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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VU.

V. Abschnitt: Behandlung.

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Demme sagt: Die Neurotomie der von der Wunde aus-strahlenden Nervenstämme zählt bis jetzt keine sicherenErfolge und wurde in Italien nach den von mir gemachtenErkundigungen in keinem Falle ausgeführt. Stromeyerspricht sich ganz entschieden gegen die Nervendurch-schneidung, wie überhaupt gegen jeden operativen Eingriffaus. Er geht von dem Grundsatze aus, dass der akuteTetanus unheilbar ist und der chronische allmälig erlischt,ohne dass die Behandlung mehr als. eine palliative seinkönne.

Die Neurektomie ist nach Friedrich durch Clephanemit günstigem, durch Dupuytren mit ungünstigem Erfolgeausgeübt worden. Schwer, in den meisten Fällen unmög-lich wird es sein, sicher die Nervenbahn festzustellen, inwelcher der lokale Reiz zum Centrum geleitet wird.Liston schlug deshalb einen /\-förmigen Schnitt oberhalbder Verletzung bis auf den Knochen vor, um so sicherden Nerven zu treffen. ihnen auf ähnliche Weise vonHicks 1797 mit günstigem Ausgange operirten Fall citirtCurling. Der Kranke erhielt aber auch Opium in groasenDosen.

Man sieht, sehr beliebt war die Nervendurch- undausschneidung nie.

Sollten noch fernere Versuche mit ihr angestellt werden,wozu die bisherigen Erfolge nicht ermuntern, so dürfte dieNeurotomie an passender Stelle als weniger verletzendeOperation am ehesten zu empfehlen sein.

Schlechte Resultate hatte die Amputation des ver-wundeten Gliedes. Dieselbe rettete, nach der Meinungv. Beck's, nur einen pyämischen Tetanischen.

XLV1II. Bl., 3. Badisches Infanterie-Kegiment No. 111. 1 )Die hinter dem linken Fersenbein eingedrungene Kugel stecktnoch. Am dritten und zehnten Tage Schüttelfrost, am drei-zehnten Trismus. Amputation unterhalb der Wade. DerLappen stiess sich brandig ab, die Wunde erhält ein filzigesAussehen, Kauterisation mit Lap. infern. Der Belag der Wundewird an einzelnen Stellen hornartig. Allgemeinbefinden gut. DieWunde erhält wieder gute Granulationen. Ein Abszess überdem Schienbein wird geöffnet, und der Patient 8 Wochen nachder Operation mit fast ganz vernarbter Wunde in die Heimathevakuirt. (v. Beck.)

XLIX. Derselbe Autor erzählt von einer Schussfrakturbeider linken Unterschenkelknochen bei R., 2. Badisches Grena-dier-Regiment No. HO, 2 ) welcher zehn Tage nach der Verwun-dung Tetanus folgte. 14 Tage nach der Verwundung Ampu-tation. Die Wundfläche wurde gangränös, der Tetanus heftiger.Tod in der fünften Woche.

Bei der ersten Etablirung des 3. Bayerischen Aufnahms-Feldspitals wurde in zwei Fällen der Versuch gemacht, durchAmputation der Glieder den Tetanus aufzuheben, aber dieAmputation schien den tödtlichen Ausgang nur zu be-schleunigen.

>) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 293, Fall 24.2 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 341, Fall 170.

L. Grenadier Schumm, vom 2. Ostpreussischen Grenadier-Regiment No. 3, ') verwundet am 25. Oktober 1870 bei Nogent,aufgenommen in das Etappenlazareth zu Coulommiers am29. Oktober 1870 mit einer Schussfraktur des linken Ober-schenkels und einer Schussfraktur des linken Mittelfusses. Be-ginnende Gangrän der 2. und 3. Zehe. Am 2. November stelltensich Schling- und Sprachbeschwerden ein und am 6. Novemberausgesprochener Tetanus. Am selben Tage Amputatio crurisüber dem Fussgelenk. Nach dem Erwachen aus der Narkoseerneute heftige Krämpfe und vier Stunden darauf der Tod.

LI. Leon Mohier, 2 ) verwundet am 30. Oktober 1870,rezipirt im 3. Feldlazareth des Gardekorps zu Villiers le Belam selben Tage, zeigte am äusseren Knöchel des rechten Fusseseine kleine, vom Eintritt einer Kugel herrührende Wundöffnung.Das Geschoss lag im Fussgelenke.

3. November 1870. Die Kugel ist heute aus der Wund-öffnung entfernt worden.

5. November 1870. M. T. 37.5° C. Der Mund ist festgeschlossen, die Kiefermuskulatur tetanisch und äusserstschmerzhaft. Wundaussehen unverändert.

T. Abends 37.8. Ord.: Dilatation der Wunde. Morphium-injektion.

6. November 1870. Trismus besteht fort, Schmerzen imNacken. T. Morgens 37.8.

Am Nachmittage wird durch Dr. Friedländer die Am-putation des rechten Unterschenkels im oberen Drittheilmittels Zirkelschnitts gemacht.

Am Abend sind sämmtliche Rückenmuskeln stark kontrahirt.Patient ist mit kaltem Schweisse bedeckt. Klonische Krämpfeder gesammten Muskulatur von stundenlanger Dauer in Inter-vallen. T. Abends 37.5.

7. November. M. T. 37.5. Tod am Nachmittage. EineSteigerung der Temperatur nach dem Tode ist nicht be-obachtet.

Die von Dr. Friedländer ausgeführte Sektion bot keinenAnhalt für die Entstehung des Tetanus. Sämmtliche Organefanden sich intakt.

LIT. Französischer Kapitän du Bousy. 3 ) Zerschmetterungdes linken Fussgelenks am 2. Dezember 1870. Tetanus. Am-putation des Unterschenkels am 9. Dezember 1870. Tod amfolgenden Tage.

Hierzu kommen noch die beiden erfolglosen Lossen-schen Fälle, Beier 4 ) und Hegemann 5 ), sowie ein ebenfallsungünstig verlaufener Fall von H. Fischer, so dass derzehnmal gemachte Versuch, den Tetanus durch Absetzungder verwundeten Extremität zu coupiren, neunmal vergeb-lich war.

Larrey rettete einen Offizier durch Amputation; Cur-ling citirt 11 Fälle von Amputation, von welchen 7 tödtlichendeten; bei den genesenen war ausserdem Tabak, Opiumu. A. gegeben worden.

Nach Richter ist im Amerikanischen Kriege in2 Fällen mit eklatantem Erfolge amputirt worden.

i) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 343, Fall 184.

2) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 365, Fall 62. Siehe auchS. 145 dieses (VII.) Bandes.

3) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 360, Fall 10.

4 ) Vergl. S. 134 dieses Bandes, Krankengeschichte XXIX."') Vergl. S. 135 dieses Bandes, Krankengeschichte XXX.