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Band VIT.
V. Abschnitt: Behandlung.
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LXIV. Hoerz I., vom 1. Württembergischen Infanterie-Regiment, ') erlitt einen Schussbruch des rechten Unterschenkelsam 30. November 1870. Wundstarrkrampf. Resektion desrechten Unterschenkels in der Kontinuität am 7. Dezember1870 im 3. Württembergischen Feldspital zu Croissy-Beaubourg.Fortbestehen des Tetanus. Tod am 10. Dezember 1870.
Angesichts dieser Resultate bleibt nichts Anderes übrig,als den von Loss en im Anschluss an seine beiden Fälleausgesprochenen Grundsatz: „zu der Amputation forderteebensowohl die entfernte Hoffnung, auf diese Weise dieKrankheit zu coupiren, als auch die Unmöglichkeit derErkaltung des verletzten Gliedes auf", dahin abzuändern,dass die Amputation oder Exartikulation einesgrösseren Gliedes nur bei der Unmöglichkeit-oiiicr Erhaltung, niemals aber des Tetanus wegenindizirt ist. Vollständig unstatthaft aber erscheint einelebensgefährliche Operation, wenn triiglieher Vorboten halberder Ausbruch des Starrkrampfs lediglich vermuthet wird,deDn wer kann sagen, dass den schmerzhaften Zuckungender Muskulatur, den Schlingbeschwerden, dem Ziehen in denKiefern und all' den anderen drohenden Symptomen nunwirklich auch das entsetzliche Leiden folgt.
Yon ebenso geringem Nutzen, wie die grösseren chirur-gischen Eingriffe, haben sich während des Feldzuges zurHebung des Tetanus auch die von Alters her empfohlenenErweiterungen und Umschneidungen der Wundebewiesen. Es ist kein Fall bekannt- geworden, in welchemin direktem Anschluss an einen solchen Eingriff mit demMesser eine augenscheinliche Besserung zu bemerken ge-wesen wäre. Das versetzt indessen noch Niemand in dieLage, den Werth der In- und Cirkumzisionen für den mög-lichen Nachlass der nervösen Zeichen herabzuwürdigen,da sowohl mit dem Abfall der durch die entzündlicheSchwellung der Gewebe entstandenen Wundspannung, alsauch durch die zufällige Durchschneidung der affizirtenNerven die den Starrkrampf begünstigenden Momente sehrleicht eliminirt werden können.
Schon Bilguer hat aus diesem Grunde die Schuss -wunden tief und lang erweitert und bei dieser BehandlungWenige am Starrkrampf verloren. Richter führt an, dassauch in den Amerikanischen und Französischen Revolutions-kriegen die Entspannungsschnitte oft zu Heilzwecken geübtseien. Rose citirt 2 Fälle, in denen Fournier von denEntspannungsschnitten guten Erfolg sah. Rose theiltSelbst einen von ihm derartig behandelten Fall — Feuer-wehrmann Sechehaye — mit, bei welchem er es jedochzweifelhaft lässt, ob der Tetanus von der ursprünglichenKontusion oder von der Inzision selbst herrührte. (Lentz.)
Czerny nahm 1870 Aetzungen der Wunde mitSalpetersäure vor, sah aber keinen Einfluss auf den Krank-heitsverlauf. Diese Kauterisationen mit Chemikalienverschiedener Art und mit dem Glüheisen waren bei den
') Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 553, Fall 13.
Sanitäts-liericht über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
Feldärzten in häufigem Gebrauch. Sie schienen nach denEmpfehlungen Demme's da indizirt, wo es sich um Zer-störung reizender Granulationswucherungen oder Narben-bildungen oder eine Umstimmung schlecht oder wenigsezernirender Wunden handelte, hatten aber die von demBerner Kliniker beobachteten günstigen Erfolge nirgends.
Larrey will mit der Kauterisation der Wunde ineinigen Fällen gute Resultate erzielt haben. Curling,welcher fälschlicherweise von Richter und Demme alsVertheidiger der Aetzungen angeführt wird, spricht sichdagegen aus.
Theoretisch lässt sich diese Behandlungsmethode nichtbilligen. Wenn man auch durch einen energischen Reiz,wie das Ferrum candens und die Salpetersäure, sicher alleschädlichen Substanzen in der Wunde zerstören kann, undwenn man auch die Nervenendigungen dadurch, dass mansie tödtet, für jeden Reiz unempfindlich machen kann, soübt man doch zugleich auf die dem getödteten Nervenstückzunächst liegenden Nerveustrecken einen mächtigen Reizaus, der durch die nach der Kauterisation eintretende Ent-zündung noch vergrössert wird. (Lentz.)
Friedberg applizirte bei einem Tetanischen, welchermit einem Weichtheilschuss des Oberschenkels im September1870 in das Barackenlazareth zu Breslau gelangte undzugleich an Lungenentzündung krank war, das Glüheisenzu beiden Seiten der Halswirbelsäule. Nach bal-digem Eintritt der Besserung wurden warme Bäder undMorphiuminjektionen verordnet. Der Kranke genas vonTetanus und Pneumonie. Friedberg wird also wohl derAnsicht gewesen sein, dass es sich beim Tetanus um einenentzündlichen Prozess in dem verlängerten Mark handele.Er war, soviel sich ermitteln Hess, der Einzige, welcherwährend des Krieges eine derartige Behandlungsmethodeübte.
Die Extraktion fremder Körper, welche theoretischals ein sehr brauchbares Mittel gegen den Wundstarrkrampferklärt zu werden verdient, wurde im Feldzuge oftmalspraktisch verwerthet und bewährte sich gut. Man fand bei26 Tetanischen während des Lebens das Geschoss, seineFragmente oder andere Fremdkörper und hatte 8 mal dieunverhoffte Freude, hiermit die ganze Krankheit zu be-seitigen.
Post hoc ergo propter hoc durfte man wohl mit Rechtsagen, wenn gleichzeitig mit der Entfernung des Bleies,der Mantelhefte, des Knopföhrs, des Knochensplitters auchdie Krankheitszeichen verschwanden. Man erinnere sichder S o c i n ' sehen Beobachtung, ') des E b m e i e r ' sehen Falles, 2 )des Kranken Ulrich 3 ) u. s. w.
Eine Therapie, welche thatsächlich 30.7 § tetanuskrankeVerwundete rettete, muss, wenn sie auch von vornherein für
J ) Vergl. S. 125 dieses Bandes.
2 ) Ebendaselbst, Krankengeschichte VII.
8 ) Ebendaselbst, Krankengeschichte VIII.
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