Dem me spricht sich dahin aus, dass von der Am-putation nur in den Fällen, welche mit tonischen Krämpfenan der verwundeten Extremität beginnen, etwas zu er-warten sei.
Bei dem einen Lossen'schen Kranken waren ziehendeSchmerzen im verletzten Arme und leichte Spuren vonTrismus, bei dem andern wenigstens eine starke Schmerz-haftigkeit an der verwundeten Stelle vorausgegangen, beibeiden war der Erfolg der Amputation ungeachtet dessennegativ.
In der Litteratur findet man überhaupt die Muth-maassung Demme's nicht bestätigt.
Bomberg theilt mit, dass Dupuytren in diesenFällen keinen Erfolg gesehen habe, S o ein rieth einmalzur Amputation, sah aber keinen Nutzen. Pirogoff willvon der Amputation Nichts wissen; „sie verdient auch dasbischen Vertrauen, welches ihr von einigen Chirurgen ge-schenkt ist, gar nicht". (Lentz.)
Was von den Amputationen, galt auch von denExartikulationen, sie halfen allesammt nichts.
LIII. Der Versuch, durch Exartikulation des Armesden im Gefolge einer Oberarmschussfraktur auftretenden Wund-starrkrampf bei dem Musketier Hornberger vom 8. WestfälischenInfanterie - Regiment No. 57') zu beseitigen, machte man im2. Feldlazareth X. Armeekorps am 16. Oktober 1870. Leiderkehrten nach dem Ende der Chloroformnarkose die Krämpfemit solcher Macht zurück, dass die Wundnähte platzten undH. eine halbe Stunde darauf starb.
L1V. Zu einem Schuss durch den Mittelfuss, welchender Soldat Joras 2 ) am 6. August 1870 erlitten hatte, geselltesich am 13. desselben Monats Tetanus; die am folgenden Tage imReservelazareth Schwetzingen vorgenommene Exartikulationnach Chopart blieb ohne Effekt auf die nervösen Symptome. Todam 15. August. Sektion negativ. (Schinzinger.)
LV. Als nach einem Schuss durch das erste Phalangeal-gelenk des linken Ringfingers bei dem Jäger Kannenberg 8 )sich einige Tage später Tetanus zeigte, versuchte man im 6. Feld-lazareth IV. Armeekorps durch schleunige Exartikulationdes Fingers dem Kranken Hilfe zu bringen. Allein man täuschtesich; schon 24 Stunden später endete der Starrkrampf tödtlich.
LV1. Bayerischer Soldat Entel, 4 ) Zerschmetterung deslinken Oberschenkels durch Granate am 13. Oktober 1870. Als-bald nach der Verletzung Zuckungen im verletzten Gliede.
Exarticulatio femoris am 20. Oktober, hinterher Tetanusmit tödtlichem Ausgange am 22. Oktober 1870.
LV'll. S. verwundet am (i. August 1870. Splitterfrakturdes oberen Theils des linken Oberarms. Am Ansätze des m.deltoideus eine 3" lange, 2" breite Wunde. Es folgten schlechteEiterung, Fieber, Krämpfe in dem verletzten Gliede, Tetanus,Exartikulation am siebenten Tage nach der Verwundung.Trismus, Tod am zweiten Tage nach der Operation, (v.Beck.)
!) Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 11, Fall 21. (Die Angabehinsichtlich des Todestages ist im V. Bande nach obiger Darstellungzu berichtigen.)
2) Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 380, Fall 2.
3 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 145, Fall IG.
4 ) Vergl. Y. Band dieses Berichtes S. 149, Fall 4.
LVIII. Füsilier Winkler 1 ) erlitt am 6. August 1870eine Zersplitterung des linken Mittelhandknochens durch Gewelir-schuss. Nach Eintritt von Starrkrampf wurde am 13. AugustinGotha der Mittelhandknochen exartikulirt. Der Tetanus be-stand weiter. Tod am folgenden Tage.
Auch die Besektionen der zertrümmerten Knochensetzten der Wundkomplikation mit einer einzigen Aus-kein Ziel.
LIX. Im 3. Feldlazareth des Gardekorps wurde der miZerschmetterung des Fussgelenkes aufgenommene Kanonierdes Tetanus wegen resezirt. Die Krampfanfälle traten nacíder Resektion aber nur noch heftiger hervor und endeten24 Stunden nach der Operation tödtlich.
LX. Dürr, 2. Württembergisches Jäger - Bataillon,';verwundet am 21. Oktober 1870 bei Le Plant; Splitterbrucldes rechten Mittelhandknochens. Am 27. Kieferkrampf; sofortResektion des Knochens und Extraktion der nahe dem Hand-gelenke aufgefundenen Kugel. Die Operation war von keinerleiEinfluss auf das Weiterschreiten der Krankheit. Behandlungmit Chloralhydrat und Morphium. Tod am 29. Morgens5 Uhr.
LXI. Kanonier Schneider, 3 ) am 30. November 1870durch Granatexplosion verwundet, hatte mehrfache Hautwundenim Gesicht und eine Splitterung des rechten fünften Mittel-handknochens erlitten. Am 2. Dezember 1870 Reissen in denGliedern und Trismus. Sofort Exzision eines spitzen Stein-fragments aus der Haut des Kinns und Resektion des Mittel-handknochens. Ungeachtet fortgesetzter ChloroformbehandhvngTod am 11. Dezember 1870 Nachts 11 Uhr.
LXII. Französischer Kürassier de Najac. 4 ) Am 6. August1870 bei Wörth durch 4 Kugeln verwundet. Drei leichte Fleisch-wunden und eine Kugel durch den linken Oberarmkopf. Tetanus.Die Wunde an der linken Schulter enthielt ein Stück vom Randedes Kürass. Resektion am 15. August 1870 in Sulz. Fort-dauer des Tetanus trotz Morphium und Chloral. Tod am18. August 1870.
Heilung nach Gelenkresektion bei bestehendemTrismus wurde nur an einem Franzosen beobachtet. ZurEntwickelang von allgemeinem Tetanus scheint es dabeinicht gekommen zu sein. Die darüber vorliegende Mit-theilung ist folgende:
LXI11. Franzose Lisant vom 41. Linien-Regiment. ! lSchuss durch das Ellenbogengelenk mit Fraktur des Olekranonam 30. August 1870 bei Beaumont. Trismus. Totalresektiondes Ellenbogengelenks am 11. September 1870 in Mannheimdurch Professor v. Bergmann. Starre der Kaumuskeln hieltbis 3. Oktober an. Geheilt im Dezember 1870.
Endlich sei hier noch erwähnt, dass eine nach Eintrittvon Tetanus vorgenommene Besektion in der Kon-tinuität des Unterschenkels den Starrkrampf nicht mbeseitigen und den Tod nicht abzuwenden vermochte.
!) Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 146, Fall 28.
2 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 511, Fall 1. b. 1.
3) Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 511, Fall 1. b. 2.
4 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes B. 446, Fall 26.
5 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes S. 501, Fall 26.