beck sah bei einem Fran-zosen von subkutanen Curareeinspritzungen keinen Nutzen,im Reservelazareth Hanau wurde durch Noll in zwei Fällen,in Hannover ebenso oft jeglicher Erfolg des Curare be-stritten. Bei dem Kranken CXL1X von Kirchner, dem dasChloralhydrat nicht mehr beizubringen war, trat nach einerInjektion von 15 Tropfen reiner 1 proc. Curarelösung in denrechten Vorderarm eine bedeutende Belaxation des sehrstarken Opisthotonus ein. Abends wurde die Injektionwiederholt, auch nächsten Tages. Daneben erhielt Patientdann noch Opium. Es half aber Alles nichts gegen denTod. Unter den Augen von Busch selbst wurde folgenderFall, dessen Krankengeschichte wörtlich nach dem Lazare th-berichte wiedergegeben ist, beobachtet:
LXXXII. Claude Vorne, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte. Der innere Rand der Patella und der condylusinternus wurde durch ein Gewehrprojektil frakturirt.
Bei einer konservativen Behandlung (fixirte ruhige Lagerungund örtliche Applikation von Kälte) stellten sich bei verhältniss-massig sehr geringen örtlichen entzündlichen Erscheinungen am
27. August Abends unter Steigerung der bis dahin relativ un-bedeutenden Schmerzen im Kniegelenk die ersten sehr leichtenSpuren beginnenden Trismus ein.
Patient war nicht im Stande, die Kiefer ganz so weit voneinander zu entfernen, als normalerweise, und klagte beimjedesmaligen Oeflhen des Mundes, das sichtlich mit einem ver-stärkten Aufwand von Kraft und Zeit geschah, über heftigeSchmerzen. Eine abnorme Steigerung der Reflexerregbarkeitwar nicht bemerkbar. Die Masseteren waren etwas praller, dieNackenmuskeln ohne abnorme Spannung.
Morphiuminjektion 0.03 G. Am 28. August berichtet derKranke, dass er in der Nacht mehrere Stunden geschlafen und keineZunahme der Schmerzen empfunden habe. Der Trismus und dieReflexerregbarkeit ohne Steigerung. Subkutane Injektion von2.0 G. Chloralhydrat und innerliche Darreichung von l.o G. zwei-stündlich. Nachmittags fühlt sich Patient schmerzfreier undkann den Mund besser öffnen. Da nur eine Quantität von 4.o G.Chloral zu Gebote stand, so musste Abends wegen Zunahme derSchmerzen eine Morphiuminjektion von O.03 G. gemacht werden.
29. August: Die Nacht verlief unter grosser Unruhe. AmMorgen sah Generalarzt Busch den Kranken und rieth, nach-dem die schon früher erwogene Frage der Amputation auch vonihm verneint worden war, zur Anwendung des Curarin. Wir er-hielten noch am Abend durch seine gütige Vermittelung eineQuantität von O.oe G., und es wurde sofort noch nach seiner Vor-schrift eine subkutane Injektion von O.oog G. gemacht.
30. August: Patient schlief sehr wenig und wurde durchdie heftigsten Schmerzen und bedeutende Zunahme der Muskel-krämpfe gequält. Morgens 9 Uhr Injektion von Curarin O.006 G. ;11 'A Uhr O.006 G.; 11 Uhr 36 Min. O.ooc G.; 11 Uhr 47. Min.O.ooe G.;12 Uhr 15 Min. O.ooo G. ; 12 Uhr 30 Min. O.ooe G. Im Laufe von einerStunde war demnach die grosse Quantität von O.03 G. Curarin,im Ganzen O.042 G. injizirt worden, ohne dass sich die geringsteAbnahme der tetanischen Erscheinungen zeigte. Im Gegentheilwar vielmehr eine merkliche Steigerung der Reflexerregbarkeitund Erschwerung der Kieferöffnung bemerkbar und Patientklagte über Zunahme der immer unerträglicher werdendenSchmerzen. Auf Anrathen von Busch wurde demnach von derweiteren Anwendung des Curarin Abstand genommen und dasmittlerweile in genügender Quantität beschaffte Chloralhydratin der Weise wieder gebraucht, dass zweistündlich innerlich einEsslöffel einer Lösung von 12.o G. auf 150 G. in einem Decoct,althae. gegeben und um 2 Uhr Nachmittags eine subkutane In-jektion vonO.75G. Chloral, um 5Uhr 0.75 G., um8Uhr0.75G. gemachtwird. Da nach der letzten Injektion der Tetanus gemindert undSymptome leichter Chloralnarkose eingetreten sind, so wird be-stimmt, während der Nacht zweistündlich das Chloral zu geben,wenn die Erscheinungen des Trismus wieder stärker hervor-treten sollten.
31. August, Morgens 8 Uhr: Die Nacht verlief ruhig, Mundkann etwas weiter als gestern geöffnet werden; Injektion vonO.75 G. ; einige Minuten nach der Injektion Mund um mehrereLinien weiter; 11 Uhr Injektion von 0.75 G.; 2 Uhr InjektionO.75 G. Um 4 Uhr Nachmittags waren 12 G. Chloral innerlichund 4.75 G. durch Injektion verbraucht. Patient liegt fast fort-während ruhig in Chloralnarkose. Da diese um 6 Uhr nachlässt,Injektion von 0.75 G. Während der Nacht zweistündlich einEsslöffel von der Lösung.
1. September: Die Nacht verlief ruhig; erst Morgens gegen9 Uhr tritt der Trismus wieder stärker ein ; Patient klagt sehrüber Zunahme der Schmerzen und stöhnt häufig. Injektion 9 Uhrvon O.75 ; 9.15 von O.75 ; 9.3o von O.75 ; 9.45 von O.75 G.; nach der viertenInjektion tritt vollkommene Ruhe ein; die Oeffnung des Mundesgeschieht ziemlich leicht und 1" weit. Der ruhige Zustand