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V. Kapitel: Wundstarrkrampf.
Band TU
die Zukunft nicht immer eine gleich gute Aussicht gewährt,in Ermangelung einer besseren vorläufig der allgemeinenBeachtung dringend empfohlen werden.
Gegen dieselbe nehmen zwar einzelne Fälle ein, inwelchen der Extraktion eines Fremdkörpers unmittelbarder Starrkrampf folgte, denn da ist man leicht versucht,die Operation als Ursache des Tetanus hinzustellen. DieFeldzugsberichte erzählen hiervon nachstehende Beispiele:
LXV. Krug, Königs-Grenadier-Regiment (2. Westpreussi-sches) No. 7, wurde am 19. September 1870 in die Weichtheiledes rechten Oberschenkels geschossen. Als sich am 3. OktoberZuckungen in der verwundeten Extremität einstellten, wurdedas Projektil gesucht, gefunden und herausgeholt. DaraufTetanus mit tödtlichem Ausgange am 6. Oktober. Sekt.: Neuritisnerv, ischiad.
LXV1. Im 6. Feldlazareth IX. Armeekorps fand man beieinem in die Muskulatur des Oberschenkels geschossenen Mus-ketier L. 17 Tage nach der Verwundung die Kugel und zogsie aus dem 3 '/2 Zoll tiefen Schusskanal ohne alle Mühe hervor.Sofort tödtlicher Starrkrampf.
LXVII. A. H., 1. Niederschlesisches Infanterie-RegimentNo. 46, bekam am 6. August 1870 bei Wörth eine Kugelund zwar in den linken Oberschenkel. Er ging dem Re-servelazareth zu Hannover am 11. August zu. Hier konntesogleich durch Inzision das im Oberschenkel steckengebliebeneGeschoss entfernt werden. Gleich nach der ExtraktionTetanus, welcher am 14. August zum Tode führte.
LXYIII. Burg er behandelte in dem EtappenlazarethSt. Agneten zu Trier eine Oberschenkelfleischwunde unter demLister'schen Verbände. Am 15. Tage nach der Verletzung klagteder Kranke über Krämpfe und Schmerzen in dem verletztenBeine. Dasselbe zeigte sich dann steif und hart. Eine sofortigeUntersuchung des Wundkanals in der Chloroformnarkose Hessdie Kugel ganz in der Tiefe wahrnehmen.
Sie wurde entfernt durch Anlegen einer Gegenöffnung;Vertikalschnitt etwa '/2 Zoll nach aussen vom Sitzknorren.Bald entwickelte sich das Bild eines ausgedehnten, intensivenWundstarrkrampfs, dem der Kranke unterlag.
Sekt.: Druck des Geschosses auf den nerv, ischiad.
LXIX. Mit einem grossen Abszess an der ganzen linkenBrustseite fand am 24. Dezember 1870 im 8. FeldlazarethVIII. Armeekorps der Soldat P. Aufnahme.
Er hatte eine Kugel durch den linken Oberarm in dengrossen Sägemuskel erhalten. Bei künstlicher Eröffnung desEitersacks wird die Kugel in der Abszesshöhle aufgefunden.Sofort nach der Eröffnung Tetanus.
Tod am 1. Januar 1871.
LXX. Ein ganz ähnlicher Fall wurde während des Mo-nats September 1870 im 6. Feldlazareth I. Armeekorps beobachtet.Hier hatte die Kugel ebenfalls die Muskulatur des linken Ober-arms durchsetzt und wurde in der fossa infraclavicul., woselbstdie Weichtheile geschwollen und schmerzhaft waren, gefühlt.Am 6. Tage nach der Verwundung schnitt man die Kugel heraus.24 Stunden später Tetanus, welcher in wenigen Stunden denTod herbeiführte.
LXXI. Der Ulan vom 3. Garde-Ulanen-Regiment Rackowzeigte bei seiner Aufnahme in dem 6. Feldlazareth IV. Armee-korps November 1870 eine Oberschenkelschusswunde linkerseitsohne Ausgangsöffnung. An einer kleinen Stelle fand sich der
Knochen von dem Periost entblösst. Zuckungen im Gebiete denerv, ischiadicus; daher Spaltung des Schusskanals in Chloroform.narkose und Entfernung der Kugel, welche hinter dem trochantmaj. lag. Gleich nachher Tetanus und bald Tod.
Sektion: Osteomyelitis und Neuritis nerv, ischiad.
LXXTI. BeiHärtel, am 6. August 1870 durch die Weict-theile des Oberschenkels geschossen, entfernte man im Reserve-lazareth Schwetzingen die in ihrer Form sehr veränderte KugelEine Stunde nach der Operation trat Tetanus und 24 Stundenspäter der Tod ein. Sektionsbefund negativ.
Aus den Krankengeschichten geht hervor, dass d»meisten Verwundeten sich schon in einem vorgeschrittene!Wundstadium befanden; nur einer war vor 5, ein zweit«vor 6 Tagen verletzt. Man könnte darum schliessei,dass der erhöhte Erregungszustand des Nerven, welcherbis zum Augenblicke der Wunduntersuchung latent watdurch die manuelle oder instrumentelle Wundreizung bjzu der den Tetanus auslösenden Erregung des Central-organs plötzlich angewachsen sei.
Besonders beachtenswerth erscheinen gerade für diesFälle die bei der Sektion gefundenen neuritischen Prozesse. Der negative Befund bei Härtel bezieht sich miauf die makroskopische Betrachtung der Organe.
Ebenso nahe liegt es, für die Beispiele erfolgloser An-wendung der Entfernung eines fremden Körpers bei schonbestehendem Tetanus zu vermuthen, dass der erhöhte Er-regungszustand im Nerven oder die Neuritis bereits "weiter!centralwärts vorgeschritten ist und dass die in Folgelokalen Reizes erkrankten Nervenpartien jetzt selbstständijlerregend auf das Centralorgan wirken, oder dass bereifesekundäre Veränderungen im Centralorgan selbst sich ab-gebildet haben. So spricht sich auch Lentz aus. Daran:würde sich die Regel ergeben, diese Operationenfalls sie Erfolg versprechen sollen, möglichstfrühzeitig vorzunehmen. In der Wirklichkeit liegendie Verhältnisse nicht so einfach; beobachtete man dochnach den früheren Darlegungen am 8., 20., 34. Tage de:Tetanus von der Fremdkörperentfernung die besten Resul-tate. Zwei Beispiele resultatloser Kugelextraktion binnach dem Anfang des Tetanus mögen hier Platz finden.
LXXIII. Am 1. September 1870 wurde dem InfanteristenP. durch eine Chassepotkugel die linke Fibula zerschmettertDie Kugel steckte in der Wade. Von Anfang an bestand grosst|Empfindlichkeit in der Umgebung der Wunde. Zehn Tage naetder Verwundung Tetanus. Um ihn zu coupiren, Inzision un«Entfernung grosser Knochensplitter, sowie der Kugel. Fortgangder Krampferscheinungen bis zum Tode am 17. September.
LXXIV. L. S. mit einem Schuss in der Mitte der Vorderfläche eines Unterschenkels. Der Schusskanal verläuft in da*spatium interosseum und hat keinen Ausgang. Plötzlich ohneVorboten Tetanus. Daher Sondirung des Wundkanals, Ent-fernung der Kugel und eines Tuchfetzens. Ununterbrochene!]Fortgang des Starrkrampfs bis zum Tode.
Der im Deutsch-Französischen Kriege noch vielfach fllTage getretene übertriebene Eifer junger Kriegschirurgen »noi